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Rohstoffe : Anleger vertrauen auf Goldpreisanstieg

  • -Aktualisiert am

Der Goldpreis klettert mittlerweile seit elf Jahren in Folge. Bild: dpa

Die Furcht vor Inflation erhöht die Nachfrage nach dem Edelmetall. Besonders gefragt sind Wertpapiere, die mit Gold hinterlegt sind.

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          Als Mitte der vergangenen Woche wegen der Konjunktursorgen und den Auswirkungen der europäischen Schuldenkrise nicht nur die Aktienkurse, sondern auch Rohstoffpreise deutlich nachgaben, konnte sich der Goldpreis der Entwicklung ebenfalls nicht entziehen. Doch schnell kletterte der Goldpreis wieder, die Anleger haben den Rücksetzer genutzt, um nachzukaufen. In Gold zu investieren liegt ohnehin im Trend: Seit Anfang des Jahres beträgt der Anstieg in Dollar 13 Prozent. In Euro und in Schweizer Franken gerechnet, war das Edelmetall vergangene Woche so teuer wie noch nie.

          Goldpreisentwicklung seit 2008
          Goldpreisentwicklung seit 2008 : Bild: F.A.Z.

          Gold liefert zwar keine Zinsen und bringt auch keine Dividenden wie Aktien. Doch Anleger bauen auf Gold als sichere Geldanlage in Krisenzeiten. Zumal sich der Preis für das Metall seit elf Jahren in Folge erhöht. Die Finanz- und Schuldenkrise hat die Furcht der Anleger vor Geldentwertung deutlich gesteigert, daher hat die Goldanlage stetig an Bedeutung gewonnen. Hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren viele Notenbanken, besonders in den Schwellenländern, zunehmend in Gold investieren, um ihre Devisenreserven zu diversifizieren. Das treibt ebenfalls die Preise. Goldskeptiker verweisen hingegen darauf, dass der Preisanstieg primär auf der Furcht der Anleger beruhe. Kurzum: Der Preisanstieg werde allen voran von Investoren getrieben, die Rohstoffwertpapiere kaufen, die mit Gold hinterlegt sind. Sobald die Inflationsängste wieder schwinden und das Anlegerinteresse abnimmt, sollte der Goldpreis kräftig unter Druck geraten, so die Goldskeptiker. Vergangenen Dienstag verfügten Rohstoff-Wertpapiere, die mit Gold hinterlegt sind, über 2552 Tonnen Gold - ein Rekord.

          Goldnachfrage außerhalb des Investmentbereiches rückläufig

          “Es stimmt, dass es die Gefahr einer Blasenbildung am Goldmarkt gibt“, sagt LBBW-Rohstoffanalyst Thorsten Proettel, „zumal der Goldmarkt im Vergleich etwa zum Aktienmarkt sehr klein ist.“ Doch Proettel argumentiert, dass wegen der lockeren Geldpolitik der Notenbanken, dem sehr niedrigen Zinsniveau und den Problemen in den wichtigsten Währungsräumen der Welt „Gold noch eine ganze Weile sehr gefragt sein sollte“. Proettel prognostiziert den Goldpreis bis Ende des Jahres bei 1750 Dollar. Andere Banken wie die Commerzbank sehen den Preis dann bei 1900 Dollar. LBBW-Analyst Proettel sagt: „Die Zinsen werden noch bis mindestens Mitte 2015 in den Vereinigten Staaten nahe null verharren, entsprechend niedrig werden die Renditen sein, die Anleger mit Zinspapieren erzielen können. Gold ist damit aus Sicht vieler Investoren eine gefragte Geldanlage.“

          Dabei ist die Nachfrage nach Gold außerhalb des Investmentbereiches rückläufig. Nach Angaben des World Gold Council, der Interessenvertretung der Goldminenindustrie, lag die Nachfrage nach dem Edelmetall im zweiten Quartal so tief wie seit zwei Jahren nicht mehr. Die Goldnachfrage war verglichen mit dem Vorjahresquartal um 7 Prozent (das entspricht 76 Tonnen) auf 990 Tonnen gefallen. „Auffällig ist, dass es am indischen Goldmarkt einen Käuferstreik gibt“, sagt Analyst Proettel. Das Land sorgt für die größte private Goldnachfrage auf der Welt, das Metall ist dort für die Schmuckindustrie von großer Bedeutung. „Wegen der schwachen indischen Rupie im Verhältnis zum amerikanischen Dollar ist Gold in Indien sehr teuer.“ Hinzu komme der Wirtschaftsabschwung in dem Land, der die Goldnachfrage bremse.

          Erst Streik in den Platin-, jetzt in den Goldminen

          Entscheidend für das Goldangebot ist derweil auch die Situation in Südafrika. Das Land ist ein wichtiger Goldlieferant. Nachdem die Mitarbeiter in den Platinminen streikten, haben nun auch Tausende Arbeiter in Goldminen die Arbeit niedergelegt. Ashanti, der drittgrößte Goldproduzent auf der Welt, berichtete, dass die meisten der 35.000 Minenarbeiter streikten. Während der Arbeitskämpfe in Südafrikas Minenbranche wurden seit August 46 Menschen getötet. „In Südafrika stehen mittlerweile 39 Prozent der gesamten Goldminenproduktion des Landes still“, berichten die Rohstoffanalysten der Commerzbank. „Es besteht die Gefahr, dass sich die Streiks auf andere Goldminen ausweiten, denn die Arbeiter fühlen sich offenbar von der Lohnerhöhung, die in der Platinindustrie durchgesetzt wurde, ermutigt.“

          Mit Blick auf die Rohstoffwertpapiere, die mit Gold hinterlegt sind, hat sich in den vergangenen Tagen der Zuwachs etwas abgeschwächt. Der größte Goldfonds der Welt, der SPDR Gold Trust, verbuchte Abflüsse von mehr als zehn Tonnen.

          Gold-ETC erleben hohe Mittelzuflüsse

          Doch bei ETF Securities, dem größten Anbieter für Rohstoffwertpapiere in Europa, will man von einem Abschwung nichts wissen: „Der Trend zu Gold dauert an“, sagt Bernhard Wenger, der das Geschäft von ETF Securities in Deutschland leitet. Zuletzt hätten die Gold-ETC (Exchange Traded Commodities) von ETF Securities hohe Mittelzuflüsse erzielt. Im Verlauf des vergangenen Monats seien insgesamt 834 Millionen Dollar in diese Produkte geflossen. „Dies sind die höchsten monatlichen Zuflüssen seit Juli 2011.“ Damit verwalte ETF Securities nun etwa 20 Milliarden Dollar in seinen Gold-Produkten.

          Auch wenn viele Anleger in diesen Zeiten auf das Edelmetall setzen: Die wachsende Nachfrage hat noch nicht die Ausmaße erreicht wie in den vergangenen Jahren, als sogar manche Goldmünzen hierzulande nicht mehr verfügbar waren. Die Nachfrage ziehe an, bestätigt Robert Hartmann, Geschäftsführer des Edelmetallhändlers Pro Aurum, doch „Engpässe bei Münzen wie in den Jahren 2010 und 2011 gibt es derzeit nicht“.

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