https://www.faz.net/-gv6-7wtd7

Opec-Treffen : Im Zeichen des abgestürzten Ölpreises

Ölraffinerie in Qatar. Die Golfstaaten scheinen das Preistief besser verkraften zu können Bild: AFP

Selten war das Treffen der Organisation erdölexportierender Staaten so spannend wie in diesem Jahr. Wegen des sinkenden Ölpreises drängen die ärmeren Mitglieder auf eine Kürzung der Förderung. Doch Saudi-Arabien weigert sich.

          2 Min.

          Am heutigen Donnerstag blickt die Rohstoffwelt nach Wien: Dort treffen sich die zwölf Mitglieder der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec), um über ihre Förderquote zu beraten. Was nach einem Verwaltungsakt klingt, ist der vorläufige Höhepunkt in einem Rohstoffkrimi, der vor etwa fünf Monaten begonnen hat. Ende Juni ist die Öl-Welt ins Rutschen geraten. Der Preis ist seitdem um etwa 30 Prozent auf aktuell nur noch knapp 80 Dollar je Fass (159 Liter) gefallen und mit ihm auch die Macht des einst so einflussreichen Kartells.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit jedem Cent, den sich Rohöl an den Weltmärkten verbilligt, geraten auch die Länder, die vom Erdölexport leben, stärker ins Schlingern. Vor allem die ärmeren Clubmitglieder wie Nigeria, Iran oder Venezuela, die nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds auf Preise zwischen 117 und 130 Dollar je Fass angewiesen sind, dringen auf eine Reduktion der Förderung, um die Preise wieder zu stabilisieren und damit auch ihre Haushalte aus der Schieflage zu führen. Doch sosehr sie sich im Voraus auch bemüht haben, eine Einigung zu erreichen, dem Treffen werden sie nur als Statisten beiwohnen. Denn die endgültigen Entscheidungen in diesem Zirkel trifft Saudi-Arabien.

          Das Scheichtum fördert nicht nur 30 Prozent des Rohöls innerhalb der Opec, sondern verfügt auch über die größten freien Produktionskapazitäten. In der Vergangenheit hat Saudi-Arabien in Krisenzeiten die Rolle eines sogenannten Swing-Produzenten übernommen, also seine Förderung dem Marktumfeld angepasst. Im Moment ist die Welt mit Öl geflutet. Das Angebot übertrifft die Nachfrage deutlich, allein die Opec-Mitglieder produzieren 30,6 Millionen Fass täglich, von denen aber nur etwa 29 Millionen Fass gebraucht werden.

          Der Bedeutungsverlust des Kartells ist nicht aufzuhalten

          Vor allem der Schieferöl-Boom in den Vereinigten Staaten sowie die unerwartet hohe Förderung in Libyen und im Irak haben zu dem Überfluss beigetragen. Es sieht allerdings nicht so aus, als wollte Saudi-Arabien seine Produktion herunterfahren, um die Preise nach oben zu treiben. „Niemand sollte kürzen, und der Markt wird sich von selbst stabilisieren“, sagte der saudische Ölminister Ali Al-Naimi am Mittwoch in Wien. Am Markt wurde die Aussage so interpretiert, dass die Förderung nicht heruntergefahren wird. Der Ölpreis sank entsprechend.

          Im Vorfeld ist viel darüber spekuliert worden, was zur ablehnenden Haltung der Saudis geführt hat; Verschwörungstheoretiker hatten Hochkonjunktur. Will das Scheichtum gemeinsam mit den Vereinigten Staaten Iran und Russland durch niedrige Preisen in die Knie zwingen? Oder wird dem Verfall tatenlos zugeschaut, um die noch jungen amerikanischen Schieferölproduzenten auszutrocknen, die vermeintlich höhere Preise benötigen als die Länder vom Golf? Die wahrscheinlichste Erklärung ist jedoch, dass Saudi-Arabien seine Marktanteile in den Vereinigten Staaten mit aller Kraft verteidigen will. Denn auch die reichen Saudis können nicht leichthin auf ihre Öleinnahmen verzichten, hatten sie ihre Bevölkerung nach dem Arabischen Frühling doch mit kostspieligen Sozialleistungen sediert. Deswegen könnte man sich insofern einigen, das tägliche Produktionsziel von 30 Millionen Barrel künftig einzuhalten. Den Preisverfall wird das nicht stoppen. Und auch nicht den Bedeutungsverlust des einst so mächtigen Kartells.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wahl in Thüringen : Die AfD und die Abgehängten

          Björn Höcke ist unter den thüringischen Wählern nicht gerade beliebt. Viele wollen ihre Stimme trotzdem der AfD geben. Ein Besuch in einer ihrer Hochburgen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.