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Rohstoffe : Der Anstieg des Kaffeepreises erhält einen Dämpfer

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Bild: Bloomberg

Die Welt trinkt mehr Kaffee, als sie produziert. Das hat in den vergangenen zwölf Monaten zu einer Verteuerung von Rohkaffee um rund 60 Prozent geführt. Die Lagerbestände sind zwar immer noch groß, aber sie schrumpfen.

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          Die Welt trinkt mehr Kaffee, als sie produziert. Das hat in den vergangenen zwölf Monaten zu einer Verteuerung von Rohkaffee um rund 60 Prozent geführt. Die Lagerbestände sind zwar immer noch groß, aber sie schrumpfen. Das hat zur Spekulation auf eine Knappheit von Kaffee beigetragen.

          Eine neue Schätzung zur Kaffee-Ernte in Brasilien hat zu einem starken Preisrückgang geführt. Allein am Montag waren die Preise für einige Sorten um mehr als 8 Prozent eingebrochen, nachdem das brasilianische Landwirtschaftsministerium am Wochenende eine Anhebung der Ernteaussichten gemeldet hatte.

          Kaffee-Ernte nicht ganz so schlecht wie befürchtet

          Zwar wird die Ernte im größten Erzeugerland der Welt im Erntejahr 2005/2006 gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich um 15 Prozent auf rund 33 Millionen Säcke (a 60 Kilogramm) sinken. Doch liegt die neue Ernteprognose des Agrarministeriums um 2,7 Prozent höher als die letzte Schätzung vom April dieses Jahres. Am Markt war demgegenüber eine Absenkung der Ernteprognose auf etwa 30 Millionen Säcke erwartet worden. Die Klimaverhältnisse hätten sich besser als erwartet entwickelt, hieß es in der Mitteilung des Agrarministeriums. Zudem hätten die Kaffeebauern aufgrund der Erholung der Weltmarktpreise seit dem vergangenen Jahr mehr in die Pflege der Kulturen investiert.

          Bild: F.A.Z.

          An der knappen Versorgung des Kaffeemarktes ändere die um 870.000 Säcke erhöhte Ernteschätzung jedoch nichts, sagte Linneu Costa Lima vom brasilianischen Agrarministerium. Gemessen am Weltverbrauch von rund 115 Millionen Säcken Kaffee sei diese zusätzliche Menge "irrelevant", meinte Costa Lima. Der Markt reagierte dennoch heftig. Die Preise für Lieferungen der Sorte Arabica zum September dieses Jahres fielen an der Handelsbörse von New York am Montag um 8,8 Prozent auf 96,15 amerikanische Cent je Pfund. Am Mittwoch blieben die Notierungen in London auch für die Sorte Robusta, wie schon tags zuvor, abwärts gerichtet.

          Abbau der Lagerbestände, um Nachfrage zu befriedigen

          Brasilien werde im laufenden Jahr voraussichtlich 26 Millionen Sack Kaffee exportieren und rund 15 Millionen Sack selbst verbrauchen, schätzt das Agrarministerium. "Wir bauen unsere Lagerbestände ab, damit kein Kaffee fehlt", sagte Costa Lima. Brasiliens Vorräte lagen zuletzt bei rund 17 Millionen Säcken Kaffee. Der Verbrauch werde trotz der verbesserten Ernteprognose das Angebot übersteigen, sagten private Marktbeobachter. "Wir werden in den nächsten Jahren durchschnittliche Ernten von 40 Millionen Säcken benötigen, um die Nachfrage zu bedienen", kalkuliert der Händler Eduardo Carvalhaes. Brasilien hat einen Anteil von 35 Prozent an der Weltproduktion und ist führender Lieferant der besonders hochwertigen Kaffeesorte Arabica - bei Robusta liegt Brasilien an zweiter Stelle hinter Vietnam.

          Brasiliens Kaffeeanbau erholt sich nur langsam von der schweren Krise der Jahre 1999 bis 2003. Die Kaffeepreise waren 2002 auf das niedrigste Niveau seit dreißig Jahren gesunken. In diesen Jahren wurden die Anbauflächen um ein Viertel reduziert. 2004 verdiente eine Bauernfamilie gerade einmal 11 amerikanische Cent an einem Pfund Kaffee. Selbst wenn der Anbau aufgrund der seit 2004 wieder steigenden Preise nun ausgeweitet würde, könnte die Produktion nur allmählich steigen, weil die Kaffeepflanzen erst nach drei Jahren ins Reifestadium gelangen. Allerdings ist allein aufgrund einer natürlichen Gesetzmäßigkeit, wonach auf jedes Jahr niedriger Produktivität eine Ernte mit hohem Ertrag folgt, für 2006/2007 bei normalen Klimabedingungen wieder mit einer deutlich höheren Ernte zu rechnen.

          Brasilianischer Kaffee-Export brummt

          Einige Produzenten haben sich in der Krise mit Erfolg auf hochwertige Nischenprodukte verlagert. So konnte die Fazenda Ipanema, die auch die amerikanische Coffeeshop-Kette Starbucks beliefert, mit Spezialprodukten Preisaufschläge um bis zu 80 Prozent im Vergleich zu Standardware erzielen. Ausländische Nobel-Kaffeeröster können sich bei Ipanema in Brasiliens wichtigster Anbauregion Minas Gerais ganze Parzellen reservieren und bei ihren Kunden so mit "Kaffee aus eigenem Anbau" werben. Andere Erzeuger verlagerten sich auf den ökologischen Anbau, der bisher allerdings nur ein halbes Prozent der Gesamtproduktion ausmacht. Seit sich der Preis für konventionellen Kaffee erholt und der Preisaufschlag für Öko-Ware von 100 Dollar auf 60 Dollar je Sack gesunken ist, haben viele Bauern dem Bio-Anbau wieder den Rücken gekehrt.

          Brasiliens Kaffeebauern sind in der Krise glimpflicher davongekommen als Erzeuger anderer Länder. Zum einen sind die Produktionskosten mit rund 70 Dollar je Sack deutlich niedriger als bei den meisten Konkurrenten. Zum anderen stützt ein großer Inlandsmarkt die Nachfrage. Denn Brasilien ist nicht nur der größte Erzeuger von Kaffee, sondern nach den Vereinigten Staaten auch das zweitgrößte Verbraucherland. Mit fast fünf Kilogramm je Kopf und Jahr ist der Verbrauch in Brasilien - anders als in vielen armen Erzeugerstaaten - ähnlich hoch wie in den reichen Ländern. In einigen Jahren werde Brasilien die Vereinigten Staaten als größter Konsummarkt ablösen, schätzt Costa Lima. Nach der Erholung der Weltmarktpreise brummt derzeit aber vor allem der Export. In den ersten sieben Monaten lagen die Ausfuhrerlöse um 60 Prozent über denen des Vorjahres, obwohl die Ausfuhrmenge nur um 10 Prozent stieg. Für das Gesamtjahr 2005 werden Exporteinnahmen von 3 Milliarden Dollar erwartet.

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