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Rohstoffmarkt : Platin schwächelt weiter

Staubiges Unterfangen: Platin-Abbau in der Impala-Mine in Südafrika Bild: Delance/Le Figaro Magazine/laif

Ein Anstieg des Preises, der unter dem von Gold liegt, ist nicht absehbar – zumal die Nachfrage in China und bei Autobauern enttäuscht. Für Südafrikas Platinförderer hat das schwere Folgen.

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          Ein Anstieg des Platinpreises rückt in weitere Ferne: Wegen schwacher Nachfrage in China prognostiziert der World Platinum Investment Council ein geringeres Defizit als zuvor erwartet. Statt 235.000 Feinunzen soll der Fehlbetrag 190.000 Feinunzen betragen, schreibt der von sechs Platinkonzernen gegründete Rat in seinem jüngsten Quartalsbericht. Dies deutet auf eine längere Marktschwäche hin. Platin kostet aktuell 1163 Dollar je Feinunze, 35 Prozent weniger als vor fünf Jahren. Das weiße Edelmetall ist sogar günstiger zu haben als das unedlere Gold.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Das Beratungsunternehmen GFMS hält auch einen Rückgang auf 1000 Dollar für möglich. Das wäre der niedrigste Preis seit Anfang 2009. Im Jahresdurchschnitt wird ein Platinpreis von 1170 Dollar je Feinunze erwartet. Auch zu diesem Preis schreiben jedoch viele Minen Verlust. Der jüngsten Schätzung zufolge kostet die Förderung im Durchschnitt 1209 Dollar je Feinunze.

          Recyceltes Platin deutlich billiger

          Platin wird großenteils von der Schmuck- und von der Autoindustrie benötigt. Letztere benutzt es in Abgaskatalysatoren für Dieselfahrzeuge. Vor allem die Nachfrage der Autobauer hat in den vergangenen Jahren gelitten. Gleichzeitig gelangt immer mehr recyceltes Platin auf den Markt, das deutlich billiger ist. Selbst ein fünf Monate langer Streik in Südafrikas Platinminen im vergangenen Jahr konnte den Preis nicht in die Höhe treiben. Verantwortlich dafür sind laut Investment Council auch Finanzinvestoren, die seit kurzem in spezialisierten Platin-Fonds Geld anlegen können. Südafrika ist der mit weitem Abstand wichtigste Lieferant. Dort ruhen 80 Prozent der Reserven.

          Der niedrige Platinpreis hat vor allem Südafrikas Platinförderer hart getroffen, die zudem mit steigenden Arbeitskosten und Arbeiteraufständen konfrontiert sind. Marktführer Anglo Platinum gehört zwar nach einem Restrukturierungsprogramm zu den Förderern mit den geringsten Kosten. Doch das Unternehmen sucht seit mehr als einem Jahr vergeblich nach einem Käufer für mehrere Bergwerke. Lonmin kündigte vor kurzem den Abbau von 3500 Arbeitsplätzen an, bei Impala Platinum ist die Zukunft mehrerer Gruben ungewiss.

          Analysten fordern immer wieder, die Produktion zu drosseln, um den Platinpreis zu stützen. Doch die Förderer weigern sich. Es dauert lange, einen stillgelegten Förderschacht wieder in Betrieb zu nehmen, und es ist sehr teuer. Auch würde Arbeitsplatzabbau auf lauten Protest der Regierung stoßen. Stattdessen suchen die Unternehmen nach alternativen Einsatzgebieten für Platin wie Brennstoffzellen in Fahrzeugen.

          Der World Platinum Investment Council erwartet in diesem Jahr einen Anstieg des Platinangebots um 10 Prozent auf knapp 8 Millionen Feinunzen, dabei liefert Südafrika 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Nachfrage verbessert sich demnach wohl um 3 Prozent auf 8,2 Millionen Feinunzen. Während aus Südafrika und Zimbabwe mehr Platin auf den Markt gelangt, fällt das Angebot aus Nordamerika und Russland.

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