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Preisentwicklung : Wird der Frühstückskaffee bald teurer?

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Mit vielen Umdrehungen: Kaffeebohnen werden in einer Rösterei sortiert Bild: REUTERS

Während die Bauern in Südamerika unter dem niedrigen Kaffeepreis leiden, können die Verbraucher bisher billigeren Kaffee trinken. Doch nun bedroht eine Hitzewelle die Ernte.

          Kaffeebohnen zu ernten ist harte Arbeit. Die Kaffeekirschen, in denen die Bohnen enthalten sind, werden einzeln von Hand gepflückt. Noch vor drei Jahren bekamen Bauern in Südamerika für einen Sack (rund 60 kg) Kaffeebohnen der Sorte Arabica rund 3 Dollar. Innerhalb von drei Jahren war der Preis um mehr als 60 Prozent eingebrochen. Für die in gleißender Hitze auf Plantagen schuftenden Bauern müssen die vergangenen Tage ein Hoffnungsschimmer gewesen sein. Innerhalb von wenigen Tagen stieg der Preis um 27 Prozent. Zeitweise kostete ein Pfund Arabica 1,47 Dollar, am Freitag lag der Preis wieder bei 1,37 Dollar.

          Bahnt sich eine Wende auf dem Kaffeemarkt an? „Die Stimmung am Kaffeemarkt hat gedreht“, sagt Michaela Kuhl, Rohstoffanalystin bei der Commerzbank. Das Handelsvolumen erreichte Anfang der Woche das dritthöchste Niveau seit Beginn der Aufzeichnungen vor 20 Jahren. Derartige Schwankungen auf dem Kaffeemarkt sollten eigentlich verhindert werden. Im Jahre 2007 schlossen 77 Länder das sogenannte internationale Kaffeeübereinkommen, um die globale Kaffeewirtschaft und deren Zulieferunternehmen zu stärken und eine nachhaltige Preisentwicklung zu ermöglichen. Für jedes kaffeeproduzierende Land wurden Quoten festgelegt, um eine Überproduktion und damit einen Preisverfall zu vermeiden. Vorausgegangen war ein jahrelanger, deutlicher Preisrückgang.

          Brasilien ist größter Arabica-Erzeuger der Welt

          Kurze Zeit später ging die Malaise schon wieder los. Die heutige Kaffeebohnenschwemme hat ihren Ursprung in einer Phase hoher Rohstoffpreise vor drei Jahren, als Plantagenbesitzer ihre Anbauflächen ausweiteten. Fast 99 Prozent der gesamten Kaffeeproduktion entfallen auf die beiden Hauptsorten Arabica und Robusta. So wird Arabica-Kaffee überwiegend in Mittel- und Südamerika angebaut sowie im afrikanischen Hochland. Robusta-Kaffee dagegen wächst in sehr heißen Regionen in Afrika und Asien.

          Brasilien ist mit mehr als einem Drittel der Gesamtproduktion der größte Arabica-Erzeuger der Welt. An zweiter Stelle folgt Kolumbien. Die internationale Kaffeeorganisation schätzt, dass die Exportländer in der Erntesaison 2012/13 rund 145,2 Millionen Säcke zu jeweils 60 Kilogramm produziert haben. Dies ist der höchste Stand seit der Einführung der Statistik in den Jahren 1990/91. Gegenüber der Ernte der Saison 2011/12 ergibt sich bei Robusta ein Mengenanstieg von 11,6 Prozent. Bei Arabica sind es 8,4 Prozent. Demgegenüber kann die Nachfrage nicht mithalten. Sie ist gemäß der ICO-Analyse im Jahr 2012 um nur 2,1 Prozent auf 142 Millionen Säcke gestiegen.

          Das ist nicht nur ein ökonomisches Problem, sondern auch ein soziales. In Brasilien macht das Wort von der „Crise do Café“ die Runde. „Die niedrigen Preise führen zur Entkapitalisierung der Kaffeeanbauer“, warnt Silas Brasileiro, der Präsident des Anbauerverbandes „Conselho Nacional do Café“. Doch statt die Felder zu verkleinern, pochen die „Cafeicultores“ auf staatliche Interventionen, denn viele Bauern kommen wegen ausbleibender Einnahmen mit ihren Krediten in die Bredouille. In Kolumbien gingen die Kaffeebauern auf die Straße und forderten mehr staatliche Unterstützung, um die fallenden Preise, die Verluste durch die Peso-Aufwertung und die Verteuerung von Düngemitteln und Pestiziden zu kompensieren. Um über die Runden zu kommen, schlagen in Brasilien Händler zudem ihre Lagerbestände los.

          Keine Entwarnung in Sicht

          Nun bringt die fortgesetzt zu heiße und trockene Witterung in vielen wichtigen Anbaugebieten Brasiliens das bisherige Szenario einer extrem hohen Ernte ins Wanken. Der Januar war in Brasilien der heißeste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen. Gleichzeitig lag die Niederschlagsmenge auf dem niedrigsten Niveau seit 20 Jahren. Die extrem hohen Temperaturen sowie die Trockenheit schüren die Angst vor einer schlechten Ernte. „Die bislang optimistischen Prognosen einer Kaffeeernte sind kaum zu halten, wenn nicht schnell eine Wetteränderung eintritt“, sagt Kuhl von der Commerzbank.

          Noch vor wenigen Wochen wären solche Meldungen unter Verweis auf jahrelange Überschüsse und einen schwachen brasilianischen Real in ihrer Wirkung auf die Preise wohl weitgehend verpufft. Nun ist eine Entwarnung aber auch für die nächsten Wochen nicht in Sicht, und die Zeit vor dem Beginn der eigentlichen Trockenzeit von April an wird knapp. So werden inzwischen auch mögliche negative Folgen für das Jahr 2015 diskutiert, wenn sich die Kaffeebäume nicht angemessen entwickeln können.

          Müssen die Deutschen nun also wieder mehr für ihre morgendliche Tasse Kaffee zahlen? Seit dem Jahr 2012 hatte Marktführer Tchibo zweimal seinen Preis um 50 Cent je Pfund gesenkt. Einige Discounter wie Aldi folgten und reduzierten den Preis um 20 Cent je Pfund. Wenn überhaupt, wird es nun dauern, bis die Unternehmen reagieren. Noch sind die Lager prall gefüllt, und die Konzerne haben mittelfristige Verträge mit den Kaffeelieferanten.

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