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Ölproduktion : Auf Ölsuche in ganz Afrika

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Das Londoner Konto existiert nicht mehr

Dort hatte die Weltbank eine knapp vier Milliarden Dollar teure Pipeline aus den Ölfeldern im Süden des Landes quer durch Kamerun bis an den Atlantik finanziert. Dafür verpflichtete sich die tschadische Regierung, die Öleinnahmen auf ein Konto in London einzuzahlen, das der gemeinsamen Kontrolle unterlag. 10 Prozent der Einnahmen sollten in einem „Zukunftsfonds“ angelegt werden, vier Fünftel der restlichen Einnahmen sollte Tschad nach dem Willen der Weltbank für Infrastruktur und Bildung ausgeben. Doch Präsident Idriss Déby stand der Sinn mehr nach Kalaschnikow statt nach Lehrbuch. Das Londoner Konto existiert nicht mehr. Dafür hat die tschadische Armee jetzt neue Waffen.

An der Ölsuche in Afrika beteiligen sich nicht nur die etablierten großen Ölkonzerne, sondern auch mittlere und kleinere, von den internationalen Konzernen unabhängige Unternehmen. Zu diesen Unternehmen zählt die in Irland niedergelassene Tullow Oil, die sowohl in Sierra Leone wie in Uganda „fündig“ wurde. Der Kurs der hauptsächlich in London, aber wie die nachfolgenden Unternehmen auch in Deutschland im Freiverkehr gehandelten Aktie ist daraufhin kräftig gestiegen.

Kursziel für die Aktie von 1150 auf 1500 Pence heraufgesetzt

Die Analysten der schweizerischen Großbank UBS haben ihr Kursziel für die Aktie von 1180 auf 1330 Pence (aktueller Kurs: 1199 Pence) erhöht und ihre Kaufempfehlung bekräftigt. Das Londoner Maklerhaus Panmure Gordon hat ebenfalls seine Kaufempfehlung für Tullow Oil bestätigt und das Unternehmen als einen seiner Favoriten unter den konzernunabhängigen Ölförderern bezeichnet und ihr Kursziel für die Aktie von 1150 auf 1500 Pence heraufgesetzt.

„Wir glauben, dass bei einer konservativen Einschätzung der Reserven Tullow über Aktiva im Werte von annähernd 850 Pence je Aktie besitzt“, heißt es in einer Analyse von Panmure Gordon. „Die gegenwärtige Suche könnte bedeutsame Reserven und damit Wert hinzufügen.“ Neue Ölquellen dürften in den kommenden Monaten den Unternehmenswert um höchstens 2000 Pence steigern. Wenn man sehr konservativ annehme, dass sich aber nur rund ein Drittel dieser Quellen rentabel ausbeuten ließen, komme man zu einem fairen Wert der Aktie von annähernd 1500 Pence. Tullow ist derzeit in 22 Ländern auf vier Kontinenten tätig und kommt auf einen Börsenwert von rund 11 Milliarden Euro.

„Gut positioniert mit einem langfristigen Produktionswachstum“

Etwa den doppelten Börsenwert erzielt Woodside Petroleum, der größte börsennotierte australische Förderer von Öl und Gas. Woodside ist auf fünf Kontinenten tätig und zählt zu dem Konsortium, das im Meer vor Sierra Leone Öl entdeckte. Ölförderung in Afrika und im Mittleren Osten hat sich das mit einem Börsenwert von 1,7 Milliarden Euro deutlich kleinere Unternehmen Heritage Oil auf seine Fahnen geschrieben. Heritage hat angekündigt, sich mit dem etwa gleich großen türkischen Ölförderer Genel Energy International zusammenschließen zu wollen. Das Londoner Maklerhaus Cazenove hat sich kürzlich positiv zu der Aktie von Heritage Oil geäußert.

Kräftig zugelegt hat auch der Kurs der texanischen Anadarko Petroleum, deren Börsenwert nunmehr rund 22 Milliarden Euro beträgt. Das Wertpapierhaus RBC Capital Markets sieht in dem westafrikanischen Ölfund eine Bestätigung seiner Ansicht, dass Anadarko „gut positioniert mit einem langfristigen Produktionswachstum und einem sinnvollen Bestand an Förderprojekten“ sei. Die Aktie gehört dem S & P-500-Aktienindex an.

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