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Ölproduktion : Auf Ölsuche in ganz Afrika

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Zudem wird gegenwärtig in Madagaskar nach Öl gebohrt, vor den Seychellen und in Kenia. In Moçambique werden ebenfalls große Vorräte vermutet. Eine besonders mutige Firma, die australische Range Resources, hat sich Konzessionen in der halbautonomen somalischen Region Puntland gesichert und mitten in der Piratenhochburg Bosasso ein Büro eröffnet. Gerüchten zufolge sollen vor der Küste Somalias riesige Ölfelder liegen. In Tansania wiederum wurden ebenso Gasfelder entdeckt wie in Äthiopien. Alleine dort sollen die Reserven 100 Millionen Kubikmeter betragen.

Immense Herausforderungen beim Transport

Die Gasfunde wiederum haben die Ölsuche befeuert. Dass sich die Fundstätten in der Region Ogaden befinden, in der sich die äthiopische Armee seit Jahr und Tag einen Abnutzungskrieg mit einer aus Somaliern bestehenden Rebellengruppe liefert, scheint kein Hindernis zu sein. Im vergangenen Jahr kamen bei einem Überfall auf ein Lager von Ölsuchern 74 Menschen ums Leben, darunter zahlreiche chinesische Arbeiter. Abstand von der gefährlichen Arbeit aber hat keine der beteiligten Firmen, darunter die schwedische Lundin Petroleum, genommen.

Doch die entlegenen Fundstellen stellen die Unternehmen vor immense Herausforderungen beim Transport. Sudan fördert bescheidene 490.000 Barrel täglich, weil die Transportkapazitäten entweder nicht vorhanden oder schlicht zu teuer sind angesichts des gegenwärtigen Ölpreises. Damit relativieren sich auch die Funde im Albertsee. Die von Tullow für die kommenden Jahre prognostizierte Fördermenge von 100.000 bis 150.000 Barrel täglich hängt davon ab, ob der Ölpreis beständig über 80 Dollar je Barrel bleiben wird. Nur dann wäre eine 1800 Kilometer lange und vermutlich 1,5 Milliarden Dollar teure Pipeline von Uganda bis in den kenianischen Seehafen Mombasa wirtschaftlich sinnvoll. Der ugandische Markt allein ist zu klein für solche Mengen. Vorerst, so Tullow, wolle man 6000 Barrel täglich fördern und diese zu Kerosin verarbeiten, das zum Kochen benutzt wird.

Die Euphorie über den Geldsegen mischt sich mit Skepsis

Dort, wo Öl weitaus leichter zu fördern und zu transportieren ist wie etwa vor der ghanaischen Küste, rechnen sich die Regierungen die Zukunft ebenfalls mit allzu optimistischen Prognosen schön. Nach Schätzungen der südafrikanischen Standard Bank könnte das gegenwärtige ghanaische Wirtschaftswachstum durch die Öleinnahmen von durchschnittlich 5 Prozent auf über 20 Prozent steigen - vorausgesetzt, der Ölpreis liegt beständig bei mehr als 100 Dollar für ein Fass. Das tut er bisher allerdings nur selten. Der ehemalige ghanaische Außenminister Nana Akufo-Addo rechnet trotzdem mit Einnahmen von 15 Milliarden Dollar in den ersten fünf Jahren der Förderung - viel Geld für ein Land, dessen größte Einnahmequelle bislang die Entwicklungshilfe war.

Das ist ein Grund, warum sich in die Euphorie über den Geldsegen Skepsis mischt, ob die Einnahmen den durchweg bitterarmen Bevölkerungen zugutekommen werden. Alleine in Nigeria, dem nach Angola zweitgrößten Förderer des Kontinents, sollen über die Jahre mehr als 400 Milliarden Dollar aus Öleinkünften unterschlagen worden sein. In Kongo-Brazzaville, Gabun, Äquatorialguinea und Angola fällt der Befund ähnlich aus. Und ob sich die wohlgemeinten Ratschläge an die neuen Ölnationen durchsetzen werden, das Geld in „Zukunftsfonds“ nach dem Vorbild Norwegens zu investieren, um auch künftigen Generationen Wohlstand zu sichern, bleibt fraglich. Tschad ist dafür ein beredtes Beispiel.

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