https://www.faz.net/-gv6-6wjdx

Online-Währungshandel : Devisenhandel für Kleinanleger wird populärer

Devisenhandel rund um die Uhr: Auf Plattformen im Internet handeln auch Privatanleger mit Währungen Bild: dapd

Immer mehr Privatanleger spekulieren online mit Devisen. Der zweite große amerikanische Anbieter Gain Capital kommt jetzt nach Deutschland.

          Deutsche Kleinanleger handeln angesichts der Euro-Krise zunehmend selbst mit Devisen über das Internet. "Ich schätze, dass das Handelsvolumen in Deutschland im vergangenen Jahr um rund 50 Prozent gestiegen ist", sagt Torsten Gellert, der Deutschland-Geschäftsführer des großen amerikanischen Online-Devisenhändlers FXCM. Daher sehen führende amerikanische Anbieter des Devisenhandels im Internet Deutschland weiterhin als Wachstumsmarkt an. Nach FXCM - schon seit fast zwei Jahren in Deutschland präsent - zieht nun auch der Konkurrent Gain Capital nach. Nach Informationen dieser Zeitung will Gain noch im Januar mit einer deutschsprachigen Version seiner Internetseite Forex.com starten.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der Online-Währungshandel ist in den vergangenen Jahren unter spekulativ orientierten Privatanlegern auf der ganzen Welt populärer geworden. Die beiden führenden amerikanischen Anbieter FXCM und Gain waren angesichts der Wachstumswelle zum Jahresende 2010 an die New Yorker Börse gegangen. Ihre Aktienkurse sind angesichts verschärfter Regulierung und gerichtlicher Auseinandersetzungen in den vergangenen zwölf Monaten aber jeweils um rund 30 Prozent gefallen.

          Wachstumstrend intakt

          Der globale Wachstumstrend scheint jedoch weiterhin intakt. Nach einer Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) entfielen im Jahr 2010 schätzungsweise 8 bis 10 Prozent des weltweiten Handelsvolumens im Kassa-Devisenhandel auf Privatanleger. Das entspricht einem Handelsvolumen von 125 bis 150 Milliarden Dollar je Tag. "Der Handel von Haushalten und kleinen Institutionen ist enorm gewachsen", schrieb Ökonom Michael King in der im Dezember 2010 veröffentlichten Studie.

          Insgesamt belief sich das globale Handelsvolumen mit Devisen nach Angaben der BIZ auf durchschnittlich 4 Billionen Dollar täglich - 20 Prozent mehr als drei Jahre zuvor. Nach Berechnungen der Analysegesellschaft Aite Group hat sich die Zahl der Privatanleger auf der Welt von 2005 bis 2010 mehr als versechsfacht. 8,3 Millionen Anleger handeln mit Währungen. Die Hälfte davon sitzt in Asien. Die Vereinigten Staaten sind mit 450 000 Anlegern vergleichsweise ein Entwicklungsland. "Devisenhandel war Amerikanern fremd, weil sie nur Dollar kannten", sagt Glenn Stevens, Vorstandschef von Gain Capital.

          Jahrelang hatten sich zudem nur große Finanzinstitutionen und vermögende Privatanleger im riesigen Devisenmarkt engagiert. Die Zahl der Kleinanleger ist erst mit dem Siegeszug des Internets gewachsen. Den Zugang zu den Devisenmärkten ermöglichten in den Vereinigten Staaten nicht nur Firmen wie FXCM und Gain Capital, die beide im Jahr 1999 gegründet wurden, sondern auch die Deutsche Bank mit ihrer Plattform dbFX. Die Deutsche Bank wollte ihre Expertise als eines der führenden Institute im institutionellen Devisenhandel auch für das Geschäft mit Privatkunden nutzen und hatte im Jahr 2006 die Handelsplattform gestartet. Im April des vergangenen Jahres wurde dbFX aber an Gain Capital verkauft.

          Die meisten Kunden verlieren Geld

          Die Kunden werden mit niedrigen Transaktionskosten, Handel rund um die Uhr und einem Bündel von Werkzeugen für die Marktanalyse sowie mit Berichten von Fachleuten gelockt. Überdies können sie Kredite nutzen, um die Rendite mit einem höheren Einsatz zu steigern - wenn die Wette aufgeht. Die meisten Kunden verlieren allerdings Geld. Das rapide Wachstum und der verlustträchtige Handel hat schon zu verschärfter Regulierung geführt. Sowohl FXCM als auch Gain legten im vergangenen Jahr gegen ein Bußgeld Vorwürfe der Aufsichtsbehörden bei, ihre Kunden benachteiligt zu haben.

          Um Anleger vor hohen Verlusten zu schützen, hat die amerikanische Terminbörsenaufsicht CFTC den möglichen Verschuldungsgrad für Kunden der Online-Devisenhändler halbiert. Anleger können dennoch mit einem Kredithebel von 50 zu 1 investieren. Das ist deutlich mehr, als Privatanlegern im Aktienmarkt zugestanden wird. In amerikanischen Medien sind die Verluste von Kleinanlegern und die aggressive Werbung der Online-Devisenhändler in die Kritik geraten.

          Der Euro ist zuletzt auch in den Vereinigten Staaten wegen der Staatsschuldenkrise ein Thema für Cocktailparties geworden. Zuvor mussten die Online-Devisenhändler stärker für Aufklärungsarbeit sorgen. Einer der Gründer von Gain Capital veröffentlichte vor vier Jahren zusammen mit dem Chef-Devisenstrategen des Unternehmens einen Ratgeber für Devisenhandel in der populären Dummies-Buchreihe.

          Gehandelt werden können auf den Internetseiten der einschlägigen Anbieter nicht nur Devisen, sondern auch Produkte, die mit Währungen in Zusammenhang stehen: Rohstoffe und sogenannte Contracts for Difference (CFD). Das sind einfach strukturierte Hebelprodukte, die in Deutschland auch populär geworden sind. "Der größte Teil unseres Geschäfts ist aber der Online-Devisenhandel", sagt Gain-Vorstandschef Stevens. Den deutschen Markt bezeichnete er als "ziemlich fragmentiert". Neben FXCM tummeln sich Anbieter wie die in London börsennotierte Gesellschaft IG Markets und die dänische Saxobank auf dem Markt. CMC Markets, die wie IG Markets stark bei CFD-Produkten ist, zählt zu den Wettbewerbern. Auch der nicht börsennotierte amerikanische Konkurrent FX Dealer Direct hat einen deutschen Internetauftritt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Debakel : Jetzt wird der Brexit lästig

          Nach der Chaos-Woche in London steht die britische Regierung jetzt endgültig im Regen. Doch politisch sind viele Akteure Lichtjahre voneinander entfernt. Wie lange noch?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.