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Rohstoffe : Finanzinvestoren treiben die Preise

Öl gibt's genug - doch einige hätten es gern teurer Bild: dpa

Zu viel Geld und zu wenig Alternativen. Das treibt Finanzinvestoren zurück an die Rohstoffmärkte und den Ölpreis auf 70 Dollar. Das weckt Erinnerungen an nicht allzu lang zurückliegende Spekulationsblasen.

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          Eigentlich dürfte Öl nicht teuer sein. Die Krise der Weltwirtschaft schlägt sich unter anderem in einer schwachen Nachfrage nach Rohöl nieder. Die Lager sind gut gefüllt, und die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) dürfte in den kommenden Wochen ihre Fördermengen leicht erhöhen.

          Öl ist also reichlich vorhanden - warum dann ist der Preis innerhalb eines halben Jahres von dem im Dezember 2008 erreichten Tiefststand von 32 Dollar auf nun rund 70 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen? Eine Antwort lautet: Die Finanzinvestoren sind an die Rohstoffmärkte zurückgekehrt und damit die Spekulation auf kurzfristige Preisveränderungen.

          Die alten Zeiten sind zurück

          In solch aufgeheizten Märkten spielen langfristige Überlegungen zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage für die Preisbildung eine geringere Rolle als kurzfristige Einflüsse. Die Commerzbank schreibt in einem Bericht: „Mit einer zurückkehrenden Zuversicht der Finanzmarktteilnehmer und einem verstärkten Einfluss der Anleger an den Rohstoffmärkten kehren auch die ,alten Zeiten' am Ölmarkt zurück, als allein eine positive Einschätzung oder Äußerung eines einflussreichen Analysten zum Ölpreis zu einem Preisanstieg führte.“

          So reagierte der Ölpreis in den vergangenen Tagen auf die Ankündigung der Investmentbank Goldman Sachs, die ihre Preisprognose für das laufende Jahr von 65 auf 85 Dollar je Barrel erhöhte und für das kommende Jahr einen Preis von 95 Dollar voraussagt. Außerdem hat ein Vertreter der Opec einen Preis von 70 bis 75 Dollar je Barrel zum Jahresende als „vernünftig“ bezeichnet. Auf 70 bis 80 Dollar je Barrel werden die durchschnittlichen Produktionskosten geschätzt, die bei neuentdeckten Ölfeldern anfallen werden. Insofern mag langfristig der Ölpreis nicht mehr unterhalb dieses Preisbandes liegen. Aktuell aber herrscht kein Mangel an Öl, und die Kosten der aktuellen Förderung liegen deutlich unter 70 Euro.

          Wie stark sind die Banken engagiert?

          Die Rückkehr der Finanzinvestoren lässt sich dokumentieren. So schreibt die Landesbank Baden-Württemberg: „Gegenüber dem Jahresbeginn haben sich die von Großanlegern wie Hedge-Fonds an den amerikanischen Rohstoffbörsen gehaltenen Kaufkontrakte mehr als verdreifacht. Das Netto-Investitionsvolumen der spekulativen Marktakteure stieg im selben Zeitraum um rund 30 Milliarden Dollar auf das höchste Niveau seit dem Spätsommer 2008.“

          Nach Berechnungen von Barclays Capital halten Hedge-Fonds rund 13 Prozent der offenen Terminkontrakte an den amerikanischen Rohstoffmärkten, wobei wegen der Intransparenz der Branche leider nicht bekannt ist, wie viele der an den Rohstoffmärkten tätigen Hedge-Fonds sich unter Kontrolle von Großbanken befinden.

          Nachdem im vergangenen Jahr heftige Kritik an Banken als Profiteuren der damals stark gestiegenen Nahrungsmittelpreise wach wurde, halten sich die Banken mit Äußerungen zu ihren Engagements an den Rohstoffmärkten zurück. Aber eine Bank muss ja gar nicht selbst an den Märkten aktiv werden, solange es in ihrem Umfeld „befreundete“ Fonds gibt, die keinerlei Informationen veröffentlichen.

          Der müde Wachhund räkelt sich

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