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Rohstoffe : Die Börsen sind in einer „Silberbaisse“

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Silberpreis hat den historischen Preisrekord aus dem Jahr 1980 überwunden. Denn negative Realzinsen treiben Anleger in reale Werte. Gemessen am Silberpreis befinden sich die Börsen seit Jahren in einer ausgeprägten Baisse.

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          Der Preis von Silber ist in den vergangenen zweieinhalb Jahren um mehr als 450 Prozent gestiegen und war am Montag an der Terminbörse mit 49,82 Dollar je Feinunze nominal so teuer wie nie zuvor (gemessen am generischen Kontrakt). Am Freitag liegt er nur leicht darunter.

          Der Silberpreis hat damit den historischen Preisrekord aus dem Jahr 1980 überwunden. Damals hatten die Spekulationen der berüchtigten Hunt-Brüder für einen ungekannten Preisboom bei Silber gesorgt. Innerhalb weniger Jahre stieg der Silberpreis um ein Vielfaches auf bis zu 49,45 Dollar. Ähnliche Gründe scheinen auch diesmal nicht von der Hand zu weisen zu sein.

          Negative Realzinsen treiben Anleger in reale Werte

          Extrem expansive geldpolitische Strategien der Zentralbanken in aller Welt führten in den vergangenen Jahren zu zum Teil stark negativen Realzinsen und verführten immer mehr Anleger dazu, immer mehr Gelder in die vergleichsweise engen Energie- und Rohstoffmärkte zu investieren (siehe auch: Am Rohstoffmarkt droht ein Teufelskreis). Unabhängig von der realwirtschaftlichen Versorgungslage verstärkten sich die einmal etablierten Preistrends in einem Teufelskreis selbst: Extreme Geldpolitik führt zu steigenden Rohstoffpreise, die zu höheren Inflationsraten, die zu zunehmender Flucht der Anleger in Realwerte - was noch höhere Rohstoffpreise zur Folge hat.

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          Auf der anderen Seite der jüngst bestätigten, sehr expansiven geldpolitischen Strategie der amerikanischen Zentralbank steht der dadurch ausgelöste langfristige Abwertungstrend der amerikanischen Währung. Er trägt dazu bei, dass Energie- und Rohstoffkontrakte, die traditionell in Dollar gehandelt werden, immer teurer werden. Schließlich werden Edelmetalle wie Gold, Platin, Palladium oder Silber immer öfter als Alternative zu schwachen „Papierewährungen“ betrachtet, da sie nicht beliebig vermehrbar sind.

          Diese Überlegungen haben dazu beigetragen, dass im Silbermarkt die aufgrund der Digitalisierung und hoher Preise nachlassende Nachfrage aus der Photo- und Silberwarenindustrie ausgeglichen worden ist vom zunehmenden Bedarf der Anleger. Immer mehr von ihnen scheinen sich in den vergangenen Jahren dazu entschlossen zu haben, sich Silberbarren oder Münzen in die Tresore oder physisch unterlegte Anlageprodukte in die Depots legen zu wollen.

          Verschwörungstheoretiker verbreiten Thesen, nach welchen in der Vergangenheit verschiedene Banken Wetten auf fallende Silberpreise abgeschlossen hätten. Nun seien sie bei steigenden Preisen gezwungen, diese Wetten durch Rückkäufe auszugleichen, um Verluste zu begrenzen. Zudem seien viele der ausgegebenen Anlageprodukte, die einen Bezug auf Silber hätten, nicht physisch unterlegt. Sollten Anleger die Wandlung fordern, gerieten die Emittenten in Lieferschwierigkeiten. So seien auch sie zum Kauf von physischem Silber gezwungen, um entsprechende Risiken zu begrenzen. Technische Faktoren dieser Art können dazu beitragen, dass der Silberpreis noch höher steigt.

          Gemessen in Silber befinden sich die Börsen seit Jahren in der Baisse

          Anleger lassen sich zudem nicht nur von der Geldpolitik und von Inflationssorgen zum Kauf von knappen Gütern verleiten. Sondern sie werden auch durch hohe Staatsverschuldung in vielen Industriestaaten verunsichern. Die staatlichen Verbindlichkeiten sind nicht nur in Griechenland, Irland oder Portugal hoch, sondern sie nehmen auch in den Vereinigten Staaten rasant zu. Jüngst drohte die Ratingagentur Standard & Poor's den Vereinigten Staaten mit dem Entzug ihrer Top-Bonität, sollten sie nicht bald ihren Staatshaushalt in Ordnung bringen (siehe auch: Die Vereinigten Staaten haben ein Ausgabenproblem).

          Gold, Silber und andere Rohstoffe gelten zudem als Alternativen zu traditionellen Inflationsindizes. Skeptiker erklären, die Berechnung der Inflationsraten würde verzerrt und mittels willkürlicher Zusammensetzung der gewählten Warenkörbe und hedonistischer Verfahren „schöngerechnet“. Legte man Silber als Maßstab und als Inflationsmaß an, befänden sich die Aktienmärkte nicht in einer Hausse, sondern seit dem Jahr 2000 in einer anhaltenden Baisse. Waren im Jahr 2000 noch etwas mehr als 300 Unzen Silber nötig, um die Aktien der im S&P-500-Index vertretenen Unternehmen erwerben zu können, so waren am Donnerstag dafür gerade noch 29 Unzen Silber nötig.

          Ob die Silber-Hausse weitergehen wird, ist nicht ausgeschlossen. Allerdings nehmen die Korrekturrisiken dramatisch zu. Schon die Hunts mussten erfahren, dass Preise nach starken Zuwächsen innerhalb kürzester Zeit ebenso rasch und deutlich nachgeben können.

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