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Rohstoffe : Goldpreis bleibt unter Druck

Bild: F.A.Z.

Nach einem Rekordhoch hat der Goldpreis in zwei Tagen mehr als 200 Dollar verloren. Experten sehen als Gründe höhere Hinterlegungspflichten an den Terminbörsen und Gewinnmitnahmen.

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          Der Goldpreis fällt weiter. Am Donnerstag verbilligte sich der Preis für eine Unze (31,1 Gramm) des Edelmetalls um bis zu 3,5 Prozent auf 1704 Dollar. Damit verringerte sich der Goldpreis innerhalb von zwei Tagen um mehr als 200 Dollar; am Dienstag dieser Woche hatte er im New Yorker Handel noch sein bisheriges Rekordhoch von 1913 Dollar je Unze erklommen.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Marktbeobachter gehen davon aus, dass höhere Hinterlegungspflichten an Terminbörsen und Gewinnmitnahmen den aktuellen Preisrückgang erklären. So erhöhte der amerikanische Terminbörsenbetreiber CME Group die Hinterlegungspflichten (Margins) für Gold an der New Yorker Terminbörse Comex um weitere 27 Prozent auf 9450 Dollar je standardisiertem Terminkontrakt (Future). Ein Kontrakt umfasst dabei 100 Unzen und hat auf Basis des aktuellen Goldpreises also einen Wert von etwas mehr als 170.000 Dollar. Die Terminbörsen in Schanghai und Hongkong verlangen nun ebenfalls höhere Sicherheitsleistungen.

          Diskussion geht weiter

          Diese allgemeine Erhöhung der Hinterlegungspflichten, die eine Folge des zuletzt sehr schnell gestiegenen Goldpreises ist, könnte Anlass für Investoren gewesen sein, mit Goldanlagen erzielte Kursgewinne mitzunehmen. „Die aktuelle Margin-Erhöhung war erwartet worden und offenbar der Auslöser dafür, dass viele Investoren erzielte Gewinne realisiert haben“, sagt beispielsweise Gabor Vogel, Rohstoffanalyst der DZ Bank. Ein Indiz dafür sind aktuelle Abflüsse aus börsennotierten Indexfonds (ETF), welche die Goldpreisentwicklung nachbilden und das von Anlegern anvertraute Vermögen mit Gold hinterlegen. Der Goldbestand des größten Gold-ETF der Welt, SPDR Gold Shares, sank dem Vernehmen nach um mehr als 2 Prozent innerhalb eines Tages, was der größte prozentuale Rückgang seit sieben Monaten gewesen wäre. Die von ETF auf der ganzen Welt gehaltenen Goldbestände haben sich nach Angaben der DZ Bank alleine in dieser Woche um rund 45 Tonnen auf 2155 Tonnen verringert.

          Bild: F.A.Z.

          Unterdessen geht unter Marktbeobachtern die Diskussion weiter, ob sich am Goldmarkt angesichts des in den vergangenen Jahren verzeichneten Kursanstiegs mittlerweile eine Preisblase, also eine von Euphorie getriebene Übertreibung, gebildet hat. Zu Beginn des Jahres kostete eine Unze Gold noch 1400 Dollar, vor zehn Jahren waren es weniger als 300 Dollar für dieselbe Menge. Der starke Anstieg des in Dollar gemessenen Preises deutet für sich genommen tendenziell darauf hin. Vergleicht man hingegen Gold mit anderen realen Werten wie beispielsweise Rohöl oder Aktien, so ergibt sich mit Blick auf die Vergangenheit ein differenziertes Bild.

          Finale Phase des Preisanstiegs

          Im den siebziger und achtziger Jahren habe eine Unze Gold im Durchschnitt dem Wert von 18 Fässern Rohöl je 159 Liter entsprochen (siehe Grafik), aktuell ist eine Unze demnach ungefähr 16 Fässer wert. Setzt man den aktuellen Goldpreis ins Verhältnis zum für den Aktienmarkt der Vereinigten Staaten repräsentativen S&P-500-Index, so ergibt sich ein Verhältnis von 1,6, was im Vergleich mit der Vergangenheit ebenfalls nicht auf eine Goldpreis-Blase hinweist; zu Beginn der achtziger Jahre betrug das Verhältnis mehr als fünf. DZ- Bank-Analyst Vogel geht deswegen davon aus, dass der Goldpreis nach der aktuellen Korrektur wieder steigt und aufgrund der Unsicherheit über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Amerika und Europa noch in diesem Jahr die Marke von 2000 Dollar erreicht: „Wir sehen den Goldpreisanstieg derzeit in seiner finalen Phase gemessen an Vergleichen etwa mit anderen realen Werten wie Öl oder Aktien.“

          Ab einem Niveau von 2150 Dollar je Unze erreiche der Goldpreis einen im Vergleich zu den achtziger Jahren extrem hohen Wert. Von diesem Level aus sei ein weiterer Anstieg unter Gesichtspunkten der fairen Bewertung nur noch schwer zu begründen. Mit Blick auf die Gesamtkosten der Goldproduktion sei ein Goldpreis zwischen 1400 und 1500 Dollar je Unze gerechtfertigt, sagt Georges Lequime, Goldfondsmanager der Earth Resource Investment Group in Zug. Auch er glaubt aber, dass der Preis weiter steigt: „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir auf dem Goldmarkt eine Blase bekommen – auf einem Niveau von 2500 Dollar je Unze hätten wir sie vermutlich ziemlich sicher.“

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