https://www.faz.net/-gv6-8p7w6

286 Millionen Liter pro Tag : Opec kämpft um Einhaltung der Förderkürzung

Ein Arbeiter auf dem Ölfeld West-Qurna im Irak Bild: Reuters

Die Überwachung der Ölförderkürzung wird für die Opec zur Herausforderung. Einige Länder nutzen Schlupflöcher, um scheinbar ihren Beitrag zu leisten. Vor allem am Irak gibt es Zweifel.

          An diesem Freitag trifft sich in Abu Dhabi zum ersten Mal das „Opec Monitoring Committee“, das die Ende vorigen Jahres beschlossene Ölförderkürzung um fast 1,8 Millionen Fass zu 159 Litern am Tag überwachen soll. Dem Gremium gehören neben Vertretern von drei Staaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), nämlich Venezuela, Algerien und Kuweit, auch Vertreter von zwei Nicht-Opec-Mitgliedern an, nämlich Russland und Oman.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Treffen wird auch deshalb von Ölfachleuten mit Interesse verfolgt, weil es nach wie vor erhebliche Zweifel daran gibt, ob sich tatsächlich alle Staaten an das Abkommen halten werden. Zugleich sorgten in den vergangenen Tagen Zahlen aus Amerika für Aufmerksamkeit, die darauf hindeuten, dass Amerikas Ölindustrie eine mögliche Zurückhaltung der Opec-Staaten bei der Förderung zum Ausbau seines eigenen Marktanteils nutzen könnte.

          Auffällig war in dieser Hinsicht die Entwicklung des Ölpreises zu Beginn dieser Woche. Am Montag ist der Preis der Nordseesorte Brent um immerhin gut 3,5 Prozent je Fass gefallen. Am Dienstag sank der Preis sogar noch weiter, unter 55 Dollar. Der Rückgang zum Wochenstart wurde sowohl mit überraschenden Zahlen aus Amerika erklärt als auch mit Skepsis hinsichtlich der Einhaltung der Förderkürzung.

          BRENT

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Vor allem, ob der Irak sich an die Vereinbarung halten wird, daran gibt es unter Ölfachleuten Zweifel. Die Ölexporte des Landes von seinen südlichen Häfen im Golf aus haben im Dezember einen Rekord erreicht. Diese Ströme vom Irak aus könnten das erste Zeichen sein für einen Bruch in der Vertragstreue der Opec, meinte Bob Yawger von Mizuho Securities in New York.

          Jan Edelmann, Ölanalyst der HSH Nordbank, erinnerte daran, dass, der Irak ursprünglich gar nicht mitmachen wollte und um eine Ausnahme von der Förderkürzung gebeten hatte, um aus dem Öl Einnahmen für die Bekämpfung der Terrormiliz des sogenannten „Islamischen Staates“ zu erzielen. „Dann war aber die Aussicht eines steigendes Ölpreises für den Irak doch offenbar attraktiv genug, um bei der Vereinbarung mitzumachen“, sagte Edelmann. Da die Opec aber außer einer gewissen Verschärfung des Tons in der Kommunikation kaum Sanktionsmechanismen habe, sei der Anreiz für jedes Land groß, zunächst seine Teilnahme an der Förderkürzung zuzusagen, sich anschließend aber nicht daran zu halten.

          Mit Tricks zur erlaubten Fördermenge

          Die Regelung gilt seit dem 1. Januar und soll nur sechs Monate gelten. Das öffnet Schlupflöcher. Einige Länder nutzten ohnehin vorhandene saisonale Schwankungen in der Ölförderung, um scheinbar ihren Beitrag zur Förderkürzung zu leisten, sagte Edelmann. In Russland sei durch die große Kälte derzeit die Förderung ohnehin beeinträchtigt. Auch Saudi-Arabien gelinge es offenbar, saisonale Schwankungen so zu terminieren, dass geringere Fördermengen in diesen Zeitraum fielen. Einen Trick habe die Opec zudem angewandt, indem sie die Mitgliedschaft Indonesiens für einige Zeit ruhen lasse – und so dessen Fördermenge automatisch aus der Zählung falle.

          Aus Amerika wurde unterdessen eine Zunahme der Öl-Bohranlagen („Rigs“) vermeldet. Der Erdöl-Dienstleister Baker Hughes ermittelte zuletzt 529 Rigs, das ist der höchste Stand seit Anfang 2016. Seit Ende September hat diese Zahl um mehr als 100 zugenommen. Der höhere Ölpreis durch die Opec-Einigung scheint die Amerikaner also anzuspornen, ihre Förderung auszuweiten. Die HSH Nordbank jedenfalls rechnet bis Ende des ersten Quartals mit einem Ölpreis von 52 Dollar, zum Halbjahr mit 50 Dollar – also noch mal gut 5 Dollar weniger als derzeit.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Verschrotter“ gegen „Planierraupe“: Renzi am Dienstag im italienischen Senat

          Regierungskrise in Italien : Im Land der wilden Matteos

          Italiens früherer Ministerpräsident Renzi wittert in der Regierungskrise die Gelegenheit für ein Comeback – und versucht nun, die Neuwahlpläne seines Erzfeindes Salvini zu durchkreuzen. Der Publizist Massimiliano Lenzi prophezeit einen „langen Krieg der Matteos“.
          Für ein geeintes Deutschland: Demonstranten bei der Montagsdemonstration am 12. März 1990 in Leipzig

          Vor Wahlen in Ostdeutschland : Warum wir das „Labor Sachsen“ im Blick haben sollten

          Die Erfahrung mit tiefgreifenden Brüchen und Strukturwandel ist eine Ressource, die immer wichtiger wird. Die Sachsen mit ihren gebrochenen Biographien haben – wie andere Ostdeutsche auch – an dem Punkt mehr einzubringen als nur eine für viele beunruhigende Parteienlandschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.