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Preise unter Druck : Anleger fürchten Rohstoffabschwung

  • -Aktualisiert am

Chinesische Arbeiter säuber ein Eisenerz-Lager Bild: dpa

Die Rohstoffpreise sind unter Druck. Investoren ziehen sich zurück, Banken verdienen weniger mit ihren Rohstoffsparten. Kommt der jahrelange Boom, den China angetrieben hat, zu einem Ende?

          Für Investoren, die auf die Preisentwicklung von Rohstoffen setzen, sieht die Situation alles andere als gut aus: Die Preise sind erheblich unter Druck, der Rohstoffindex GSCI, der die Entwicklung von 24 Rohstoffen abbildet, hat seit Anfang des Jahres 8 Prozent verloren. Dabei hatten sich die Preise seit dem Jahr 2001 vervierfacht, sie waren allerdings zur Finanzkrise 2008 schon dramatisch gesunken.

          Es ist nicht nur die Schuldenkrise, die Anleger am Rohstoffmarkt bremst - einer Anlageklasse, die stets hohen Preisschwankungen unterliegt. Ebenso sorgen pessimistische Konjunkturaussichten sowie das verlangsamte Wirtschaftswachstum in China dafür, dass die Euphorie in Sachen Rohstoffanlagen deutlich schwindet. Nun fragen sich viele Anleger, ob der Rohstoffboom, der 1999 begonnen hat, inzwischen zu einem Ende kommt. Dabei hatte bisher stets China mit seinem enormen Ressourcenbedarf für eine große Nachfrage gesorgt, die Preise kletterten und Anleger konnten hohe Gewinne erzielen.

          Nicht nur die Analysten der Citigroup weisen darauf hin, dass der „Superzyklus“ im Rohstoffmarkt enden könne. Auch bei der Credit Suisse gibt es Volkswirte, die ähnlich urteilen: Nachdem China ein Jahrzehnt lang „sehr aggressiv“ in Infrastruktur investiert habe und viele Rohstoffe wie Stahl und Kupfer nötig waren, werde der Rohstoffhunger des Landes nicht mehr so groß wie früher sein, heißt es.

          Die Preisentwicklung am Rohstoffmarkt

          Sicher ist: Das Rohstoffgeschäft läuft für Banken derzeit nicht mehr so gut wie früher: Das britische Analyseunternehmen Coalition hat ermittelt, dass die Erlöse in den Rohstoffabteilungen der zehn größten Banken im ersten Quartal um 33 Prozent gesunken sind. Die Einnahmen der Sparten seien auf zwei Milliarden Dollar gegenüber drei Milliarden Dollar im Jahr zuvor gefallen. Coalition analysierte die Geschäfte von Finanzinstituten wie Bank of America, Barclays, Deutsche Bank und Goldman Sachs. Die Unternehmen wollten sich dazu nicht äußern.

          Derweil machen nicht nur Privatanleger, sondern auch Pensionsfonds, die eher auf langfristig steigende Rohstoffpreise setzten, schlechte Geschäfte. Dabei hat das Interesse an Rohstoffprodukten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen (siehe Grafik). Es ist längst nicht mehr den Banken und Hedgefonds überlassen, an der Preisentwicklung von Rohöl, Kupfer und Weizen teilzunehmen. Privatanleger können börsennotierte Rohstofffonds und Zertifikate kaufen.

          Der Preisrückgang der Rohstoffe hat auch seine guten Seiten: Unternehmen verbuchen geringere Kosten. In den vergangenen Jahren mussten sie für viele Waren, die sie zur Herstellung brauchen, Rekordpreise zahlen. Ohnehin waren manche Rohstoffe nur schwer zu bekommen. Zudem sinken jetzt für Verbraucher die Energiekosten, wenn der Ölpreis deutlich nachgibt. Und der Inflationsdruck nimmt ab.

          Mit Blick auf die weitere Preisentwicklung ist wichtig, wie große Rohstoffkonzerne wie BHP Billiton und Rio Tinto den Markt einschätzen. Von diesen Unternehmen gab es zuletzt eher Zurückhaltung: Statt geplante Investitionen anzuschieben, werden Projekte aufgeschoben - die Nachfrage in Asien wächst weniger stark als erwartet. In China erhöht sich das Überangebot an Erzen und Kohle, die Rohstoffe liegen länger als sonst auf Halde.

          Doch nach Einschätzung von Norbert Rücker, Rohstoffanalyst der Bank Julius Baer, erlebt der Rohstoffmarkt zwar „eine Preiskorrektur“, der Rohstoff-Superzyklus sei aber ungebrochen: „Zur Zeit dominieren zyklische Wachstumssorgen, langfristig sollte das strukturelle Wachstum der Schwellenländer wie China aber weiterhin für Unterstützung der Preise sorgen.“ Klar sei, dass sich das Wachstum in China verlangsame, so Rücker. „Aber auf den Rohstoffmärkten kommt es weniger auf das Wachstum an als auf die tatsächlich verbrauchten Rohstoffmengen in Tonnen.“ Auch wenn China weniger stark wachsen sollte, brauche das Land immer noch viele Rohstoffe und sei zum Beispiel auf Kupferimporte angewiesen.

          Allerdings sorge das Überangebot von Rohstoffen in China wie im Fall von Kohle und Erz für ein Alarmzeichen: „Dies stimmt uns vorsichtig, doch der Verbrauch sollte hoch bleiben und das Überangebot wieder reduzieren.“ Kein Wunder, dass Rücker mit seiner eher positiven Prognose auch das meiste Potential den Industriemetallen zubilligt. Deren Preise sollten wieder zulegen.

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