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Heizöl billig wie lange nicht : Jetzt Heizöl nachkaufen?

„Viele Tanks sind voll.“: Die meisten Hausbesitzer haben sich schon mit Heizöl für die Wintermonate ausgestattet. Bild: AP

Pünktlich zur Heizsaison kommt der neue Tiefstand des Ölpreises auch den Verbrauchern zugute. Lohnt es sich trotzdem, den Ölkauf noch aufzuschieben?

          Der Preis für Heizöl in Deutschland hat am Mittwoch den tiefsten Stand seit mehr als sechs Jahren erreicht. Im Bundesdurchschnitt sank der Preis für 100 Liter erstmals wieder unter 50 Euro, wie verschiedene Internetportale unter Berufung auf Heizölhändler übereinstimmend berichten. Demnach lag der Preis im Tagesverlauf bei 49,71 Euro. Damit wurde nicht nur das bisherige Jahrestief aus dem August unterboten - vielmehr war Heizöl seit Juli 2009 nicht mehr so billig gewesen. Die Ersparnis für Verbraucher im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren beträgt im Durchschnitt etwa 35 Prozent, wie das Internetportal Heizoel24.de mitteilte. Einen 3000-Liter Tank könne man jetzt fast überall in Deutschland für weniger als 1500 Euro füllen. In den vergangenen Wintern habe das oft 2500 bis 3000 Euro gekostet.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Tiefstände des Heizöls sind noch mal eine Besonderheit im allgemeinen Ölpreisverfall: Auch die Rohölsorten Brent und West Texas Intermediate (WTI) sind erheblich billiger als noch im vorigen Jahr - allerdings haben sie ihre Tiefstände aus dem August dieses Jahres noch nicht ganz wieder erreicht. Umgerechnet in Euro und Liter kostete Brent am Mittwoch rund 26 Cent je Liter. Der Jahrestiefstand vom 24. August 2015 betrug 23,5 Cent.

          Wärmster November seit Messbeginn

          Als wichtigsten Grund für den niedrigen Heizölpreis nennen Energieexperten wie Steffen Bukold vom Beratungsunternehmen Energy Comment den Preisrückgang beim Rohöl. Allerdings spielt wohl auch die schwache Nachfrage nach Heizöl eine Rolle. Alexander von Gersdorff vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in Berlin beschreibt das so: Weil der Ölpreis schon in den vergangenen Monaten niedrig gewesen sei, hätten viele Hausbesitzer sich früher als in anderen Jahren mit Heizöl eingedeckt: „Viele Tanks sind voll.“ Deswegen sei die Nachfrage jetzt in der eigentlichen Heizperiode niedriger als sonst.

          Auch der milde Herbst und der bis jetzt außergewöhnlich warme Winter dürften dabei eine Rolle gespielt haben. Vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach heißt es dazu: Obwohl der Winter meteorologisch erst am 1. Dezember begonnen habe, lasse sich schon sagen, dass die Heizperiode in diesem Jahr außergewöhnlich sei. „Der November 2015 ist immerhin der wärmste November in Deutschland seit Beginn regelmäßiger Messungen im Jahre 1881“, sagt Meteorologe Gerhard Lux vom Wetterdienst. Im November lag die Durchschnittstemperatur in Deutschland mit 7,5 Grad Celsius um rund 3,5 Grad über den Werten der Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 habe die Abweichung immerhin noch plus 3,1 Grad betragen.

          Ungleiche Preisentwicklung von Heizöl und Diesel

          Auch der Preis von Diesel an den Tankstellen, der sich aufgrund von Zusammenhängen bei der Produktion oft ähnlich entwickelt wie der von Heizöl, ist im Augenblick niedrig. Allerdings hat Diesel zuletzt keine Tiefstände erreicht. „Der Dieselpreis steht schon länger tief und schwankt um 1,12 Euro“, heißt es beim Mineralölwirtschaftsverband. Auffällig ist dabei nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC), dass der Preisunterschied zwischen Benzin und Diesel jetzt zwar kleiner ausfällt als noch im Sommer, aber im Vergleich zu anderen Jahren immer noch relativ groß ist. Der Abstand beträgt etwa 19 Cent, im Sommer waren es sogar 28 Cent gewesen. Damals war der Unterschied damit erklärt worden, dass die Nachfrage nach Benzin wegen der Reisewelle auch in Amerika besonders groß sei; dort sind traditionell weniger Dieselautos unterwegs. Jetzt „normalisiert“ sich das Verhältnis von Diesel- und Benzinpreis, wie es beim ADAC heißt.

          Dafür, dass Heizöl und Diesel sich nicht gleich entwickeln, gibt es offenbar verschiedene Gründe. Ein Grund ist, dass Diesel stärker besteuert wird als Heizöl, ein sinkender Rohölpreis schlägt deshalb beim Heizöl stärker auf die Verbraucherpreise durch. Den Mineralölkonzernen und Tankstellen ist darüber hinaus von Verbraucherschützern und Energiefachleuten oft vorgeworfen worden, sinkende Rohölpreise nicht ausreichend an die Verbraucher weiterzugeben. Der Mineralölwirtschaftsverband argumentiert dagegen mit Unterschieden hinsichtlich der Nachfrage: Zumindest für die Monate Januar bis September lag der Absatz von Diesel nach Statistiken des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) um 3,4 Prozent über dem Vorjahr, während der Verbrauch von Heizöl um 3,1 Prozent unter dem Vorjahr lag. Als Grund für den höheren Dieselverbrauch nennt der Mineralölwirtschaftsverband die gute Wirtschaftslage; etwa 50 Prozent des Dieselverbrauchs entfalle auf gewerbliche Fahrzeuge, darunter Busse und Baumaschinen.

          Was passiert, wenn der Dollar teurer wird?

          Die spannende Frage für Hausbesitzer, die jetzt Platz im Tank hätten: Soll man nachkaufen oder lieber noch warten? Langzeitvergleiche der Heizölpreise zeigen: Anders als man vielleicht annehmen könnte, ist Heizöl nicht im Sommer am günstigsten und im Winter am teuersten. Vielmehr ist oft diejenige Phase im Winter besonders günstig, in der sich die meisten Heizölkäufer schon eingedeckt haben und noch nicht wieder nachkaufen. Dann ist die Nachfrage oft schwach, und der Preis sinkt. In manchen Jahren gab es deshalb nochmal besonders günstige Preise im Laufe des Dezember.

          Eine Rolle für die Entwicklung des Heizölpreises in Deutschland spielt allerdings auch der Wechselkurs vom Euro zum Dollar. Öl wird überwiegend in Dollar gehandelt. Wenn der Dollar teurer wird, würde bei sonst gleichen Preisen auch Öl hierzulande teurer. Heute trifft sich die EZB, um über die Geldpolitik in Europa zu beraten, in der übernächsten Woche dann die amerikanische Notenbank Fed, um vermutlich eine Zinserhöhung zu beschließen. Sollte das den Dollar weiter steigen lassen, was nicht gewiss ist, könnte Heizöl hierzulande teurer werden. Allerdings ist das vage, weil Wechselkurse grundsätzlich schwer zu prognostizieren sind und der Heizölpreis außerdem natürlich auch von der Entwicklung des Rohölpreises abhängt.

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