https://www.faz.net/-gv6-85z5e

Edelmetalle : Platin bleibt billiger als Gold

Weniger wert als Gold: Die Platin-Gold-Quote liegt bei 0,89. Bild: Reuters

Bronze, Silber, Gold, Platin: Das war die Rangfolge der Metalle. Doch Platin ist mittlerweile weniger wert als Gold. Schuld daran ist die Autoindustrie. Sollte man jetzt investieren?

          Normalerweise ist Platin mehr wert als Gold. Das weiß jeder stolze Besitzer einer Platin-Kreditkarte. Zurzeit aber ist das weiße Edelmetall billiger. Das gab es in den vergangenen Jahrzehnten erst einige Male. Meist holte es schnell wieder auf.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Diesmal ist der Preisabstand besonders deutlich: Platin kostete am Mittwoch 970 Dollar je Feinunze, während für Gold 1094 Dollar je Feinunze gezahlt wurden. Damit beträgt die Platin-Gold-Quote nur noch 0,89. Es gab zwar Zeiten in den achtziger Jahren, als die Quote noch niedriger lag. Im Jahr 2008 aber war Platin mehr als doppelt so teuer wie Gold. Damals wurde ein Rekordpreis von 2300 Dollar je Feinunze für Platin bezahlt. Der Goldpreis betrug 870 Dollar.

          „Eine Quote von weniger als eins ist sehr ungewöhnlich“, sagt Hanré Rossouw, Fondsmanager bei Investec Asset Management. Platin ist seltener als Gold. Ähnlich wie bei Diamanten ist der Preisaufschlag auch der öffentlichen Wahrnehmung von Platin als etwas Besonderem geschuldet. Ist das Edelmetall günstiger als Gold, sprechen einige Anleger von einem Kaufsignal.

          Die Frage ist: Wann?

          „Die Entwicklungen in der Vergangenheit geben ihnen recht, irgendwann wird Platin teurer sein als Gold“, sagt Rossouw. „Die Frage ist nur wann.“ Wie bei allen Daumenregeln sei Vorsicht geboten. Die Entwicklung beider Preise hänge von vielen Faktoren ab. Ende 2008 etwa kehrte sich das Preisverhältnis schon nach ein paar Tagen um.

          Das nächste Mal dauerte es deutlich länger: Ende 2011 überstieg der Platinpreis den Goldpreis und sank erst Anfang 2013 wieder darunter. Eine niedrige Platin-Gold-Quote gibt es oft in Krisenzeiten, in denen sich Anleger mit Gold eindecken und die Platinabnehmer in der Industrie zu kämpfen haben.

          Aktuell könnte sich die Rückkehr zu normalen Verhältnissen am Markt hinziehen. Der Platinpreis bleibt schwach. Ende vergangener Woche sank er zum ersten Mal seit 2009 unter 1000 Dollar je Feinunze. Damals war die amerikanische Investmentbank Lehman zusammengebrochen. Verglichen mit dem Vorjahr hat das Metall um 34 Prozent an Wert eingebüßt.

          Trotz Streik kein Anstieg

          Auch das Schwestermetall Palladium wurde von dem Sog mitgezogen, der Preis sank auf das niedrigste Niveau seit 2012. Palladium fällt bei der Platin- und Nickelförderung als Nebenprodukt an. Beide Metalle werden von der Autoindustrie in Abgaskatalysatoren eingesetzt, Platin vornehmlich in dieselgetriebenen Fahrzeugen und das günstigere Palladium in Bezinern.

          Analysten erklären den Preisrutsch mit der schwachen Autokonjunktur. Vor allem Dieselfahrzeuge sind nicht mehr so gefragt. Der technische Fortschritt hat zudem dazu geführt, dass weniger Platinmetalle in den Katalysatoren benötigt werden. Bei Platin kommt hinzu, dass auch das Schmuckgeschäft in China – dem wichtigsten Markt – nicht mehr so rund läuft wie in der Vergangenheit.

          Gleichzeitig gelangte immer mehr Platin auf dem Markt, das sich – im Gegensatz zu Rohstoffen wie Kohle – nicht in Luft auflöst. Wie groß die Vorräte insgesamt sind, weiß niemand. Dass sie beträchtlich sein müssen, zeigte sich im vergangenen Jahr. Trotz eines fünf Monate langen Streiks in Südafrikas Minen legte der Platinpreis nicht zu. Südafrika liefert etwa Dreiviertel des globalen Platinangebots, Russland bringt das meiste Palladium auf den Markt.

          Tiefpunkt noch nicht erreicht

          Mittlerweile sind Südafrikas Minenkonzerne zur normalen Produktion zurückgekehrt. Allein der Marktführer Anglo Platinum steigerte den Ausstoß im zweiten Quartal um 60Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ungeachtet der schwachen Nachfrage wird sogar mehr gefördert als vor dem Streik. „Rohstoffpreise kehren letztlich immer zu einem langfristigen, inflationsbereinigten Mittelwert zurück“, sagt Peter Major, Rohstoffexperte bei Cadiz Corporate Solutions.

          Nach seiner Statistik, die bis in die vierziger Jahre zurückreicht, liegt der langfristige Preis für Platin bei 900 bis 950 Dollar je Feinunze. „Ich glaube nicht, dass wir den Tiefpunkt schon erreicht haben.“

          Finanzinvestoren scheinen in der aktuellen Lage abzuwarten. Während des Streiks stiegen die Einlagen in Exchange Traded Funds (ETFs) für Platin rasant. Seitdem bleiben sie relativ konstant mit etwa 2,6 bis 2,7 Millionen Feinunzen. Platin-ETFs gibt es erst seit kurzem. Sie spielen noch eine weitaus geringere Rolle als Gold-ETFs. Am Mittwoch gab der Platinpreis weiter nach.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in der Vergabe der vom europäischen Gerichtshof gestoppten Pkw-Maut getrickst, um die Kosten möglichst niedrig erscheinen zu lassen? Neue Dokumente legen diesen Vorwurf nahe.
          Empfindet Schäubles Äußerungen als „wohltuend“: der frühere Präsident des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen

          Streit über Maaßen : Nach der Attacke ist vor der Attacke

          Mit einer gezielt gesetzten Äußerung heizt Wolfgang Schäuble den Streit um einen möglichen Parteiausschluss von Hans-Georg Maaßen weiter an. Wieso macht er das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.