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Regulierung der Finanzmärkte : Aufseher wollen Rohstoffhandel stärker beschränken

Rohstoffhandel in Chicago Bild: AFP

Amerikas Börsenaufsicht CFTC hat einen Entwurf vorgelegt, um den Handel mit Rohstoffen einzuschränken. Auch in Europa nimmt die Debatte um schärfere Regeln Fahrt auf.

          Die amerikanische Terminbörsenaufsicht CFTC beschränkt die Spekulation mit Rohstoffen. In einer Mehrheitsentscheidung verabschiedete eine fünfköpfige Kommission der Behörde Grenzen für die Positionen, die Händler in Märkten für Rohöl, Gold, Weizen und anderen Rohstoffen eingehen dürfen. Unternehmen wie Fluggesellschaften oder Agrarkonzerne, die sich auf den Terminmärkten gegen Preisschwankungen absichern, sind von den neuen Regularien allerdings ausgenommen.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Mit den Regeln setzt die CFTC Vorgaben des im vergangenen Jahr verabschiedeten Finanzmarktreformgesetzes um, des sogenannten Dodd-Frank-Act. "Es ist unsere Pflicht, sowohl Marktteilnehmer als auch die amerikanische Öffentlichkeit vor Betrug, Manipulation und anderem Missbrauch zu schützen", sagte der Vorsitzende der CFTC, Gary Gensler. Er wies zudem darauf hin, dass es schon seit den dreißiger Jahren gesetzliche Vorgaben gibt, die die Spekulation in bestimmten Agrarrohstoffen limitiert.

          Hochgekochte Debatte

          In den Vereinigten Staaten war die Debatte um die Rolle von Spekulanten hochgekocht, weil die Nahrungsmittelpreise in den vergangenen Jahren stark gestiegen waren. Auch in Europa gibt es eine Debatte darüber, ob die Rohstoffmärkte stärker reguliert werden sollen. Kritiker machen primär spekulativ orientierte Anleger für die Preisschwankungen verantwortlich. Sollte der CFTC-Entwurf umgesetzt werden, könnten Banken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley, die im Rohstoffgeschäft stark engagiert sind, ihre Geschäfte zurückfahren.

          Die neuen Regularien betreffen die Kontrakte von insgesamt 28 Rohstoffen von Erdgas bis zu Silber. Unter anderem sollen Händler künftig nicht mehr als 25 Prozent der Kontrakte mit kurzfristiger Fälligkeit eines Rohstoffs halten dürfen. Die Regeln sollen spätestens bis zum Jahr 2013 in Kraft treten.

          Der „Nebenkriegsschauplatz“

          Die Folgen der Spekulation auf den Trend der Rohstoffpreise sind allerdings umstritten: CFTC-Kommissar Michael Dunn bezeichnete die Debatte um die Begrenzung der Handelspositionen daher als "Nebenkriegsschauplatz". Es gebe keine Beweise für exzessive Spekulation und dafür, dass die Preise nach Einführung der Handelsbeschränkungen fallen würden. Dunn rechtfertigte seine Zustimmung zu den Beschränkungen einzig mit den Vorgaben des Dodd-Frank-Reformgesetzes. "Für die Landwirte und Erzeuger, könnten die Positionsbeschränkungen es möglicherweise sogar schwieriger machen, die Risiken abzusichern, die sie eingehen, um die Öffentlichkeit mit Milch, Brot und Gas zu versorgen", sagte Dunn.

          Nach Einschätzung von Rohstoffanalyst Eugen Weinberg von der Commerzbank "wird die Entscheidung der CFTC weitreichende Folgen haben": Die Rohstoffmärkte würden transparenter. Und: "Es wird großen Marktteilnehmern nicht mehr so einfach gelingen, die Preise in ihrem Sinne zu beeinflussen." Allerdings könne bis zur Einführung der Vorschriften noch viel passieren, "die Regeln könnten auch wieder aufgeweicht werden" - oder in möglichen Gerichtsverfahren keinen Bestand mehr haben.

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