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Rohstoffe : Erholung im internationalen Diamantenhandel

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Die „besten Freunde” der Damenwelt Bild: REUTERS

Der Diamantenhandel erholt sich zaghaft von den Turbulenzen der Finanzkrise. Allerdings sind die Erschütterungen noch lange nicht überstanden. Viel hängt davon ab, welche Finanzierungen Händler und Produzenten polierter Steine erhalten.

          Der Diamantenhandel erholt sich zaghaft von den Turbulenzen der Finanzkrise. Auf der Diamantenmesse für polierte Steine, die die Antwerpener Diamantenbörse in diesem Jahr für mehr als 40 Verkäufer und mehr als 200 europäische Käufer lanciert hat, schien sich am Montag die Stimmung langsam aufzuhellen.

          "Der Markt für Luxusprodukte fängt sich und die Nachfrage nach Diamanten hoher Qualität und Diamantschmuck erholen sich", sagte Thierry Silber, Präsident von Diamaz International, einem Verarbeiter russischer und kanadischer Rohdiamanten.

          Erschütterungen der Finanzkrise noch lange nicht überstanden

          Allerdings sind die Erschütterungen der Finanzkrise noch lange nicht überstanden. Viel hängt davon ab, welche Finanzierungen Händler und Produzenten polierter Steine von Banken erhalten, wann Verkäufer ihre Vorräte wieder aufstocken und wie stark die Verbrauchernachfrage im Westen zulegen wird. Außerdem kämpft der Markt immer noch mit ungewöhnlich hohen Preisen für Rohdiamanten und stagnierenden Preisen für geschliffene Steine. Für Rohdiamanten, für die vor der Krise 3 300 Dollar je Karat gezahlt wurden, werden jetzt wieder 2 700 Dollar geboten, nachdem der Preis auf dem Krisenhöhepunkt auf 1 600 Karat gefallen war, berichtet der Marktbeobachter Rapaport.

          Hinter den Kulissen geht zudem der Ärger über Zimbabwe und dessen Diamanten aus den Marange-Minen weiter. Im Jahr 2000 hatte die Diamantenbranche eine Auszeichnung von Steinen mit einem Siegel im Rahmen des Kimberley Prozess vereinbart. Das Gütesiegel des World Diamond Council soll sicherstellen, dass keine Diamanten verarbeitet und verkauft werden, die unter Verletzung der Menschenrechte geschürft wurden und deren Erlös zum Waffenkauf verwendet wurde.

          Der Vorwurf gegenüber dem World Diamond Council lautet jedoch, dass trotz schwerer Menschenrechtsverletzungen Diamanten aus den Marange Minen in Zimbabwe mit dem Zertifikat ausgestattet und an die westlichen Märkte weiterverkauft werden. Hinter den Kulissen wird eingeräumt, dass der Einfluss Namibias im Weltkongress so stark sei, dass lange nichts gegen Zimbabwe und den Missbrauch des Gütesiegels für Marange Diamanten unternommen worden sei. Ende Januar warnte der Präsident des World Diamond Council, Eli Izhakoff, Händler sollten aufpassen, dass sie keine Marange-Diamanten kauften, solange die Kontrolle im Rahmen des Kimberley Prozess in Zimbabwe noch nicht sichergestellt sei.

          Wann stocken die „Schleifer“ ihre Lager auf?

          Unterdessen wartet der Markt darauf, dass die Unternehmen in den Schleifzentren der Welt ihre Vorräte an Rohdiamanten wieder aufstocken. Der Import für Schleifzentren und Schmuckindustrie war nach Angaben von Rapaport in Antwerpen von 3,2 Milliarden Dollar im dritten Quartal 2008 auf 1,2 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2009 eingebrochen und hat seit seither auf 1,96 Milliarden Dollar im vierten Quartal 2009 erholt. In Indien, wo die Schleifzentren zeitweilig gar geschlossen wurden, kollabierte der Import von 3,2 Milliarden Dollar auf 738 Millionen Dollar, liegt jetzt aber wieder bei 2,3 Milliarden Dollar. Israel sah seine Einfuhren von 1,2 Milliarden Dollar auf nur noch 277 Millionen Dollar zusammenschmelzen. Der Import ist im vierten Quartal 2009 auf 909 Millionen Dollar gestiegen.

          Das stärkste Kaufinteresse kommt aus Indien: die indischen Banken stützen die Branche mit günstigeren Finanzierungen als dies in Europa und Israel der Fall ist. Da die Rupie gegenüber dem Dollar aufwertet, sind indische Käufer zahlungskräftiger als ihre Wettbewerber. Gleichzeitig ist die Nachfrage der indischen Mittelklasse nach Diamanten stabil.

          Wie stabil die Nachfrage nach polierten Steinen und Schmuck ist und welche Schwierigkeiten indessen noch im Westen herrschen, zeigt ein Blick auf die Daten von Rapaport: in Antwerpen lag die Ausfuhr im vierten Quartal mit 2,3 Milliarden Dollar noch um 1 Milliarde Dollar unter dem Export im Sommer 2008. In Indien hat sich der Export indessen mit 4,1 Milliarden Dollar fast wieder auf das Niveau von Sommer 2008 erholt.

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