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Renminbi : London setzt auf Geschäft mit Chinas Währung

  • -Aktualisiert am

Hongkong: Spielt Chinas Währung bald auch in London eine größere Rolle? Bild: REUTERS

Peking flexibilisiert Schritt für Schritt die Landeswährung Renminbi. Großbritanniens Finanzindustrie will an den Folgen davon verdienen und bietet schon Emissionsgeschäfte an.

          Die Londoner City wittert neues Geschäft: Mit großer Geschwindigkeit formiert sich in Hongkong ein wachsender und auf Dauer sicher lukrativer Markt in Renminbi (Yuan) und zahlreichen Finanzprodukten der chinesischen Währung. London will dies nicht mehr länger aus der Ferne beobachten, sondern einen Marktanteil dieses zukünftigen Geschäfts abzweigen. Wie in der City üblich, zogen Banken, Finanzministerium und die Stadtbehörde der Bankenmeile, die Corporation of London, an einem Strang - während Premierminister David Cameron in 10 Downing Street einen chinesischen Regierungsabgeordneten wegen der Ermordung eines britischen Geschäftsmannes in China zur Rede stellte, kündigte Schatzkanzler George Osborne im Herzen der Londoner City den Vorstoß der Bankenmeile „zum führenden Zentrum für internationales Geschäft in Renminbi“ an.

          Die Corporation of London veröffentlichte parallel dazu einen Marketingbericht über die Zukunft Londons als Finanzzentrum für den Devisenhandel in Renminbi und die Einführung von Finanzprodukten wie „Dim-Sum-Anleihen“ (Anleihen in chinesischer Währung) und „China-Swaps“. Gleichzeitig verlautete aus der Bank HSBC, die bisher als Emissionsführer der meisten Dim-Sum-Anleihen in Hongkong agierte, dass die Bank das erste Mal einen dreijährigen „Dim-Sum Bonds“ in London auflegen werde mit einem Kupon von etwa 3 bis 3,25 Prozent. Bisher waren die Anleihen westlicher Emittenten wie Unilever, Mc’Donalds, Caterpillar und Tesco über Hongkong an den Markt gebracht worden.

          Londons Vorstoß wird von einer gemeinsamen Initiative der Regierung und mehrerer Banken forciert, zu denen neben der Bank of China, Barclays, HSBC und Standard Chartered auch die Deutsche Bank als einer der größten Konsortialführer an den Anleihemärkten auf der ganzen Welt gehört. Das Geschäft wäre nicht möglich ohne die von Peking aus angestoßene systematische Lockerung der Regulierung, welche die Konvertierbarkeit und Nutzung des Renminbi einschränkt. Gerade erst wurde die tägliche Schwankungsbereite der Währung auf 1 Prozent ausgeweitet.

          Die Lockerung der zuvor sehr straffen Regulierung wurde zunächst im Jahr 2004 vorsichtig angekündigt. Die ersten Renminbi-Anleihen wurden allerdings erst im Jahr 2007 erlaubt, als auch ein grenzüberschreitendes Abwicklungssystem eingerichtet wurde. Erst 2010 wurde dann ausländischen Unternehmen und Banken gestattet, Renminbi-Konten und Abwicklungskonten zu eröffnen. Die Vorschriften für Anleiheemissionen wurden anschließend weiter gelockert. Im vergangenen Jahr erhielten acht ausländische Banken Zugang zum inländischen Anleihemarkt (Panda-Anleihen). Eine wichtige Änderung war schließlich die von Peking erteilte Erlaubnis, dass auch umfangreichere ausländische Renminbi-Bestände auf Konten gehalten werden durften.

          Noch ist die Nachfrage begrenzt

          Innerhalb eines Jahres bildete sich außerhalb der Volksrepublik so ein liquider Bestand der Währung, der nun für Anlageprodukte genutzt werden kann. In Hongkong betragen die Einlagenbestände mittlerweile 589 Milliarden Renminbi - in London erst 35 Milliarden Renminbi. Der Vergleich zeigt, dass Londons Position im chinesischen Finanzgeschäft noch in den Kinderschuhen steckt und hinter Hongkong wohl zweitrangig bleiben wird.

          Erst eine Handvoll Banken in London bietet Emissionsgeschäft in Renminbi an. Kompliziertere Produkte auf Renminbi werden für Unternehmen nur von einer sehr kleinen Gruppe Londoner Investmentbanken offeriert. Solange nämlich nicht geklärt ist, ob ausländische Emittenten die Erlöse aus ihren Renminbi-Emissionen für Investitionen in China nutzen dürfen, bleibt die Nachfrage nach der Begebung der Dim-Sum-Anleihen begrenzt. Anleger mit einem Interesse an Renminbi-Investitionen gibt es indessen genug.

          Der Tagesumsatz im Devisenhandel in Renminbi beläuft sich in London derzeit auf umgerechnet 0,68 Milliarden Dollar, verglichen mit 2,7 Milliarden Dollar offshore weltweit und 15 Milliarden Dollar in Yuan am chinesischen Inlandsmarkt.

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