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Rohstoffe : Ausgeprägte Korrektur des Kupferpreises

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET, Daten: Bloomberg

Die Preisentwicklung bei Energie- und Rohstoffen sorgte in den vergangenen Jahren für Furore. Nach einer mehrmonatigen Konsolidierungsphase schwächelt nun der Kupferpreis deutlich. Im Hintergrund stehen unter anderem Hedgingaktivitäten.

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          Zeigte sich der Rohstoffboom der vergangenen Jahre bis Mai des vergangenen Jahres in ausgeprägter Form an massiv steigenden Kupferpreisen, so ist dieser in den vergangenen Monaten zunächst in eine Konsolidierungsphase über, aus der er in den vergangenen Wochen nach unten durchgebrochen ist.

          Inzwischen liegt der Preise nicht nur etwas mehr als 30 Prozent unter dem im vergangenen Mai erreichten Allzeithoch von 8.600 Dollar je Tonne Kupfer, sondern die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Rückgang scheint kurzfristig relativ hoch zu sein. Denn charttechnisch liegt der Preis immer noch mehr als zehn Prozent über dem im Jahr 2003 etablierten Aufwärtstrend.

          Hedging-Aktivitäten können zum Preisdruck beigetragen haben

          Gleichzeitig kommen jedoch auch andere Phänomene ins Spiel. Dazu zählt einerseits die Möglichkeit einer ausgeprägteren Schwächephase der amerikanischen Wirtschaft, die sich über eine nachlassende Dynamik im Konsumbereich weltweit bremsend auswirken könnte. Das würde auch die Nachfrage nach Rohstoffen dämpfen.

          Bild: Macquarie Research

          Ein gewisser Preisdruck scheint jedoch auch von den Produzenten her zu kommen. Denn das schwedische Unternehmen Boliden beispielsweise ist dazu übergegangen, seine 70 Prozent der künftigen bis ins Jahr 2010 hinein bei einem durchschnittlichen Preis von 6.394 Dollar je Tonne für das Jahr 2008 und knapp 5.920 Dollar für das Jahr 2009 abzusichern.

          Auch die Hedging-Aktivitäten für Gold, Silber und Blei wurden bis ins Jahr 2010 ausgedehnt, während das Unternehmen bei Zink völlig „ungehedged“ bleibt, um von Preisveränderungen profitieren zu können. Auch wenn das Unternehmen für diese Strategie erhöhte Planungssicherheit für die hohen Investitionen anführt dürfte es davon ausgehen, dass die Preiserwartungen bei den abgesicherten Produkten weniger positiv sind als bei Zink. Boliden sicherte aber nicht nur das Preisrisiko bei der Mehrheit der produzierten Rohstoffe ab, sondern auch das Dollarisiko gegen den schwedische Krone. Es erwarb Dollarputs.

          Schwächelt die Weltkonjunktur und damit die Kupfernachfrage oder nicht?

          Die entscheidende Frage ist nun, ob die Hedgingaktivitäten des Unternehmens die Auslöser für die Preiskorrektur bei Kupfer in den vergangenen Monaten waren - Terminkäufe werden ihrerseits voll oder teilweise an den so genannten Spotmärkten abgesichert - oder ob es in weiser Voraussicht auf einen sich abkühlenden Markt gehandelt hat. Fakt ist, dass die Lagerbestände in den vergangenen Monaten vor allem in den Vereinigten Staaten ausgehend von einem tiefen Niveau wieder zugenommen haben. Das deutet in der Tendenz auf schwächeres Wachstum in dieser Region hin.

          Gleichzeitig sind große Produzenten wie Codelco und BHP Billiton dabei, ihren Ausstoß auszubauen. Das heißt, mittel- und langfristig ist sowieso mit einem zunehmenden Angebot zu rechnen. Sollte es zusammentreffen mit einer deutlicher nachlassenden Nachfrage aufgrund konjunktureller oder von Substitutionseffekten, so dürften die Rohstoffpreise generell - in einzelnen Bereichen gibt es immer Sondersituationen - weiteres Korrekturpotential haben. Auch wenn die Preise nicht beliebig vermehrbarer Bodenschätze langfristig nach oben tendieren dürften.

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