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Rohstoffanlagen : Kurzfristig riskant - langfristig vielversprechend

  • Aktualisiert am

Bild: Rio Tinto, Brook Hunt, Weltbank

Die Preise an den Energie- und Rohstoffmärkte können kurzfristig durch die spekulativen Aktivitäten von Anlegern nach oben und unten verzerrt werden. Langfristig jedoch wird der Bedarf in den Schwellenländern deutlich steigern.

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          Wäre es Anlegern noch vor zehn Jahren gemeinhin kaum in den Sinn gekommen, Geld direkt oder indirekt in in Rohstoffe oder rohstoffnahe Unternehmen zu investieren, so hat sich das in den vergangenen Jahren deutlich geändert.

          Banken und andere Anbieter haben es in dieser Zeit trefflich verstanden, ihre auf den Markt gebrachten und teuer verwalteten Rohstoffprodukte als beinahe unvermeidbares „Muss man haben“ zu verkaufen. Ein scheinbar unendlich und unersättliches China sowie unerhört lockere Geldpolitiken weltweit lassen alle nur denkbaren Argumente logisch erscheinen, die für eine Beimischung in den Portfolios sprechen mögen.

          Energie- und Rohstoffmärkte können kurzfristig durch die Nachfrage von Anlegern verzerrt werden

          Auf der anderen Seite jedoch sind diese Märkte im Vergleich mit den an den internationalen Finanzmärkten umgehenden und investierten Summen vergleichsweise klein. Das führt dazu, dass sich ihre Preisentwicklung rasch und deutlich von den realwirtschaftlichen Angebots- und Nachfragesituationen abkoppeln kann, sobald Anleger immer mehr Gelder in diese Märkte umschichten.

          Tatsächlich zeigen Studien, dass die Nachfrage nach Energie- und Rohstoffkontrakten von Seiten der Finanzinvestoren viel stärker zunimmt als von der Realwirtschaft. Das Problem lässt sich beispielhaft mit einem Blick auf den Ölmarkt veranschaulichen. Dort entspricht die an den Terminmärkten inzwischen umgesetzte virtuelle Menge knapp dem Zwölffachen dessen, was in der Realwirtschaft benötigt und gehandelt wird. Da sich Ölpreis und die von passiven Anlageinstrumenten verwalteten Mittel weitgehend parallel entwickeln, liegt ein Zusammenhang nahe.

          Das birgt für Anleger kurz- und mittelfristig erhebliche Risiken. Denn sie nehmen nicht mehr nur an der Entwicklung der Rohstoffmärkte teil, sondern sie prägen die Nachfrage- und Preisentwicklung entscheidend mit. Kaufen sie zu, treibt das die Preise kurzfristig unabhängig von der physischen Versorgungslage nach oben. Dagegen sind Verkaufswelle nie ausgeschlossen, sollten Anleger plötzlich hohen Liquiditätsbedarf haben, aus Enttäuschung über die Wertentwicklung nicht verstandener Anlagekonstrukte aussteigen oder aus Furcht vor einer wirtschaftlichen Abkühlung Gewinne mitnehmen wollen.

          Entsprechende Bedenken scheinen auch einen der den Markt dominierenden Rohstoffkonzern umzutreiben: Der Rohstoffkonzern Rio Tinto zeigt sich hinsichtlich des kurzfristigen Marktausblicks zurückhaltend. Kurzfristig könnten die europäische Schuldenkrise und die Inflation in Asien zusammen mit hohen Lagerbeständen mögliche Risiken bergen, erklärte Chairman Jan du Plessis auf der Aktionärsversammlung am Mittwoch in Melbourne. „Wir haben die jüngste Schuldenkrise in Europa gesehen und ihre weitreichende Ansteckung der Finanzmärkte auf der ganzen Welt“, sagte du Plessis den Aktionären. „Dies verdeutlicht die Möglichkeit dauerhafter, wirtschaftlicher Ungleichgewichte und versteckter Risiken, die die weltweiten wirtschaftlichen Aktivitäten anhaltend stören könnten.“

          Langfristig jedoch wird der Bedarf in den Schwellenländern deutlich steigern

          Auf der anderen Seite werde die Nachfrage in China und anderen Schwellenländern nach Eisenerz, Kupfer und Aluminium in den nächsten 15 Jahren voraussichtlich deutlich zulegen, erklärt das Unternehmen. Ihre Industrialisierung, Urbanisierung, steigende Produktivität und zunehmender Wohlstand lasse erwarten, dass sich die Nachfrage nach Rohstoffen in den kommenden 15 bis 20 Jahren verdoppeln werde. Auf dieser Basis scheinen Investitionen in diesen Bereich mit langfristiger Perspektive - immer unter taktischer Berücksichtigung der spekulativen Aktivitäten - interessant zu sein. Das gälte zumindest dann, wenn die Schwellenländer auf gleiche oder ähnliche Technologien und Lebensweisen setzen, die sich in den Industriestaaten etabliert haben. Sie würden nämlich zu einer deutlichen Zunahme des Pro-Kopfverbrauchs führen.

          Sicher ist das allerdings nicht. Denn alleine schon die Größe der Bevölkerungen in China und Indien lassen das Erreichen kritischer Grenzen - etwa in Klima- und Preisfragen - befürchten und die Entwicklung neuer Technologien und Lebensstile notwendig erscheinen. Aus diesem Grund kann es verlockender sein, als Anleger auf innovative Unternehmen in diesen Bereichen zu setzen.

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