https://www.faz.net/-gv6-7jypl

Preismanipulation : Nicht mal Gold kann man trauen

  • -Aktualisiert am

Bild: Getty Images

Gold ist die letzte Zuflucht der Sparer. Jetzt geraten Banker unter den Verdacht, den Goldpreis manipuliert zu haben - und die Verschwörungstheoretiker fühlen sich bestätigt.

          4 Min.

          Es ist ein uraltes Ritual, und es wird zweimal am Tag gepflegt. Immer um 11.30 Uhr und um 16 Uhr schließen sich in London fünf Händler aus großen Banken kurz, um den Wert des Goldes auszuhandeln: das „London Gold Fixing“ – eines von drei Verfahren zur Bestimmung des weltweiten Goldpreises. Fast hundert Jahre lang traf man sich dazu persönlich in einem holzvertäfelten Raum der Privatbank Rothschild. Seit 2004 wird das ganze über Telefon und Handelssysteme erledigt.

          Ausgerechnet dieses traditionsreiche Verfahren ist jetzt in den Blick der Aufsicht geraten: In England und in Deutschland ermitteln die Behörden, ob die Banken den Goldpreis manipuliert haben. Untersucht wird sowohl, ob die beteiligten Händler ihren Informationsvorsprung für Insidergeschäfte ausgenutzt haben. Als auch, ob sie den Preis nach oben und unten manipuliert haben, ganz wie es ihnen für ihre Geschäfte passte.

          Opfer können viele sein: Bergbauunternehmen, Juweliere und auch die Zentralbanken richten sich nach diesem Preis, wenn sie Gold kaufen oder verkaufen.

          Es geht um viel: Schließlich gilt Gold vielen Sparern als letzte Hoffnung. Alle, die ihrer Bank nicht trauen oder am Papiergeld zweifeln, setzen auf das glänzende Edelmetall. In schöner Regelmäßigkeit erscheinen Bücher, in denen gefordert wird, unser ganzes Währungssystem wieder ans Gold zu binden. Und als jüngst bekannt wurde, wie viel Gold die Bundesbank im Ausland lagert, da setzte ein Sturm der Entrüstung ein – mit dem Ziel, das Gold möglichst bald heimzuholen.

          Was also, wenn jetzt ausgerechnet das Gold selbst Gegenstand von Manipulationen ist – und der Goldpreis alles andere als sicher, ehrlich und unumstößlich?

          Verschwörungstheorien darüber gibt es seit langem. Buchautoren behaupten, die Notenbanken nähmen heimlich Einfluss auf den Goldpreis. Eine andere Theorie besagt, es seien die Großbanken, die den Goldpreis künstlich niedrig hielten. Vor allem der Investmentbank Goldman Sachs wird gern unterstellt, sie habe nicht nur eine Öltankerflotte, mit der sie den globalen Ölpreis steuere. Sondern halte auch den Goldpreis mit pessimistischen Prognosen künstlich niedrig, um sich billig eindecken zu können.

          Ablauf nach einem starren Drehbuch

          Jetzt also ermitteln die Behörden – und die Verschwörungstheoretiker fühlen sich bestätigt. Schließlich hat Gold gerade dramatisch an Wert verloren. Seit Jahresbeginn fiel der Kurs um etwa ein Viertel: ein Schlag für alle Gold-Fans.

          Ausgangspunkt für die Untersuchungen der Behörden waren zwei Beobachtungen: Zum einen ist das Verfahren, mit dem der Goldpreis bestimmt wird, verdächtig ähnlich dem des Libor, bei dem Manipulationen nachgewiesen sind. Zum anderen hatten die Aufseher festgestellt, dass just zu den Zeitpunkten, zu denen die Händler sich für das Goldpreis-Fixing treffen, auffällig viele Goldgeschäfte am Markt abgeschlossen wurden. Das konnte ganz normale Ursachen haben – aber auch ein Zeichen dafür sein, dass getrickst und manipuliert wird.

          Die Aufsichtsbehörden haben ihre gewaltigen Maschinerien angeworfen, um zu überprüfen, ob an dem Manipulationsverdacht etwas dran ist. Unter anderem scannen sie wieder endlos E-Mails. Bei den Ermittlungen zum Libor waren allein in der Deutschen Bank mehr als 34 Millionen Mails auf verdächtige Wörter untersucht worden.

          Weitere Themen

          Wie die EZB-Bankenaufsicht im Kampf gegen Corona hilft

          Krisenmanagement : Wie die EZB-Bankenaufsicht im Kampf gegen Corona hilft

          Als Reaktion auf den wirtschaftlichen Schock hat die EZB-Bankenaufsicht Entlastungen angekündigt. Jetzt müssen auch die Aktionäre ihren Beitrag leisten – und auf ihre Dividenden verzichten. Ein Gastbeitrag vom Vorsitzenden der Europäischen Bankenaufsicht der EZB.

          Topmeldungen

          Trump über Harry und Meghan : „Sie müssen zahlen!“

          Von London über Kanada nach Hollywood: Nach nur wenigen Monaten haben Harry und Meghan Kanada offenbar wieder verlassen und sind nach Kalifornien umgezogen. Das Willkommen des amerikanischen Präsidenten fällt allerdings eisig aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.