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Opec-Treffen : Die Taktik der Öl-Clique geht auf

Erdölraffinerie bei Dhahran in Saudi-Arabien: Das Förderziel wird wohl auch nach dem Opec-Treffen beibehalten werden. Bild: dpa

Sie haben den Markt mit Öl überschwemmt und konkurrierende Produzenten geschwächt. Bei ihrem Treffen an diesem Freitag können sich alle Opec-Vertreter die Hände reiben.

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          Auf den Sitzungen der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) geht es mitunter turbulent zu. Da eilen die Ölminister vor den Sitzungssaal in der Wiener Zentrale, um unabgesprochene Erklärungen abzugeben und über die lieben Kollegen zu lästern. Zur turnusmäßigen Sitzung an diesem Freitag ist das nicht zu erwarten. Viel eher werden die Ölminister sich auf die Schulter klopfen und dafür loben, dass ihr Plan wohl aufgegangen ist.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zur Erinnerung: Das Erdölkartell legt zweimal im Jahr fest, wie viel Öl es produzieren wird. Wohlgemerkt nicht, wie viel es tatsächlich produzieren kann. Dadurch kann es direkt den Preis beeinflussen: Lassen sie die Menge sinken, steigt der Preis in die Höhe. Steigt dagegen die Förderung, sinkt zwangsläufig der Preis. Doch der Preis darf auch nicht zu hoch sein, da sich sonst alternative Fördermethoden – zwei Stichwörter lauten Fracking und Ölsande – durchsetzen. Ist er dagegen zu niedrig, verdienen die Länder nicht genug, um ihre aus dem Öleinnahmen finanzierten Staatshaushalte stabil zu halten.

          Es ist eine illustre Runde aus Scheichs, amerikafeindlichen Sozialisten, Diktatoren und demokratisch gewählten Ministern, die sich zweimal im Jahr in Wien trifft. Dort, in der Opec-Zentrale, feilschen die verantwortlichen Ölminister dann um die richtige Fördermenge. Es ist ein Ritual, welches nur schwer vorstellbar ist in einer modernen Marktwirtschaft.

          Fördermenge auf dem höchsten Niveau seit drei Jahren

          Ihr Plan war und ist einfach: Das pragmatisch veranlagte Opec-Quartett, bestehend aus Saudi-Arabien, Kuweit, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Qatar, fördert massiv günstiges Öl, da seine Speicherstätten vergleichsweise einfach und günstig zu erschließen sind. Die Länder haben seit geraumer Zeit ihre Ölproduktion daher stark angezogen, um die Marktanteile zu verteidigen.

          Da konnten die Produzenten in den Vereinigten Staaten nicht mehr mithalten. Die Zahl der aktiven Bohrlöcher fiel von mehr als 1600 im vergangenen Oktober auf nur 646 in der vorigen Woche. Das entspricht dem 25. Wochenrückgang nacheinander. Mittlerweile stagniert daher auch die Produktion in Übersee, wenn auch auf einem hohen Niveau.

          Opec-Zentrale in Wien
          Opec-Zentrale in Wien : Bild: dpa

          Der Preis für Öl ist auch deswegen seit dem Tief Mitte Januar mit nur 45 Dollar wieder um 50 Prozent gestiegen, aktuell notiert ein Barrel (rund 159 Liter) der Sorte Brent bei etwa 64 Dollar. Da die Taktik offenbar funktioniert hat, ist nicht davon auszugehen, dass die Opec sie ändern wird, im Gegenteil. So hat nach Informationen von Reuters und Bloomberg die Produktion im Mai sogar noch mehr zugelegt. Reuters spricht von 31,22 Millionen Barrel, Bloomberg von 31,58 Millionen Barrel. Das dürfte das höchste Niveau seit knapp drei Jahren sein und damit auch deutlich über dem avisierten Zielwert von rund 30 Millionen Barrel am Tag liegen. Die Internationale Energieagentur IEA schätzt den Bedarf nach Öl dagegen nur auf 29,2 Millionen Barrel.

          Das zeigt auch das Problem der Opec, die mittlerweile trotz allem an Macht verloren hat. Die einflussreiche Vierer-Clique bestimmt den Kurs. Die anderen Länder sind damit unzufrieden und fördern einfach mehr oder weniger nach Gutdünken. So lässt sich keine einheitliche Kartellpolitik betreiben, weswegen jedes Land vor allem sein eigenes Süppchen kocht. Da man sich sowieso nicht einigen kann, wird wohl auch die Fördermenge beibehalten werden. Das deckt sich auch mit den Aussagen des saudischen Ölministers al-Naimi.

          Er geht von einer stärkeren Nachfrage aus, gleichzeitig würde das Angebot auf dem Ölmarkt weniger stark steigen – die Strategie scheint also aufzugehen. Damit deutet al-Naimi auch an, dass das Produktionsziel beibehalten wird. Allerdings weist er auch darauf hin, dass es eine Zeitlang brauchen werde, bis das Überangebot abgearbeitet sei – der aktuelle Preis basiere auf Erwartungen.

          Iranisches Öl könnte auf den Weltmarkt zurückkehren

          Neben der Frage der Förderung dürfte auch die Rückkehr von iranischem Öl auf dem Weltmarkt zur Diskussion stehen. Denn es besteht zumindest die Möglichkeit, dass die Sanktionen gegen die islamische Republik gelockert oder sogar aufgehoben werden. Damit wäre in der zweiten Jahreshälfte noch mehr Erdöl verfügbar. Wie der weitere Anstieg der Opec-Produktion – und damit ein Fall der Ölpreise – verhindert werden soll, ist noch unklar. Ebenso, ob darüber eine Entscheidung gefällt wird.

          Laut den Rohstoff-Analysten der Commerzbank ist eine rasche Rückkehr der iranischen Ölproduktion auf das Niveau vor Inkrafttreten der Sanktionen zwar unwahrscheinlich, stellt aber zumindest ein weiteres Abwärtsrisiko für den Ölpreis dar. Doch auch in diesem Fall versuchte al-Naimi, Sorgen zu zerstreuen. Er gehe nicht davon aus, dass das die Förderpolitik ändern werde. Doch ob sich der Iran daran hält oder sich gegen die Konkurrenz aus Saudi-Arabien und dem Irak stellt und die Quoten ignoriert, ist noch offen.

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