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Rohstoffe : Der Weizenpreis legt deutlich zu

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Bild: Bloomberg

Der Weizenpreis hat in den vergangenen Wochen deutlich angezogen. Hintergrund sind „Wetterbedenken“ in Australien und die Sorge über ein schwindendes Angebot. Mittelfristig dürften auch abnehmende Reserven eine Rolle spielen können.

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          Die Weizenpreise sind in den vergangenen Tagen regelrecht explodiert. Zum Wochenbeginn schossen sie an den amerikanischen Terminbörsen um das höchstzulässige Tagesmaß empor. Am Montag betrug der Preisanstieg am Chicago Board of Trade gemessen am Endloskontrakt satte 6,47 Prozent auf 494 Cents je Bushel.

          Am Dienstag legt der Preis im Handelsverlauf weitere 2,23 Prozent auf 505 Cents zu, das Tageshoch lag bei 524 Cents. Das war zumindest nominal der höchste Stand seit Juli des Jahres 1996. Das ist das Jahr, in dem der Preis Spitzenwerte von bis zu 717 Cents je Bushel erreicht hatte. Ein amerikanisches Bushel Weizen entspricht 27,2 Kilogramm. Das heißt, zwei Bushel sind ein Zentner plus 4,4 Kilogramm.

          Rapide Verschlechterung der neuen Weizenernte in Australien

          Die laufende Aufwärtsbewegung ist schon Mitte September entstanden. Seitdem hat der Preis bis zu 35 Prozent zugelegt. Diese Dynamik ist auf Berichte über eine rapide Verschlechterung der neuen Weizenernte in Australien zurückzuführen, die nun Preissteigerungen ausgelöst haben, wie sie in dieser Form seit fast zwanzig Jahren nicht mehr zu beobachten gewesen sind. Die Weltweizenbilanz für 2006/07 (Juli/Juni) zeichnet sich bereits seit Monaten durch eine zunehmende Anspannung aus

          Jetzt scheint angesichts der monatelangen Hitze und Trockenheit in weiten Teilen der australischen Erzeugergebiete und der nicht zufriedenstellenden Wuchsbedingungen für die argentinische Ernte der Punkt erreicht zu sein, an dem die Nachfrage über steigende Preise so weit gedämpft werden muß, daß eine akute Knappheit verhindert werden kann. Allein die australische Produktion könnte nach Schätzung des Grains Council of Australia im Vergleich zur vergangenen Saison von 25 Millionen Tonnen auf 10 Millionen Tonnen sinken. Träfe dies zu, würde statistisch gesehen eine Knappheit drohen, wie sie in der modernen Geschichte des Weizenmarktes beispiellos wäre.

          Folgerwirkungen in anderen Märkten absehbar

          Auf dieser Basis scheinen weitere Preissteigerungen möglich zu werden, sofern sich die Situation nicht doch noch entspannen sollte. Sehr wahrscheinlich kommt es auch zu Folgewirkungen. Sie werden dadurch ausgelöst, daß die Futter- und Nahrungsmittelindustrie und auch die Konsumenten versuchen werden, auf Alternativen auszuweichen. Aus diesem Grund dürfte es auch bei anderen Nahrungs- und Futtermitteln zu Preissteigerungen kommen, sofern sie nicht längst schon gestiegen sind.

          Der Reispreis beispielsweise hat Mitte des vergangenen Jahres ebenfalls einen eindeutigen Aufwärtstrend etabliert und inzwischen rund 55 Prozent zugelegt. Im Endeffekt dürften selbst bei lange Zeit disinflationär wirkenden Nahrungsmitteln Preissteigerungen nicht mehr ausgeschlossen werden können. In Deutschland bietet alleine schon die dreiste Erhöhung der Mehrwertsteuer geschickten Anbietern die Möglichkeit, psychologische Preisbarrien mit entschuldigendem Hinweis auf die rücksichtslose Gier des verschwenderischen Staates zu überwinden.

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