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Rohstoffe : Der Silberpreis holt auf

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Bild: FAZ.NET

Der Silberpreis ist zwar zunächst hinter der jüngsten Aufwärtsbewegung von Gold zurückgeblieben. Analysten geben ihm jedoch „Nachholbedarf“. Der werde unter anderem durch die starke industrielle Nachfrage unterlegt, heißt es.

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          Der Silberpreis hat sich in den vergangenen Handelstagen erholt. Nachdem er vor dem Hintergrund der jüngsten Krise an den Finanzmärkten zunächst deutlich hinter dem steigenden Goldpreis zurückgeblieben war, kostete eine Unze Silber (etwa 31,1 Gramm) am Spotmarkt in London am Donnerstag wieder 13,45 Dollar. Anfang des Jahres lag der Preis für eine Unze noch bei 14,65 Dollar. Im August fiel er dann zeitweise auf unter 12 Euro zurück.

          Die Turbulenzen dieses Sommers sind also auch am Silbermarkt nicht spurlos vorübergegangen. Während Ende Juli der Goldpreis exorbitant zulegte, begannen Investoren und Privatanleger die als weniger sicher geltenden Edelmetalle zu vernachlässigen. Dies sind vor allem Silber und Platinmetalle, zu denen auch Palladium gehört.

          Silber beweist sich als relativ preisstabiler Rohstoff

          Wolfgang Wreszniok-Rossbach, verantwortlich für Marketing und Verkauf bei dem Edelmetallunternehmen Heraeus in Hanau, lässt sich von den Verwerfungen nicht beeindrucken. Wie bei allen Finanzkrisen profitiere das Gold als traditionell sicherer Hafen von Unsicherheiten der Anleger. Der schwache Dollar lasse zudem die Kurse für Gold und Öl steigen - Silber bleibe dabei aber teilweise außen vor.

          Wie sich jetzt zeigt, hat das für den Preis des Silbers aber keinen totalen Einbruch, sondern nur eine kurzfristige Korrektur bewirkt. Silber beweist sich damit als relativ preisstabiler Rohstoff. Die hohe industrielle Nachfrage nach Silber, sagt Wreszniok-Rossbach, stehe der grassierenden Risikoaversion entgegen. Insgesamt sei die Industrie aber stark genug, um Schwankungen abzufedern. So liegen insgesamt vier recht stabile Jahre hinter dem Preis des Edelmetalls. Ende 2003 kostete eine Unze noch etwa 6 Euro. In den darauf folgenden Jahren kletterte der Kurs beständig nach oben und erfreute jene, die im Besitz des glänzenden Metalls waren. Neben der Schmuckindustrie benötige heute gerade die Elektrobranche hohe Mengen an Silber, sagt Wreszniok-Rossbach. Auch die Fotografie mache trotz der Verbreitung digitaler Verfahren immer noch rund 17 Prozent des Bedarfs aus. Zudem habe Silber bislang von der allgemeinen Metall-Hausse profitiert.

          Barbara Lambrecht, Analystin bei der Commerzbank, glaubt ebenfalls an die kleine Schwester des Goldes. Silber sei zwar bei der jüngsten Aufwärtsbewegung von Gold zurückgeblieben und habe deshalb Nachholbedarf. Dennoch hält sie ein Kursziel von 14 Dollar langfristig für eine realistische Bewertung.

          Der Silberkurs hat aufgeholt

          Gelassen zeigt sich auch Alexander Zumpfe, Edelmetallhändler bei Heraeus: "Dass die Preise für Silber während des allgemeinen Aufruhrs im Sommer den Goldpreisen hinterherhinkten, ist normal. Wie man sieht, hat ja jetzt der Silberkurs aufgeholt und ist parallel zum Gold nach oben geklettert."

          Weniger positiv schlägt sich derzeit die heftig diskutierte Auflage des mit physischem Silber unterlegten Fonds (Exchange Traded Fund) von Barclays im April 2006 nieder. Dies hatte unter Anlegern und Branchenexperten für Aufregung gesorgt. Bis zuletzt war nicht sicher, ob die amerikanische Börsenaufsicht SEC grünes Licht geben würde. Die einen befürchteten Illiquidität, die anderen erwarteten deshalb - je nach Positionierung - freudig oder ängstlich einen Preisanstieg von Silber, der dann auch eintraf. Wreszniok-Rossbach meint allerdings, dass man den Erfolg des Fonds überbewerte. Man habe nach dem anfänglich reißenden Absatz den Anschluss verpasst. Im Mai dieses Jahres wies der Fonds noch ein verwaltetes Vermögen von 1,9 Milliarden Euro aus - mittlerweile sind es nur noch etwa 1,3 Milliarden. Insgesamt 14 Millionen Anteile sind derzeit im Umlauf.

          Die Abwehrkräfte, die der Silbermarkt trotz allem derzeit beweist, hat er nicht immer gehabt. Ende der siebziger Jahre trieben wahnwitzige Spekulationen der texanischen Milliardärsfamilie Hunt den Kurs des Edelmetalls auf ein Rekordhoch von 50 Dollar (rund 36 Euro). Sie hatten großflächig physisches Silber und Terminkontrakte aufgekauft. Privatleute, die am Aufschwung partizipieren wollten, brachten ihr eingeschmolzenes Tafelsilber auf den Markt und machten so die kalkulierte Angebotsknappheit zunichte. Der Kurs brach daraufhin massiv ein und dümpelte zwanzig Jahre lang um ein Allzeittief von fünf Dollar. Erst mit der Hausse ab 2003 konnte der Preis den Widerstand brechen und sich auf seinen jetzigen Stand zubewegen.

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