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Preisentwicklung : Auftrieb an Rohstoffmärkten nicht zu bremsen

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Bild: FAZ.NET

Der spekulative Preisauftrieb an den Rohstoffmärkten scheint sich nicht bremsen zu lassen. Verschiedene Terminbörsen haben zwar die Kapitalanforderungen an die Händler zum Teil deutlich erhöht. Das sorgte aber nur für einen kurzen Dämpfer.

          Der spekulative Preisauftrieb an den Rohstoffmärkten scheint sich nicht bremsen zu lassen. Nach einer kurzen Zwischenkorrektur am Vortag werden Agrarprodukte, Industrie- und Edelmetalle und nun auch Öl am Donnerstag wieder teuerer.

          Kupfer kostet an der London Metal Exchange mit 8.966 Dollar je Tonne soviel wie nie zuvor, nachdem der Preis in den vergangenen Monaten um mehr als 200 Prozent gestiegen ist.

          Spekulative Rohstoffblase bläst sich immer weiter auf

          In den vergangenen Tagen ist auch der Ölpreis aus der volatilen Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau nach oben ausgebrochen. Am Donnerstag kostet ein Fass Öl der Sorte WTI mit 88,62 Dollar soviel wie zuletzt im Oktober des Jahres 2008. Damals fiel er von oben durch diese Marke, nachdem er in den Jahren 2007 und 2008 im Rahmen einer allgemeinen spekulativen Manie auf bis zu 145,3 Dollar gestiegen war und nachdem schließlich im Rahmen der Kredit- und Wirtschaftskrise die Nachfrage stark zurückgegangen war.

          Nun blase sich diese spekulative Blase wieder auf, erklärt beispielsweise der unabhängige Analyst Andy Xie. Sie sei auf primär auf die expansive Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank zurückzuführen. Sie unterliege dem Irrglauben, strukturelle Probleme mit Mitteln der Geldpolitik lösen zu können, erklärt er. Dabei sorge sie lediglich an den Finanz- und Rohstoffmärkten für Auftrieb. Diese Entwicklung werde fälschlicherweise als wirtschaftliche Belebung dargestellt. Allerdings würde selbst diese Effekte in kürzester Zeit verpuffen. Das Resultat der verfolgten Strategie werde sich in den kommenden Jahren in den Industriestaaten in Form einer über die Schwellenländer importierten Inflation zeigen, fürchtet er.

          Mit solchen Argumenten steht er zwar im Gegensatz zu anderen, die sich aufgrund nicht bereinigter Finanzblasen der Vergangenheit, einer notwendigen Austerität, industriellen Überkapazitäten und einem Überangebot an Arbeitskräften eher vor einer deflationären als vor einer inflationären Entwicklung fürchten. Sie denken, sowohl die Vereinigten Staaten als auch weite Teile Europas würden im kommenden Jahr wieder in eine Rezession zurückfallen. In diesem Rahmen werde es auch zu einer massiven Korrektur der Energie- und Rohstoffpreise kommen, denken sie.

          Realwirtschaftliche Paramater werden immer stärker verzerrt

          Das hindert jedoch ängstliche, spekulative und technische orientierte Anleger nicht daran, immer mehr Liquidität in die engen Energie- und Rohstoffmärkte umzuleiten und diese Güter in immer größeren Bergen zu horten. Hohe Preise verleiten gleichzeitig Anbieter dazu, ihr Angebot zurückzuhalten. Auf diese Weise bestätigen sich fundamental noch so unbegründete Knappheitsthesen kurzfristig selbst und heizen den Preisauftrieb weiter an - und verzerren die realwirtschaftlichen Paramater immer weiter.

          Inzwischen steigen selbst bei steigenden Kursen und Preisen die Volatilitäten. Das ist nicht nur außergewöhnlich, da sie normalerweise bei fallender Tendenz zunehmen. Sondern sie verleiten neuerdings immer Terminbörsen und Clearinghäuser dazu, ihre Margenanforderungen zu erhöhen. In den vergangenen Tagen haben die Comex, die CME in Chicago, die ICE in New York und nicht zuletzt auch LCH.Clearnet ihre Kunden darauf aufmerksam gemacht, dass sie künftig beim Handel von Terminkontrakten mehr Kapital als zuvor als Sicherheit hinterlegen müssten. Die so genannte Initial Margin für den Handel mit Silber wurde um satte 30 Prozent von 6.750 auf 8775 Dollar erhöht. Analog lagen die Margensteigerungen bei Soja bei 14 und bei Baumwolle bei zehn Prozent.

          Da der Handel auf diese Weise auf einen Schlag verteuert wurde, kam es am Mittwoch zu Gewinnmitnahmen, da Händler ihre Positionen anpassten. Am Donnerstag scheint der Effekt allerdings schon seine Wirkung verloren zu haben. Denn der Preisauftrieb zeigt sich wieder quer über beinahe alle Energie- und Rohstoffkontrakte. Er dürfte nur dann ein Ende finden, wenn sich die Regierungschefs der G20-Staaten unerwarteter Weise zu harten Maßnahmen zur Beschränkung der internationalen Handelsungleichgewichte durchringen sollten. Denn dann würde die Liquiditätsflut der Welt zurückgehen. Deutliche Rückschläge sind auch dann zu erwarten, wenn sich Hinweise auf eine Abkühlung der wirtschaftlichen Entwicklung in den Vereinigten Staaten und großen Teilen Europas verdichten.

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