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Preis für amerikanische Sorte steigt : Die alte Ordnung auf dem Ölmarkt ist wiederhergestellt

Bild: F.A.Z.

Die Preislücke zwischen der nordamerikanischen Ölsorte WTI und dem Nordseeöl Brent ist nahezu geschlossen. Erstmals seit drei Jahren notiert WTI mit 108 Dollar pro Barrel wieder minimal höher.

          Mehrere Jahre hat es gedauert, nun ist es fast so weit: Die Preislücke zwischen der nordamerikanischen Ölsorte WTI und dem Nordseeöl Brent ist nahezu geschlossen. Am Montag kostete ein Barrel (etwa 159 Liter) beider Sorten etwa 108 Dollar, dabei war WTI leicht teurer. Das ist das erste Mal seit dem 16. August 2010 wieder der Fall.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Komplett abgeschlossen ist die Konvergenz der beiden wichtigsten Ölsorten noch nicht. Denn beide Terminkontrakte haben unterschiedliche Fälligkeiten. So läuft der nächstfällige für WTI im August aus, der für Brent erst im September. Vergleicht man beide Kontrakte mit gleicher Laufzeit, dann notiert der entsprechende Brent-Kontrakt noch immer leicht höher als der vergleichbare WTI-Kontrakt. Allerdings läuft in der Nacht vom Montag auf Dienstag der August-Kontrakt bei WTI aus, dann ist die Vergleichbarkeit wiederhergestellt.

          Rollgewinne machen den Unterschied

          Die Chancen stehen gut, dass nordamerikanisches Öl dem europäischen zumindest zeitweise den Rang abläuft. Nach Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), die den Futures- und Optionenmarkt in den Vereinigten Staaten überwacht, setzen so viele Investoren wie noch nie auf einen steigenden Ölpreis. Aktuell gibt es 340.000 Netto-Long-Kontrakte, das sind Wetten auf steigende Preise. Damit wird auch das Niveau vom März 2011 übertroffen, als es etwa 330.000 derartige Positionen gab.

          Wie die Rohstoffanalysten der Commerzbank berichten, werden Investoren momentan vor allem von Rollgewinnen angezogen. Diese entstehen, wenn ein alter Kontrakt ausläuft und der nächstfolgende einen niedrigeren Preis hat als der alte. Beim WTI ist zum Beispiel der Juni-Kontrakt 2014 aktuell 12 Dollar günstiger zu haben als der aktuelle Kontrakt. Für Anleger bedeutet das konkret: Für den gleichen Preis können sie mehr Kontrakte kaufen. Der Brent-Kontrakt, der im Juni 2014 ausläuft, ist dagegen nur 6 Dollar günstiger zu haben.

          Es fehlt Transportkapazität

          Wie nachhaltig die Entwicklung aber ist, wird sich noch zeigen. So rechnen die Fachleute der Commerzbank nicht damit, dass WTI-Öl längerfristig teurer bleiben wird als sein europäisches Pendant.

          Die Situation auf dem Ölmarkt ist nach wie vor kurios. Öl der Sorte WTI hat eigentlich eine leicht bessere Qualität als das Nordseeöl, da es etwas leichter zu verarbeiten ist. Den Gesetzen des Marktes folgend müsste ein qualitativ hochwertigeres Produkt also teurer sein. Das ist es allerdings nicht, denn in den Vereinigten Staaten haben die Verantwortlichen – Staat und Konzerne – geschlafen. Durch die neue Fracking-Technologie wurde immer mehr Öl gefördert, besonders im Mittleren Westen des Landes.

          Das schwarze Gold findet seinen Weg nicht in die Raffinerien des Landes und in die Häfen, um es auf den Weltmarkt zu verschiffen. Es fehlt die Transportkapazität. Die Arbeiter kamen nicht mit dem Bau neuer Pipelines nach, und die Bahnstrecken waren von kilometerlangen Ölzügen überlastet. Daher staute sich das Öl in der Kleinstadt Cushing. Nach drei Jahren sind nun einige der drängendsten Probleme gelöst: So wurden neue Pipelines gebaut, oder es wurde die Fließrichtung umgekehrt, um das Öl zu Raffinerien und Küsten zu bringen. Außerdem haben die Raffinerien neue Kapazitäten aufgebaut. Es wird so viel Öl verarbeitet wie zuletzt 2005. Die positiven ökonomischen Aussichten haben ihr Übriges getan, um die Nachfrage nach Öl wieder anzukurbeln.

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