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Rohstoffe : Der Kaffeepreis klettert auf neue Höhen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Rohstoff für das Lieblingsgetränk der Deutschen ist so teuer wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Discounter, Supermärkte und Röster wie Tchibo haben die Preise für Kaffee erhöht. Der globale Kaffeekonsum steigt.

          Die brasilianischen Kaffeebauern haben es mit der Ernte in dieser Zeit etwas eiliger als sonst. Die Preise für Rohkaffee sind im Höhenflug und die Landwirte wollen sich diese Gewinnchance nicht entgehen lassen. Die Bohnen des hochwertigen Arabica-Kaffees an der amerikanischen Rohstoffbörse ICE kosten mittlerweile so viel wie seit 34 Jahren nicht mehr. Ein amerikanisches Pfund (450 Gramm) Arabica-Kaffee zur Lieferung im Juli kostet knapp über 3 Dollar. Schon im vergangenen Jahr hat der Preis um 125 Prozent zugelegt.

          Der Kaffeemarkt - eigentlich ein Nischengeschäft im globalen Rohstoffhandel - fällt durch stark steigende Preise auf. Das treibt nicht nur die Produzenten auf den Plantagen an, es sorgt für zusätzliche Kosten für Kaffeetrinker auf der Welt. Auch in Deutschland haben Discounter, Supermärkte und Röster wie Tchibo schon die Preise für Kaffee erhöht.

          Die höheren Kaffeepreise haben nicht nur mit einer gesteigerten Nachfrage zu tun: „Die ständig steigenden Preise für Rohkaffee sind die Folge der schwächeren Ernte in Brasilien“, sagt Rohstoffanalystin Michaela Kuhl von der Commerzbank. „Auch Kolumbien als wichtiger Lieferant hatte in den vergangenen zwei Jahren eine katastrophale Ernte und enttäuschte zuletzt.“ Die Lagerbestände sind niedrig und die Furcht vor Frost in Brasilien ließ die Preise weiter steigen. Dies gilt ebenso für die Kaffeebohnensorte Robusta, die weniger mild ist als Arabica und vor allem aus Vietnam exportiert wird.

          Der Trend zu Espresso und Latte Macchiato ist ungebrochen

          Das sehr hohe Preisniveau lockt auch verstärkt Finanzanleger an. Ihr Engagement begünstigt den Preisanstieg. Die Wetten der Anleger auf steigende Preise an den Terminbörsen - die Netto-Long-Positionen - „liegen auf einem hohen Niveau“, sagt Analystin Kuhl. Selbst Privatanleger können mit Zertifikaten an der Preisentwicklung teilhaben.

          Aktivisten werfen bereits seit Jahrzehnten den Konzernen die Ausbeutung von Kaffeebauern vor - der Trend zu Espresso und Latte Macchiato ist ungebrochen. Gerade die Kaffeeautomaten mit Pads haben einen Siegeszug angetreten. Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. Aber auch in anderen Ländern ist das Getränk immer begehrter: In den Schwellenländern wächst der Kaffeekonsum mittlerweile schneller als in den westlichen Industrieländern. Besonders Brasilien, das der größte Kaffeeproduzent auf der Welt ist, wird im kommenden Jahr zum größten Verbraucherland aufsteigen. Indonesien, China und Mexiko sind ebenso die Kaffeemärkte der Zukunft. Kein Wunder, dass Kaffeeketten wie Starbucks in den kommenden vier Jahren die Zahl der Filialen in China auf mehr als 1500 verdreifachen wollen.

          Mit Termingeschäften gegen sinkende Preise absichern

          „Die Kaffeebranche in Deutschland ist erfreut über einen anhaltend hohen Kaffeekonsum, aber hart getroffen von den deutlich veränderten Rohstoffmärkten“, sagt Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes, der Rohkaffeehändler, Röster und Betreiber der Kaffeeketten vertritt. Deutschlands größter Kaffeeröster Tchibo hatte kürzlich erklärt, sich wegen der gestiegenen Rohstoffkosten auf schrumpfende Gewinne einzustellen. Aber auch Händler, zum Beispiel in Lateinamerika, klagen, weil sie wegen der hohen Preise die gestiegenen Kosten für Sicherungsgeschäfte am Terminmarkt nicht mehr tragen wollen. Händler und Röster können sich an der Börse mit Termingeschäften gegen sinkende Preise absichern.

          Nach Einschätzung von Analystin Kuhl sollten die Preise für Rohkaffee nicht auf den Rekordhöhen bleiben: „Ich gehe davon aus, dass die Kaffeepreise mittelfristig wieder sinken sollten.“ Zum einen sei die aktuelle Knappheit bereits hinreichend in den Preisen berücksichtigt, „und sollte das Wetter mitspielen, könnte die Ernte positiv überraschen“.

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