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Rohstoffanlagen : Mauerblümchen des Booms

Rentable Ernte: Ab den neunziger Jahren wurden Rohstoffe zu einer anerkannten Kapitalanlage Bild: dpa

Rohstoffanlagen befinden sich in vielen Vermögensbeständen, werden aber längst nicht so wertgeschätzt wie Immobilien, Infrastruktur oder andere reale Anlagen. Für den Mangel an Euphorie gibt es verschiedene Gründe.

          Seltene Erden waren vor wenigen Jahren plötzlich ein Anlagethema. Heute ist an den Kapitalmärkten nicht mehr viel die Rede von Seltenen Erden. Ein Grund ist die Erkenntnis, dass viele dieser Erden gar nicht so selten sind. Das erinnert an die Situation in der Mitte der siebziger Jahres des 20. Jahrhunderts, als der „Club of Rome“ das Ende des Wirtschaftswachstums und eine Verknappung von Rohstoffen prognostiziert hatte. Das war etwa zu jener Zeit als in der ersten Ölkrise der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl von 3 auf damals erschreckende 12 Dollar gestiegen war.

          Das Ende der Industriegesellschaft nahte trotzdem nicht: Heute kostet ein Barrel gut 100 Dollar und die Welt hat gelernt, mit diesem Preis umzugehen. Etwa ab den neunziger Jahren wurden Rohstoffe zu einer von vielen Fachleuten anerkannten Kapitalanlage, vorangetrieben durch die Entwicklung von Terminmärkten und die Erkenntnis, dass die Preise von Rohstoffen – zumindest damals – nicht eng mit den Kursen von Aktien korreliert waren. Dies erlaubte es, Rohstoffe zusammen mit Aktien in eine breit gestreute Vermögensanlage aufzunehmen.

          Zauber ist verflogen

          In den vergangenen Jahren ist viel Ernüchterung eingekehrt. Rohstoffanlagen befinden sich immer noch in den Vermögensbestände vieler institutioneller Investoren und vermögender Privatanleger. Aber die Wertschätzung, die andere reale Anlagen wie Immobilien oder Infrastruktur in Zeiten sehr niedriger Zinsen erfahren, geht an den Rohstoffen vorbei. In den vergangenen Jahren haben sich viele Anlagen schlecht entwickelt, gleich ob Rohstoffe oder Rohstoffaktien. Auch ist der Zauber des Neuen verflogen. Für den Mangel an Euphorie gibt es verschiedene Gründe.

          Für viel Metalle, aber auch für Energie spielt auf mittlere Sicht das Wirtschaftswachstum eine Rolle, auf lange Sicht aber der technische Fortschritt. Viele Rohstoffpreise hatten in den vergangenen Jahren von einer sehr kräftigen Nachfrage aus China profitiert, weil sich das Land als Industrienation in einem dynamischen Aufholprozess befindet. Diese von der Konjunktur getriebene Nachfrage mag durchaus weiter gehen.

          Nur ein kleiner Markt

          Auf lange Sicht aber hat der Fortschritt dafür gesorgt, dass die Industrie sehr viel effizienter mit Rohstoffen umgeht. Und je höher ein Rohstoffpreis ist, umso mehr entstehen dadurch Anreize, diesen Rohstoff in Produktionsverfahren zu ersetzen. Ein deutscher Vermögensverwalter sagt mit Blick auf solche Trends pointiert, eine langfristige Kapitalanlage in Rohstoffen sei im Grunde eine Spekulation gegen die menschliche Intelligenz. Technischer Fortschritt vernichtet aber nicht nur Nachfrage nach Rohstoffen, er schafft auch Nachfrage.

          Der zwischenzeitliche Boom nach Seltenen Erden war eine solche Wette auf technischen Fortschritt. Das war aber nur ein kleiner Markt. Ebenfalls sehr klein ist der Markt für Graphit. Seit rund zwei Jahren wird Graphit hin und wieder als besonders zukunftsträchtig beschrieben für den Fall, dass sich Elektroautos durchsetzen. Denn Graphit wird für den Bau von Batterien für solche Fahrzeuge verwendet. Derartige Kapitalanlagen sind allerdings sehr spekulativ, weil niemand wissen kann, wie sich die Nachfrage nach Graphit in den kommenden Jahren tatsächlich entwickeln wird.

          Sehr außer Mode gekommen sind zumindest in Deutschland Kapitalanlagen in Finanzprodukte auf Nahrungsmittel. In Deutschland haben sich mehrere Finanzhäuser aus diesem Geschäft als Folge öffentlichen Drucks zurückgezogen. Der Druck entstand als Folge der – bis heute umstrittenen – Behauptung, dass Kapitalanlagen in Nahrungsmitteln zu höheren Preisen für die Verbraucher führen und damit moralisch verwerflich seien.

          Bei den Edelmetallen hat sich das Interesse der Profis in den vergangenen Wochen auf Palladium verlagert, dessen Preis sehr stark gestiegen ist. Aber für die Kapitalanlage bleibt Palladium, das überwiegend als Industriemetall Verwendung findet, ein Nischenmarkt. Die Preise für Gold und Silber versuchen seit einigen Wochen, sich nach einer im Jahre 2011 begonnenen Baisse zu stabilisieren. Ob hieraus eine neue Hausse entsteht, ist völlig offen.

          Stark gelitten haben in den vergangenen Jahren neben vielen Rohstoffpreisen auch die Kurse vieler Rohstoffaktien. Im Vergleich zur Entwicklung bedeutender Aktienindizes war ihre Kursentwicklung nicht selten erschreckend schlecht. Auch hier lassen sich Anzeichen für eine Stabilisierung finden, aber noch kein stark wachsendes Interesse der Anleger. Dass in einer Zeit, in der viele Anleger händeringend nach interessanten Kapitalanlagen suchen, viele Rohstoffe nicht haussieren, zeigt, wie sehr sie außer Mode gekommen sind.

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