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Rohstoff-Anlagen : Geldanlage mit Tücken

  • -Aktualisiert am

Kupfer: Heiße Ware Bild: ddp

Viel Geld fließt derzeit in Rohstoff-Anlagen. Doch es gibt verschiedene Tücken, auf die Anleger achten müssen, wenn sie sich Rohöl, Weizen oder Kupfer ins Depot legen.

          3 Min.

          Die Geldanlage in Rohstoffe ist beliebt, zumal es die Banken den Privatanlegern mittlerweile einfacher machen, in Rohstoffe zu investieren. Niemand muss sich ein Ölfass in den Keller stellen oder Weizen horten. Privatanlegern stehen zahlreiche Rohstoff-Anlagemöglichkeiten zur Verfügung: Es gibt Zertifikate, börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds) sowie Exchange Traded Commodities (ETC). Das sind Inhaberschuldverschreibungen, die die Wertentwicklung von Rohstoffen abbilden. Mit den Produkten können Anleger nicht nur auf steigende, sondern auch auf sinkende Kurse setzen.

          Rohstoffe bieten keine Dividende, wie Aktien sie liefern. Auch gibt es keine Zinsen. Doch viele Rohstoffpreise verzeichnen hohe Zuwächse, weil die Nachfrage steigt und Anleger auf die verbesserte wirtschaftliche Lage setzen. Palladium etwa, das für Schmuck, aber auch für Autokatalysatoren gebraucht wird, hat sich innerhalb eines Jahres um 130 Prozent verteuert (siehe Infografik). Agrarrohstoffe wie Weizen verbuchen hingegen deutlich fallende Preise. Weil die Agrarpreise zuvor sehr hoch waren, ist die Produktion gestiegen. Fachleute sprechen von einer „Weizenschwemme“, nun drückt das hohe Angebot auf die Preise.

          Das Roll-Problem

          Rohstoff-Investments sind also alles andere als risikoarm. Die Preise schwanken stark. Für Anleger gibt es aber noch weitere Tücken zu beachten - eine sind die Rollverluste: Gerade Privatanleger haben kein Interesse, einen Rohstoff physisch geliefert zu bekommen. Sie wollen lediglich an der Preisentwicklung teilhaben. Daher handeln sie mit Produkten, die in Terminkontrakte an den Rohstoffbörsen investieren. Zum Beispiel in einen Öl-Terminkontrakt, der an der größten Rohstoffbörse der Welt, der New Yorker Mercantile Exchange (Nymex), notiert ist.

          Auch Zertifikate und Fonds, die Privatanleger kaufen, basieren auf solchen Kontrakten. Doch wer mit Terminkontrakten handelt, muss mit Rollverlusten rechnen. Denn solche Kontrakte laufen in der Regel drei Monate. Zur Fälligkeit würde der Rohstoff an den Anleger geliefert. Wer die physische Lieferung nicht will und außerdem länger investieren will, muss einen neuen Terminkontrakt kaufen. Der eine Kontrakt „rollt“ also in den nächsten Kontrakt. Dieser Effekt entsteht beispielsweise bei den sogenannten Open-End-Zertifikaten. Ist der neu gekaufte Kontrakt teurer als der auslaufende, entstehen Kosten - der Rollverlust schmälert die Rendite.

          So kann es vorkommen, dass der Ölpreis steigt, ein Anleger trotzdem mit seinem Ölzertifikat einen Verlust erleidet. Banken versuchen allerdings, ihre Produkte zu optimieren und dieses Risiko zu senken. Ganz ausschließen lässt es sich aber nicht.

          Viel kurzfristiges Geld, viel Marktmacht

          Zertifikate und auch ETC haben zudem ein Emittentenrisiko: Geht der Anbieter dieser Papiere pleite, ist das Geld weg. Allerdings sind die Papiere in der Regel auch mit Rohstoffen unterlegt, die im Insolvenzfall noch zur Verfügung stünden. Anleger müssen auch beachten, dass die meisten Rohstoffe in Dollar notieren, also ein Währungsrisiko besteht. Viele Produkte sind aber währungsgesichert.

          Wer in Rohstoffe investiert, muss auch wissen, dass es an diesen Märkten bei der Preisfindung längst nicht mehr nur um Angebot und Nachfrage geht. Spekulanten bestimmen das Marktgeschehen maßgeblich - nicht nur in großen Rohstoffmärkten wie dem Ölmarkt. Auch in Nischenmärkten wie Zucker sind sie stark involviert. Selbst im Baumwollmarkt sei „das Interesse der spekulativen Finanzanleger ebenfalls ungebrochen“, urteilen die Rohstoffexperten der Commerzbank.

          Wichtig zu wissen ist auch: Es gibt einige Rohstoffhändler, die über eine große Marktmacht verfügen. Sie haben gute Marktkenntnisse, weil sie zum Teil Rohstoffe nicht nur handeln, sondern auch produzieren und transportieren. Wenn solche Akteure an den Terminbörsen große Positionen halten, können sie ihren Informationsvorsprung gegenüber anderen Marktteilnehmern ausspielen und die Preise stark bewegen.

          Wie wird das Wetter?

          Schon länger argumentieren Rohstoffanalysten, dass die rasanten Preissprünge vieler Rohstoffe nicht mehr mit klassischen Argumenten wie Lagerdaten für Kupfer oder dem Ölverbrauch in einem Land zu erklären seien. Die typischen Daten zur Konjunkturlage und Erntesituation büßen ihre Aussagekraft ein.

          Hinzu kommt, dass bei Rohstoffen die Prognose über die Preisentwicklung auch gerade deshalb schwierig ist, weil das Wetter einen entscheidenden Einfluss hat. Das gilt besonders für Agrarrohstoffe: Ob Regen oder Hitze, die Ernte kann schnell zunichtegemacht werden, und es entsteht eine komplett neue Angebotssituation.

          Die Schwierigkeiten der Rohstoffanlagen scheinen viele Anleger jedoch nicht zu sorgen. Zwar berichtete die britische Bank Barclays Capital am Donnerstag, dass im ersten Quartal dieses Jahres weniger Geld in Rohstoffe geflossen sei. Doch das verwaltete Vermögen in Rohstoffprodukten habe im ersten Quartal 283 Milliarden Dollar betragen. Dies sind 5,4 Milliarden Dollar mehr als Ende 2009. Auch Deutschlands größtes Finanzinstitut, die Deutsche Bank, forciert das Rohstoffgeschäft. Die Bank will dieses Jahr rund 50 Exchange Traded Commodities anbieten.

          Das Interesse an Rohstoffen bleibt gerade deshalb hoch, weil derzeit attraktive Anlagealternativen rar sind, zumal die Zinsen in vielen Ländern noch für einen längeren Zeitraum auf einem niedrigen Niveau bleiben werden.

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