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Opec : Ringen um höhere Ölförderung

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Aussicht auf eine größere Opec-Förderleistung bremst den Ölpreisanstieg. Doch bisher steht die Menge der Ausweitung noch nicht fest - denn es geht um den Profit der Opec-Länder. Derweil setzen Finanzanleger so stark auf steigende Preise wie nie.

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          Die Aussicht auf eine erhöhte Ölförderung der Opec-Mitgliedsländer bremst den Anstieg des Rohölpreises. Die Mitglieder der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) diskutieren noch, wie stark sie die Fördermenge konkret ausweiten. Der Ölminister des Opec-Mitgliedslandes Kuweit, Ahmad al Abdullah Al Sabah, sagte am Dienstag, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Doch Ölfachleute wie Olivier Jakob vom Researchhaus Petromatrix sagen: „Es ist wahrscheinlich, dass auch Kuweit und die Vereinigten Arabischen Emirate dem Beispiel Saudi-Arabiens folgen und die Produktionsmenge ausweiten, um den Rückgang der libyschen Rohölproduktion auszugleichen.“

          Zu Wochenbeginn war der Preis für Öl der Nordsee-Sorte Brent noch auf bis zu 118 Dollar je Barrel (ein Barrel entspricht 159 Liter) gestiegen. Am Dienstag musste für Brentöl 113 Dollar gezahlt werden, für amerikanisches WTI-Öl waren es 104 Dollar. Die Entscheidungen der Opec sind für den Ölmarkt bedeutsam, weil die Organisation für 40 Prozent der täglichen Fördermenge sorgt und über 75 Prozent der Reserven auf der Welt verfügt. Der größte Opec-Produzent, Saudi-Arabien, hatte nach Ausbruch der Unruhen in Libyen seine Fördermenge um rund eine Million Barrel Öl am Tag gesteigert, nachdem die Ölexporte Libyens stark gesunken waren. Libyen förderte vor der Krise rund 1,6 Millionen Barrel Öl am Tag, eine Million davon wurde exportiert. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur ist die libysche Produktion mittlerweile um rund eine Million Barrel am Tag gesunken.

          Industrieländern Entgegenkommen signalisieren

          Die Opec-Mitglieder sind sich auch deshalb nicht darüber einig, wie stark sie ihre Förderung erhöhen sollen, weil viele Länder schon vor Ausbruch der Krise mehr Öl geliefert hatten, als es ihren festgelegten Förderquoten entsprach. Zudem profitieren sie von den hohen Preisen. Saudi-Arabien hatte relativ schnell reagiert, andere Länder wie Iran lehnen eine Steigerung der Ölmenge mit Blick auf Libyen aber ab.

          Die Opec versucht mit der geplanten Ausweitung der Öl-Fördermengen den Rückgang der libyschen Produktion abzufangen und den Industrienationen Entgegenkommen zu signalisieren

          Innerhalb der Opec gibt es Erwägungen für eine Sondersitzung. Das nächste offizielle Opec-Treffen ist für den 8. Juni geplant. „Jetzt ein Sondertreffen einzuberufen dürfte aus politischen Gründen schwierig sein“, sagt Ölfachmann Jakob. „Man kann Libyen als Opec-Mitglied nicht ausschließen, will das Regime in diesen Zeiten aber auch nicht aufwerten.“ Daher könnte eine schrittweise Ausweitung der Fördermenge eine elegante Lösung sein – kein Treffen veranstalten, gleichzeitig aber den Industrieländern in Zeiten rasant steigender Energiekosten ein Entgegenkommen signalisieren. So könnten Kuweit und die Vereinigten Arabischen Emirate in den kommenden Wochen ihre Ölfördermenge um rund 150.000 Barrel am Tag erhöhen.

          Banken erhöhen Ölpreisprognosen

          Von den Entwicklungen am Ölmarkt profitieren nicht nur die Opec-Produzenten. Zahlen der amerikanischen Terminmarktaufsicht CFTC belegen, dass Finanzanleger wie Hedge-Fonds die Ölpreise stark treiben: In der Woche bis zum 1. März haben an den amerikanischen Terminbörsen die Netto-Long-Positionen (also Wetten auf steigende Ölpreise) um 30 Prozent zugelegt. „Spekulativ orientierte Finanzanleger sind derzeit so stark engagiert wie noch nie im Ölmarkt“, sagt Petromatrix-Analyst Jakob. Auch in einem Marktbericht der Commerzbank heißt es, dass Finanzanleger seit Beginn der Unruhen in Libyen „ihre Netto-Long-Positionen bei Rohöl massiv ausgeweitet und damit zum Preisanstieg maßgeblich beigetragen haben“.

          Viele Banken erhöhen derweil ihre Ölpreisprognosen. Goldman Sachs erwartet für Brent-Öl im zweiten Quartal einen Preis von 105 Dollar je Barrel. Die Bank of America Merrill Lynch sieht den Brent-Ölpreis dieses Jahr nicht mehr bei 88 Dollar, sondern bei 108 Dollar. Fest steht, dass die Volatilität, also die Schwankungsbreite, am Ölmarkt hoch bleibt. Dabei steigert das Engagement der Spekulanten die Wahrscheinlichkeit, dass die Preise in kurzer Zeit erheblich nachgeben: „Wenn sich eine Lösung in Libyen abzeichnet und die Unruhen nicht auf Saudi-Arabien übergreifen, werden die Ölpreise rapide sinken“, sagt Analyst Jakob.

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