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Platinmetalle : Platin hat Palladium vorerst noch immer was voraus

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Anhänger aus Palladium und Weißgold. Bild: picture-alliance / dpa

Platin und Palladium gehören chemisch zur selben Gruppe. Platin erhält dennoch immer den Vorzug. Ändern könnte sich das erst gegen Ende des Jahrzehnts.

          Palladium war einst eine feine Sache. Bis Anfang 2001 sorgten lange Zeit anhaltende, Lieferausfälle beim Hauptproduzenten Rußland dafür, daß der Preis Anfang des Jahres 2001 schließlich auf ein Allzeithoch von 1.090 Dollar geklettert war. Seitdem ist es, abgesehen von halbherzigen Gegenreaktionen nur abwärts gegangen. Mittlerweile notiert das Edelmetall bei 182,50 Dollar.

          Ganz anders dagegen hat sich Platin entwickelt. Schon im Jahr 2000 war der Preis des Rohstoffes von Preisen um 380 Dollar bis auf über 600 Dollar geklettert. Dort verharrte er einige Monate, gab dann erst nach, bevor ihn ein anhaltende Hausse im April 2004 auf ein Allzeithoch von 935 Dollar trieb. Danach gab es einen scharfen Einbruch und der Preis fiel bis auf 772 Dollar. Seitdem hat sich der Preis erneut erholt und tendiert vorsichtig nach oben. Bei 898 Dollar schielt er mittlerweile wieder in Richtung eines neuen Allzeithochs.

          Die ungleichen Brüder

          Das Schicksal beider Metalle gilt als eng miteinander verknüpft. Beide Stoffe finden Einsatz vorwiegend in der Autoindustrie, vor allem in Katalysatoren sowie in der Schmuckindustrie. Unter diesen Umständen sollte man angesichts der aktuellen, relativen Preise eigentlich annehmen, daß die Werte sich umgekehrt verhalten sollten. Den Palladiumpreis sollte eine steigende Nachfrage nach oben treiben, gleichzeitig sollte Platin weniger gewünscht sein und der Preis fallen.

          Daß dem nicht so ist, liegt zum einen daran, daß beide Metalle nur bedingt austauschbar sind. Das zeigt sich nirgends so deutlich wie in der Schmuckindustrie. Palladium hat alles - nur keinen Glamour. Rund zehn Prozent der Produktion finden in der Schmuckindustrie Einsatz, meist als Goldlegierung. Bei Platin sind dies immerhin 35 Prozent.

          Zwar wird immer wieder berichtet, daß Schmuckverarbeiter, vor allem in China vermehrt preiswertes Palladium als Ersatz für teures Platin einsetzten. Weltweit verdreifachte sich der Palladiumverbrauch in der Schmuckverarbeitung im vergangenen Jahr. Doch gleichzeitig sagen andere Branchenkenner, daß gerade in Asien Palladium-Schmuck sehr gering geschätzt werde. Das begrenzt das Wachstumspotential. Außerdem hält dies die Preise für palladiumhaltigen Schmuck auf Distanz zu Platin-Schmuck. Darauf läßt sich keine Preishausse bauen.

          Der Katalysator als Katalysator

          Auch geht Palladium völlig der Krisennimbus ab, was Platin einen relativen Vorteil verschafft, auch wenn der Ruf von Platin in puncto Wertbeständigkeit weit entfernt von dem des Goldes liegt. Übrigens nicht ganz zu Recht - wer beispielsweise 1998 in Gold investierte kann auf ein Plus von rund 50 Prozent zurückblicken. Wer Platin den Vorrang gab, kann sich über rund 130 Prozent freuen.

          Was bleibt, ist die industrielle Anwendung in der Autoindustrie. Spätestens hier, wo es nicht um Nimbus und Dekoration geht, sondern um industrielle Anwendungen unter Kostendruck, sollte ein Impuls für die Angleichung der Preise herkommen. Schließlich ist es die wichtigste Anwendung beider Metalle.

          Gesetzt wird vor allem auf die Substitution von Platin durch Palladium in Katalysatoren. Dies sei, sagen Palladium-Freunde, bislang vor allem daran gescheitert, daß gerade in Dieselkatalysatoren der Einsatz von Palladium jetzt möglich geworden sei. Indes vermeldete der belgische Chemiekonzern Umicore die Existenz einer solchen Technik bereits vor anderthalb Jahren.

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