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Rohstoffe & Geldanlage : Silber ist als Zwittermetall chancenreich

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Bild: F.A.Z.

Ist Silber die Lösung? Die Antwort auf die Frage, was momentan eine wirklich gute Geldanlage ist, fällt schwer. Das Edelmetall hat sich im Laufe der Zeit vom Edel- vor allem zum Industriemetall gewandelt, wird nun aber auch wieder von Anlegern gefragt.

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          Ist Silber die Lösung? Die Antwort auf die Frage, was momentan eine wirklich gute Geldanlage ist, fällt schwer. Aktien leiden darunter, dass die Marktteilnehmer verunsichert sind über die Wirtschaftsaussichten der großen Volkswirtschaften, die Gewinnsteigerungsmöglichkeiten der Unternehmen und damit letztendlich über den wichtigsten Antreiber für Aktienkurse.

          Anleihen erbringen momentan eine so geringe Verzinsung, das sie unter diesem Gesichtspunkt nicht interessant sind. Gold ist in unsicheren Zeiten zwar immer eine gesuchte Anlage. Doch dessen Preis hat gerade ein Rekordhoch erklommen - wer jetzt kauft, muss darauf hoffen, dass der Preis noch wesentlich weiter steigt, um daran zu verdienen. Ist Silber also die Lösung?

          Silberpreis liegt auf dem höchsten Niveau seit zweieinhalb Jahren

          Das Edelmetall hat gerade die Marke von 20 Dollar für eine Feinunze (rund 31 Gramm) übersprungen, handelt damit auf dem höchsten Stand seit rund zweieinhalb Jahren und kostet beispielsweise knapp 7 Dollar mehr als im Februar dieses Jahres. Wenn es um Silber geht, dann gibt es allerdings einige Gründe dafür, dass es am Jahresende noch teurer sein könnte. "Wir rechnen damit, dass der Silberpreis in der Spitze sogar auf 25 Dollar überschießen kann", schreiben die Silberfachleute der DZ Bank - das wäre von heute ein weiterer Anstieg um immerhin 25 Prozent. Der historische Höchststand von gut 50 Dollar aus dem Jahr 1980 war das Ergebnis einer riesigen Spekulation der Gebrüder Hunt und dürfte auf absehbare Zeit unerreicht bleiben.

          Für weitere Preissteigerungen spricht, dass das Edelmetall ein "Zwitter" ist. Zum einen bleibt Silber, das auch als das "Gold des kleinen Mannes" bezeichnet wird, eine beliebte Möglichkeit, Wert aufzubewahren in unsicheren Zeiten, das verglichen mit der Alternative Gold überdies für viele erschwinglich ist. Gemessen am Preisverhältnis zwischen den beiden Edelmetallen (Gold-Silber-Ratio), ist Silber jetzt gerade jedenfalls nicht teuer.

          Zum andern ist Silber aber eben nicht nur Schmuck. Auch viele Unternehmen verbrauchen Silber und fragen viele Millionen Tonnen pro Jahr nach. Silber steckt in Spülmaschinen, Fernsehern, CDs, DVDs und Katalysatoren, außerdem in immer mehr Batterien für Laptops und Mobiltelefone. Aufgrund seiner antibakteriellen Wirkung ist es sogar von der Medizin entdeckt worden und steht nun auf der Einkaufsliste entsprechender Unternehmen. Und es wird, um ein weiteres Beispiel zu nennen, auch benutzt, um schmutziges Wasser sauber zu bekommen. Alleine China hat nach Angaben der DZ Bank in diesem Jahr bisher netto 2281 Tonnen Silber eingeführt, im vergangenen Jahr waren es 907 Tonnen. "China wird künftig verstärkt auf die ökologischen Folgen des ausgeprägten Wachstums achten müssen. Ein wichtiges Feld ist die Wasseraufbereitung; in den Wasserfiltersystemen kommt Silber zum Einsatz", heißt es in der Analyse.

          Silber ist nicht nur Edelmetall, sondern auch Industriemetall

          Da ist es leicht zu verkraften, dass die Fotoindustrie wesentlich weniger Silber verbraucht, seitdem sich die digitale Fotografie etabliert hat. Silber war der lichtempfindliche Bestandteil von Schwarzweißfilmen. "Silber ist eben nicht nur Edelmetall, sondern auch Industriemetall", sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Wenn die Wirtschaft anzieht, steigt üblicherweise die Nachfrage nach Silber und bei gleichbleibendem Angebot auch dessen Wert.

          Anleger haben verschiedene Optionen, auf Silber zu setzen. Wer will, kann Silberbarren kaufen; momentan kostet ein Kilogramm rund 660 Euro. Im Kaufpreis enthalten ist die im Gegensatz zu Gold fällige Mehrwertsteuer. Alternativen, an der Entwicklung des Silberpreises teilzuhaben, gibt es an der Börse: Anleger können die Silberwette durch den Kauf von Silberminenaktien abschließen (siehe unten) oder sie können unter Zertifikaten und börsengehandelten Rohstoffen (ETC) wählen (siehe rechts). ETC bieten im Vergleich zu physischem Silber den Vorteil, dass ein Anleger keinen Tresor braucht, sondern die Fondsanteile, deren Wert sich in der Regel eins zu eins mit dem Silberpreis ändert, in ihre Depot legen können.

          Die Anbieter dieser Produkte stehen übrigens selbst für einen großen Teil der Silbernachfrage, weil sie häufig das Geld ihrer Anleger mit physischem Silber hinterlegen. Insgesamt halten sie mehr als 13 000 Tonnen Silber. Das größte Silberprodukt, das der ETF-Anbieter iShares verwaltet, kaufte unlängst innerhalb von zwei Tagen rund 80 Tonnen Silber hinzu; und hält alleine gut 9000 Tonnen Silber.

          Schließlich ist die Gefahr, dass Silber angesichts seines vergleichsweise hohen Preises schon zu teuer ist, auch aus dem Blickwinkel der Spekulation heraus offenbar nicht sehr groß. Das Engagement spekulativ orientierter Investoren ist derzeit um rund ein Fünftel geringer als im März 2008, als der Silberpreis zuletzt auf diesem Niveau handelte.

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