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Rohstoffanlagen : Aluminiumpreis wird von Kupfer mitgezogen

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Alufolie - vielseitig verwendbar Bild: dpa

Der Aluminiumpreis liegt knapp 100 Prozent über dem Tief nach der Krise. Der Markt befindet sich im Spannungsfeld zwischen Nachfragewachstum, steigenden Produktionskosten einerseits und anhaltender Angebotsexpansion sowie hohen Lagerbeständen.

          Nach dem massiven Verfall im Jahr 2008 hat sich der Preis für Aluminium an den Terminmärktenin in den vergangnen Monaten wieder knapp verdoppelt. Er stieg in den vergangenen Wochen im Rahmen de allgemeinen Rohstoffhausse auf bis zu 2.520 Dollar je Tonne. Die Preisentwicklung blieb allerdings hinter der anderer Basismetalle zurück. Denn im Unterschied zu Kupfer etwa, das als knapp gilt und deswegen stark steigende Preise verzeichnete, befindet sich der Aluminiummarkt in einem Spannungsfeld aus zyklischem Nachfragewachstum und steigenden Produktionskosten einerseits und anhaltender Angebotsexpansion sowie hohen Lagerbeständen andererseits.

          Als Folge von Angebotsüberschüssen verzeichnete der Aluminiummarkt in den vergangenen drei Jahren einen in seiner Höhe einzigartigen Lageraufbau bei Metallbörsen, Produzenten, Händlern und Verbrauchern, erklären die Rohstoffanalysten der Landesbank Baden-Württemberg. Seit Ende des Jahres 2007 hätten sich die offiziell gemeldeten Aluminiumbestände der Terminbörsen London Metal Exchange und Shanghai Futures Exchange sowie bei Produzenten und an japanischen Häfen von etwa 2,7 Millionen auf zuletzt rund 6,3 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt. Dies entspreche gut zwei Monaten des weltweiten Verbrauchs und spiegele die Überversorgung des Aluminiummarktes wider, heißt es weiter.

          Nachfragewachstum, Produktionskosten gegen Angebotsexpansion und Lagerbeständen

          Der Aufbau habe sich zuletzt verlangsamt. Zudem seien die Lagerbestände aufgrund vertraglicher Vereinbarung physisch kurzfristig nur bedingt verfügbar. Allerdings werde sich diese Situation nach und nach auflösen und damit der dynamisch wachsenden Nachfrage entgegen kommen. Die werde im Rahmen einer robusten Wirtschaftsentwicklung im laufenden Jahr um rund sechs Prozent auf 42 Millionen Tonnen und im kommenden Jahr um sieben Prozent auf 45 Millionen Tonnen zunehmen, heißt es von Seiten der LBBW. Die Rolle der Wachstumslokomotive übernähmen erneut die aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens und Lateinamerikas. Boomende Automobil-, Transport- und Bausektoren dürften in diesen Regionen für einen überdurchschnittlich hohen Aluminiumbedarf sorgen, während in den traditionellen Industrienationen dagegen vorerst weiterhin die Krisenbewältigung im Vordergrund stehe.

          Auf der anderen Seite werde jedoch auch die Produktion weiterhin zunehmen, wenn auch gebremst. Da der tatsächlichen Produktion weiterhin Verhüttungskapazitäten von 50 Millionen Tonnen gegenüberstünden und die Produktionskosten wegen teurer gewordenem Bauxit und hohen Energiepreisen gestiegen seien, stünden die Unternehmen unter Margendruck. Bei einem Preis von 2300 Dollar je Tonne wären rund zehn Prozent aller Aluminiumhersteller unprofitabel, bei 2000 Dollar sogar 35 Prozent.

          Wenngleich in absehbarer Zeit kollektive und freiwillige Angebotsreduktionen nicht wahrscheinlich seien, sollte zumindest das Tempo der Produktions- und Kapazitätserweiterungen spürbar nachlassen. Als Wachstumsbremse betrachten die Analysten der LBBW die aktuelle Industrie- und Wirtschaftspolitik Pekings, die sich in Form von Umweltauflagen, Energiepreiserhöhungen und Handelsbeschränkungen zeige. Die Analysten rechnen weltweit mit einem Produktionszuwachs von knapp vier Prozent im laufenden und von rund sechs Prozent im Jahr 2012. Bei nach und nach abnehmenden Produktionsüberschüssen werde der Aluminiumpreis in einem positiven wirtschaftlichen Umfeld leicht steigen.

          ALuminium kann in Teilbereichen Kupfer ersetzen

          Eine Analyse der Credit Suisse bringt einen weiteren Faktor ins Spiel, nämlich die Faktorsubstitution. Der hohe Kupferpreis zwinge die verarbeitenden Industrien dazu, nach Ersatzmöglichkeiten zu suchen. So werde bei der Herstellung von Wärmetauschern und Klimaanlagen beispielsweise immer mehr Aluminium verwendet, statt Kupfer. Auch in der Automobilindustrie tun sich immer mehr Verwendungsmöglichkeiten auf. Längst werden nicht nur Karosserien oder Felgen aus Aluminium gefertigt, sondern auch Kabelbäume. Alleine das ist ein Markt, in dem bisher 1,4 Millionen Tonnen Kupfer jährlich eingesetzt wurden. Aluminiumleitungen im Bordnetz seien keine Randerscheinung für Sonderanwendungen mehr, sondern sie stellten in vielen Fällen eine Lösung für eine kostenoptimale Gewichtsreduktion dar, erklärt die Firma Áutokabel aus dem badischen Schopfheim. Der kombinierte Einsatz von Aluminiumverbindungstechniken und Leitungssysteme mache eine effiziente Energieverteilung in einem Fahrzeug möglich. Zum Beispiel in Form von Hochvoltleitungen für Hybrid- und Elektrofahrzeuge.

          So führen hohe Kupferpreise zusammen mit gestiegenen Produktionskosten und möglichen Substitutionseffekten trotz überversorgtem Markt bei Aluminium für eine gewisse Preisbasis und für optimistische Phantasie nach oben.

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