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Rohstoffe : Gold glänzt wieder

  • Aktualisiert am

Anleger machen Platz im Tresor Bild: dpa

Der Goldpreis hat die psychologisch wichtige Marke von 700 Dollar je Feinunze geknackt. Und wegen der bestehenden Risiken im weltweiten Finanzsystem kommt Gold als physische Geldanlage wieder stärker in Mode.

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          Ein Szenario weiter steigender Goldpreise könnte eine gute Voraussetzung für steigende Kurse bei Goldminenaktien sein. Bei einem solchen Investment ist man als Anleger aber unternehmensspezifischen Risiken ausgesetzt. Außerdem leiden auch die Goldproduzenten unter einem hohen Kostendruck. Einen echten Schutz, wenn es zu ernsthaften Problemen im Finanzsystem kommen sollte, bieten Goldminenaktien deshalb nur bedingt.

          Darauf weist auch Wilhelm Schröder von Schröder Equities und Berater des Nestor Australien Fonds hin. „Es sind Szenarien vorstellbar, in denen der Goldpreis wegen Turbulenzen an den Finanzmärkten um zehn bis zwanzig Prozent steigt, während Goldminenaktien gleichzeitig um 20 bis 40 Prozent nachgeben.“ Selbst Gold-Zertifikate gelten nicht als absolut sicherer Schutz, weil die Zertifikate bei Insolvenz des Emittenten ebenfalls wertlos verfallen könnten.

          Die physische Nachfrage nach Gold ist dramatisch gestiegen

          Auch deshalb hat sich Schröder selbst zuletzt mit etwas physischem Gold einzudecken versucht. Beim Einkaufen beim Münchener Goldhändler Pro Aurum musste er aber feststellen, dass viele der sonst stets im Laden vorhandenen Münzen und Barren Mangelware oder gänzlich ausverkauft waren. „Die Händler sind zuletzt von den Anlegern völlig überrannt worden“, lautet Schröders Bestandsaufnahme.

          Handlicher ist indes der Krügerrand

          Auf eine deutlich gestiegene Tendenz hat schon vor einigen Wochen auch Martin Siegel von Siegel Investments hingewiesen. Siegel ist nicht nur ebenfalls Berater eines Goldfonds, sondern er hat mit dem Unternehmen Westgold auch einen eigenen Goldhandel gestartet. In einer Marktbesprechung beschrieb Siegel unlängst die Lage wie folgt:

          „In den vergangenen Tagen ist ein erstaunliches Phänomen am Goldmarkt zu beobachten. Auf der einen Seite trocknet der physische Goldmarkt völlig aus. Der Markt für Goldmünzen ist praktisch leergekauft. Die Nachfrage nach Gold und Silber stieg in den letzten Wochen dramatisch an. Ein größerer Händler verweigert inzwischen die Auftragsannahme, nachdem er die massiven Kaufwünsche nicht mehr bewältigen konnte. Derzeit liegt das Auftragsvolumen der Firma Westgold auf Rekordniveau und übertrifft die Umsätze aus dem Vorjahreszeitraum um etwa das Fünffache. Dabei beobachten wir, dass die Anleger nicht mehr nur spekulative Positionen im Goldbereich aufbauen, sondern größere Vermögensteile gezielt in Goldanlagen umschichten“.

          Alte Anlagephilosophien erfahren eine Renaissance

          Einige Anleger richten sich jetzt wieder nach der bewährten Formel 1/3 in Wertpapiere, 1/3 in Immobilien und 1/3 in Gold anzulegen, was zu massiven Goldkäufen führt, da die Goldbestände bei genauerer Betrachtung der Vermögensaufstellung völlig untergewichtet sind. Im Hinblick auf den Gesamtmarkt sind diese Anleger jedoch in der absoluten Minderheit, so dass von einem breit angelegten Run auf Edelmetallinvestments nicht die Rede sein kann.

          Auch die Produzenten von Goldbarren melden Umsätze, die nicht nur massiv über der Nachfrage in den sonst ruhigeren Sommermonaten liegen, sondern auch die Umsätze in den sonst nachfragestarken Herbstmonaten weit übersteigen. Die Münzprägestätten für Silbermünzen wurden von der Nachfrage völlig überrascht und können die Aufträge nur noch mit längeren Lieferzeiten befriedigen.

          Auch Goldproduzenten glauben an weiter steigende Goldpreise

          Beflügelt wurde der Goldpreis zuletzt aber nicht nur durch die Nachfrage von Privatinvestoren, sondern auch durch die Goldproduzenten selbst. Diese sind nach wie vor dabei, ihre Leerverkäufe auf Gold zu schließen. Zuletzt machte in dieser Hinsicht vor allem Newcrest Mining von sich reden. Der Goldproduzent hat bereits zwei Millionen Feinunzen an Gold zurückgekauft und will bei normalen Marktumständen in den kommenden zwölf Monaten weitere 1,2 Millionen Feinunzen erwerben.

          Aktivitäten wie diese signalisieren, dass auch die Branche selbst fest mit weiter steigenden Goldpreisen rechnet. So gab jüngst bei einer Konferenz Pierre Lassonde, stellvertretender Vorsitzender bei Newmont Mining, dem weltweit zweitgrößten Goldproduzenten, folgende Prognose ab: „Die Zeit für Gold kommt. Die Hausse für Rohstoffe wird noch eine ganze Generation, also etwa 20 Jahre, anhalten. Der Preis für Gold wird drei Nullen beinhalten. Allerdings weiß ich nicht, welche Ziffer vorne stehen wird.“ Zusammen mit den bestehenden Risiken im weltweiten Finanzsystem scheint es vor diesem Hintergrund in der Tat kein schlechter Rat zu sein, sich etwas physisches Gold ins Depot zu legen.

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