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Rohstoffe als Geldanlage : Das Interesse wächst

Bild: F.A.Z.

Privatanleger investieren vor allem in Gold und Öl. Längst existieren jedoch auch Zertifikate auf zahlreiche andere Rohstoffe. Auch Produkte mit begrenztem Risiko werden verstärkt angeboten.

          Das Flaggschiff unter den Rohstoffprodukten am deutschen Markt ist Xetra-Gold. Mittlerweile 1,6 Milliarden Euro haben Anleger in diesem börsengehandelten Rohstoffprodukt (Exchange Traded Commodity, ETC) angelegt, das sich genau wie der Goldpreis in Euro entwickelt (Isin DE000A0S9GB0). Fast 46,5 Tonnen Gold hat die Deutsche Börse als Anbieter des Produkts zur Besicherung schon in ihrem Tresor in Frankfurt eingelagert, zwei weitere Tonnen kommen in Kürze hinzu.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Zu Jahresbeginn waren es erst 36 Tonnen, ein Jahr zuvor nicht einmal 20 Tonnen. 32 Euro kostete am Montag ein Anteilsschein, genauso viel wie ein Gramm Gold. Es gibt keine Verwaltungsgebühr, und das Produkt ist sehr liquide handelbar, was auch an einem sehr geringen Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs (Spread) von etwa 0,1 Prozent zum Ausdruck kommt.

          Ein Zukunftsthema

          Doch neben dem seit gut zwei Jahren existierenden Xetra-Gold hat sich längst eine breite Palette an Rohstoffprodukten für deutsche Privatanleger entwickelt. Die meisten Finanzprodukte bilden schlicht und einfach den Preisverlauf des Rohstoffs ab. Von Aluminium über Baumwolle, Magerschwein, Platin und Sojabohnen bis Zucker gibt es auf alle relevanten Rohstoffe ETC und Zertifikate. Beides sind Schuldverschreibungen. Der Anleger trägt damit das Risiko, im Falle der Insolvenz des Emittenten sein Kapital zu verlieren. Zahlreiche ETC sind jedoch mit Sicherheiten hinterlegt, oft wie im Falle von Xetra-Gold mit Gold.

          Nach einer am Montag veröffentlichten, unter 200 Bankberatern und Vermögensverwaltern repräsentativen Umfrage der Steinbeis-Hochschule Berlin im Auftrag der DZ Bank werden Rohstoffanlagen mit 82 Prozent so häufig als Zukunftsthema betrachtet wie kein anderes.

          Entsprechend wächst die von Banken angebotene Produktpalette über die von Anlegern nach wie vor am meisten nachgefragten Produkte auf Gold und Öl hinaus. Viele Indexfonds bilden die Wertentwicklung von Rohstoffkörben und -indizes ab. Einer der größten ist der Deutsche Bank Liquid Commodity Optimum Yield Balanced mit einem Fondsvolumen von rund 800 Millionen Euro. Er entwickelt sich wie ein Korb von 15 der wichtigsten Rohstoffe (Isin LU0292106167). Die jährliche Verwaltungsgebühr beträgt 0,55 Prozent.

          Risikoverringerung gefragt

          Im Bereich der Rohstoffzertifikate werden vermehrt Produktstrukturen angeboten, die das Risiko des Anlegers mildern, seine Gewinnchancen dafür aber auch begrenzen. So hat die österreichische Raiffeisen Centrobank ein Bonuszertifikat auf den Preis der Ölsorte Brent mit Laufzeit bis Januar 2011 noch bis nächste Woche in der Zeichnung (Isin AT0000A0JDM0).

          Der Anleger erhält für ein Zertifikat, das zu Beginn 100 Euro kostet, am Ende der Laufzeit 106,30 Euro ausgezahlt, wenn der Ölpreis bis dahin nie von seinem Niveau vom 28. Juni aus um mehr als 25 Prozent gefallen ist. Am Dienstag kostete ein Barrel (159 Liter) 76 Dollar, der Sicherheitspuffer würde dem Anleger also bis zu Preisen von 57 Dollar Gewinne bescheren.

          Auf dieses Niveau war der Ölpreis zuletzt im Frühjahr 2009 gesunken. Fiele der Ölpreis während der Laufzeit unter die Barriere, dann entwickelt sich das Zertifikat wie der Ölpreis, der Anleger kann also Verluste erleiden. Die maximale Auszahlung ist auf 106,30 Euro begrenzt.

          Seltenheiten

          Neben der vermehrten Zahl an Produktstrukturen wagen sich einige Anbieter auch in die Bereiche bislang unbekanntere Rohstoffe. So bietet die Royal Bank of Scotland ein Seltene-Metalle-Zertifikat auf die Rohstoffe Uran, Rhodium, Ruthenium und Iridium an (Isin DE000AA0R3X1). Da diese Rohstoffe nur wenig rege gehandelt werden, muss der Anleger hohe Geld-Brief-Spannen von in der Regel 5 Prozent zahlen. Noch teurer wird es für den Anleger, wenn er ein Zertifikat alleine auf Rhodium kauft (Isin DE000AA0XEK0). Hier betrug die Geld-Brief-Spanne am Montag 14 Prozent.

          Gleichwohl ist die Branche bemüht, auch exotischere Rohstoffe für Privatanleger investierbar zu machen. So bietet die Schweizerische EFG Financial Products derzeit Zertifikate auf den Seltene-Erden-Index zur Zeichnung an (Isin CH0112278558). Hier partizipiert der Anleger jedoch nicht an der Preisentwicklung dieser Metalle, sondern an einem Korb von zunächst sieben Aktiengesellschaften, die sich mit der Gewinnung der Seltenen Erden befassen. Es wird eine jährliche Verwaltungsgebühr von 1,2 Prozent erhoben.

          Wechselkurs- und Rollverluste

          Bei der Geldanlage in Rohstoffen muss der Anleger neben der bei einigen Rohstoffen eingeschränkten Liquidität im Handel auch beachten, dass die meisten Rohstoffe in Dollar notieren und die Rendite des Anlegers demnach neben der Rohstoffpreisentwicklung auch von der Entwicklung des Wechselkurses abhängt.

          Außerdem kann es zu Gewinnen oder Verlusten kommen, weil die Rohstoffanlage meist in Terminkontrakten erfolgt, die vor dem festgeschriebenen Liefertermin der Ware von dem Emittenten des Rohstoffprodukts verkauft werden. Dafür wird ein Kontrakt mit längerer Laufzeit gekauft. Hierbei kann es zu Rollgewinnen oder -verlusten kommen.

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