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Rohstoff-Zertifikate : Bisher ein durchwachsenes Jahr

Seltenes Bild in diesem Jahr: Ein Mähdrescher nutzt die Regenpause Bild: ddp

Konjunktursorgen und die Flucht vieler Investoren haben die Rohstoffpreise gedrückt. Ob Anleger mit der Spekulation auf ein Nahrungsmittel wie Weizen trotzdem noch Geld verdienen wollen, müssen sie für sich selbst entscheiden. Die Derivate-Industrie bietet viele Möglichkeiten.

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          Das Rohstoff-Jahr 2010 fiel aus Anlegersicht bisher nicht ertragreich aus. Konjunktursorgen und die Flucht vieler Investoren aus risikobehafteten Anlagen haben die Preise gedrückt. Der Ölpreis liegt 5 Prozent niedriger als zu Jahresbeginn. Ein Industriemetall wie Aluminium ist um 11 Prozent günstiger geworden. Auch ein Index wie der des Commodity Research Bureau (CRB), der 19 Rohstoffe umfasst, hat 5 Prozent verloren. Anders sieht es bei Agrarrohstoffen aus. Besonders Weizen hat sich verteuert, der Preis ist um rund 20 Prozent gestiegen.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Gründe für den Preisschub bei Weizen sind wenig erfreulich. Fachleute rechnen mit großen Ernteausfällen durch Hitze und Feuer in Russland und zu viel Nässe in anderen Regionen der Erde. So haben die heftigen Regenfälle in Deutschland den Preis für Brotweizen am größten deutschen Umschlagplatz in Hamburg am Montag auf das höchste Niveau seit April 2008 getrieben. Die September-Lieferung verteuerte sich laut Händlern am Kassamarkt um 3 Euro auf 240 Euro je Tonne.

          Derivate-Industrie bietet viele Möglichkeiten

          Zudem hat das Anfang August verhängte russische Exportverbot von Weizen, das bis zum 1. Dezember befristet ist, die Preise getrieben. Russland ist der drittgrößte Weizenproduzent der Welt, stellt aber üblicherweise rund 10 Prozent der jährlichen Weizenexporte.Von Ende Juni bis Anfang August hat sich der Future-Preis für Weizen an der Terminbörse Chicago Board of Trade (CBOT) auf bis zu 8,68 Dollar je Scheffel (rund 27,2 Kilogramm) fast verdoppelt. Gewinnmitnahmen haben ihn zuletzt wieder auf Werte von rund 7,10 Dollar gedrückt. Im Gefolge von Weizen sind auch die Preise für andere Getreidesorten wie Mais und Reis erheblich gestiegen. Weizen wird wie Mais nicht nur als Nahrungsmittel genutzt, sondern auch zur Fütterung von Tieren eingesetzt. Vor allem längerfristig rechnen Experten angesichts der wachsenen Weltbevölkerung mit höheren Agrarpreisen.

          Bild: F.A.Z.

          Ob Anleger mit der Spekulation auf ein Nahrungsmittel wie Weizen Geld verdienen wollen, müssen sie für sich selbst entscheiden. Die Derivate-Industrie jedenfalls bietet viele Möglichkeiten. Für konservativere Investoren gibt es eine Reihe von Zertifikaten. An der Börse Stuttgart sind es gut 30, die sich auf verschiedene Weizen-Futures beziehen. Spekulative Hebelpapiere, mit man auf steigende und fallende Weizenpreise setzen kann, gibt es ungleich mehr: Neben gut 90 Optionsscheinen finden sich etwa 175 hochriskante Knock-Out-Papiere. Zu den Emittenten zählen vor allem Commerzbank, DZ-Bank, Goldman Sachs, Royal Bank of Scotland und Société Générale.

          Ausweichen auf Terminbörsen

          Obwohl immer mehr Anleger in Rohstoffe investieren, ist deren Anteil an den Portfolios nach wie vor gering. Nach Angaben des Deutschen Derivate Verbandes waren per Ende Mai nur 2 Prozent des in Zertifikaten angelegten Gelds in die Basiswerte Rohstoffe/Währungen investiert. Bei den Hebelprodukten betrug der Anteil 23 Prozent. Das Gesamtvolumen des deutschen Zertifikatemarktes wurde auf rund 106,5 Milliarden Euro geschätzt - 99 Prozent davon entfielen auf Zertifikate.

          Die Preisveränderungen der Rohstoffe kommen gleichwohl nur bedingt beim Anleger an. Wohl die meisten Investoren können Weizen oder Rohöl nicht kaufen, transportieren und lagern. Daher weichen sie auf Terminbörsen aus, an denen die Rohstoffe über Futures auf Termin gehandelt werden. Um die spätere Lieferung des Rohstoffes zu vermeiden, werden die Kontrakte vor Laufzeitende in länger laufende getauscht. Durch dieses „Rollen“ entstehen Verluste, wenn der neue Kontrakt teurer ist. An der CBOT ist das zum Beispiel bei Weizen der Fall. Das drückt auch die Zertifikatepreise.

          Rohstoffpreise in Euro besser entwickelt als in Dollar

          Rohstoffanlagen gelten als riskant, da die Preis meist stark schwanken. Daher raten Experten vor allem zu Rohstoffindizes, um die Risiken zu streuen. Doch hier kann sich die unterschiedliche Entwicklung einzelner Rohstoffpreise besonders niederschlagen. Anleger sollten darauf achten, welchen Rohstoff-Korb sie kaufen. So machen beim GSCI-Rohstoffindex Energierohstoffe zwei Drittel des Index aus, Agrar-Rohstoffe kommen mit der Viehwirtschaft auf einen Anteil von einem Fünftel. Beim CRB-Index reduziert sich der Energieanteil auf 40 Prozent, der auf die Landwirtschaft entfallende Anteil ist dagegen genauso groß.

          Trotz des bisher insgesamt mageren Rohstoff-Jahres gibt es gute Nachrichten für die Anleger aus dem Euro-Raum. Rohstoffe notieren in aller Regel in Dollar. Angesichts der Stärke des Dollar - er hat in diesem Jahr um rund 13 Prozent zum Euro aufgewertet - haben sich die Rohstoffpreise in Euro besser entwickelt als in Dollar. So ist Gold um 13 Prozent teurer geworden, in Euro sind es 27 Prozent.

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