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Rohstoffe : Goldpreis bricht nach oben aus

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Bild: Bloomberg

An den Börsen und Rentenmärkten haben sich in den vergangenen Tagen die Inflationssorgen etwas verzogen. Dafür hat der Goldpreis ein neues 17-Jahreshoch erreicht. Er gilt „wertorientierten“ Anlegern als ultimativer Inflationsindikator.

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          Der Goldpreis tendiert weiterhin nach oben und erreicht am Donnerstag ein neues 17-Jahreshoch. Und das, obwohl sich die Inflations- und Zinssorgen in den vergangenen Tagen etwas verzogen zu haben scheinen. Das aber könnte täuschen.

          Lange Zeit wollte niemand etwas von Inflation wissen, denn zu offensichtlich schienen die deflationären Probleme zu sein, die von der Globalisierung der Weltwirtschaft ausgehen. Immer mehr Firmen verlagern ihre Produktionsstätten an günstige Produktionsstandorte und bauen dort neue Kapazitäten auf.

          Diese „Billigkonkurrenz“ führt einerseits zu Preisdruck bei vielen Produkten, die in die Industriestaaten exportiert werden. Gleichzeitig setzt sie auch die dort verbliebenen Unternehmen unter Druck, die Kosten zu senken. Das endet nicht selten damit, daß Arbeitsplätze abgebaut oder zumindest nicht aufgebaut werden. Auf diese Weise dürfte es auch wenig Gründe für steigende Löhne zu geben.

          Bild: Bloomberg

          Solche Argumente klingen logisch. Sie haben allerdings einen Nachteil, denn sie geben kein vollständiges Bild der ökonomischen Wirklichkeit wieder. So werden beispielsweise Impulse ausgeblendet, die von der Fiskal- oder auch der Geldpolitik ausgehen können.

          Geldschwemme macht sich allerorten bemerkbar

          Dabei wurden die Finanzmärkte in den vergangenen Jahren aufgrund der lockeren Geld- und Fiskalpolitik förmlich überschwemmt von Liquidität. Sie machte sich seltsamerweise bei den Konsumenten- und Produzentenpreisindizes lange Zeit nicht bemerkbar. Das kann sich allerdings auch damit erklären lassen, daß sie auf ungeeigneten Warenkörben basieren oder daß Energie- und Nahrungsmittelpreise aus den so genannten „Core-Indizes“ ausgegliedert werden.

          Dabei stiegen in den vergangenen Monaten gerade in diesen Bereichen die Preise deutlich. Völlig ausgeblendet werden auch die Vermögenswerte wie Aktien, Anleihen oder auch Immobilien. Dabei kam es auch hier zu zum Teil immensen Kurs- und Preissteigerungen. Insbesondere die Rentenmärkte scheinen völlig überbewertet zu sein, aber auch die Börsen in manchen Schwellenländern. Zumindest dann, wenn man sie mit den inhärenten Risiken vergleicht. In Teilen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, Australiens und ebenso in Spanien scheinen auch die Hauspreise zu rasch und zu stark gestiegen zu sein. Sie stehen in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu den Mieteinnahmen, die sich mit solchen Objekten erzielen lassen und sind damit an sich unwirtschaftlich, sprich: überbewertet.

          Solche Phänomene werden von „gemeinen“ Inflationsindikatoren nicht erfaßt, sind allerdings das Resultat hoher Geldmengen bei niedrigen Zinsen. Das wird auch an den Preisentwicklung bei Rohstoffen deutlich. Sie stellen bei einem kurzfristig unelastischen Angebot bei anhaltendem Wirtschaftswachstum knappe Güter dar. Die Preisentwicklung läßt sich damit auf beide Effekte zurückführen.

          Das ist allerdings nicht das Ende. Denn für viele Firmen stellen steigende Rohstoffpreise zunehmende Kosten dar, die sie entweder durch Rationalisierungen auffangen oder die sie an ihre Kunden weitergeben müssen. Die Kostensenkungsspielräume dürften jedoch in den vergangenen Jahren schon stark ausgeschöpft worden sein und dürften früher oder später an Grenzen stoßen. Das heißt, Preissteigerungen werden immer öfter auf der Agenda stehen.

          Der Goldpreis gilt „wertorientierten“ Anlegern als ultimativer Inflationsindikator

          Höhere Preise beschneiden das Budget der Endverbraucher. Sie können sich entweder einschränken und sparen oder höhere Lohnforderungen stellen. Das kann zu einer Lohn-Preisspirale nach oben führen. Dem dürften die Zentralbanken mit Zinserhöhungen begegnen wollen und müssen. Nicht umsonst hat die amerikanische Zentralbank den Leitzins in den vergangenen Monaten schon kräftig nach oben geschraubt und nicht umsonst hat auch die Europäische Zentralbank in den vergangenen Wochen deutlich auf steigende Zinsen eingestimmt. Sie dürfte unter anderem Preisimpulse fürchten, die von steigenden Steuern ausgehen können.

          Fakt ist, daß vieles auf steigende Preise hindeutet, sei es in Bezug auf die „engen“ und damit halblinden Inflationsindizes oder in Bezug auf die vielfältige Welt der Vermögenswerte. Das zeigt sich unter anderem auch an der Entwicklung des Goldpreises. Er tendiert nun schon seit Monaten sowohl gegen Dollar als auch gegen den Euro nach oben und hat am Donnerstag ein neues 17-Jahreshoch von 482,20 Dollar je Unze erreicht. Das Edelmetall setzt damit seine jüngste Hausse fort. Starkes Kaufinteresse von japanischen Anlegern sowie technisch ausgelöste Kaufsignale trieben die Gold-Rally, ist aus dem Handel zu hören. Das sollte den Zentralbanken und den Anleiheanlegern zu denken geben. Denn für „wertorientierte“ Anleger ist der Goldpreis der ultimative Indikator für die Inflationsentwicklung.

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