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Konjunkturprogramm für Europa : Die gute Ölkrise

Bild: © Kirsten Ulve/Corbis

Vor 40 Jahren beendete ein dramatischer Anstieg des Ölpreises das Wirtschaftswunder. Jetzt wird Öl billig wie lange nicht. Und die Welt freut sich.

          Zwei der wichtigsten Stellgrößen der von Amerika geprägten westlichen Welt entwickeln sich im Augenblick auffällig anders als in der Vergangenheit: das Öl und der Dollar. Das Öl, unter dessen hohem Preis die Welt lange gelitten hatte, wird billiger und billiger. Und der Dollar, der lange Zeit mit einer chronischen Wechselkursschwäche zu kämpfen hatte, wird stärker und stärker. Seit Jahresbeginn hat der Ölpreis (in Dollar gerechnet) rund 40 Prozent verloren. Und der Kurs des Dollar gegenüber dem Euro hat um stolze elf Prozent zugelegt.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das kann erhebliche geopolitische Auswirkungen haben – und Folgen für die gesamte Weltwirtschaft. Man erinnere sich: Eine andere schlagartige Veränderung des Ölpreises (damals ein Anstieg) hatte in den Siebziger Jahren die Weltwirtschaft in ihren Grundfesten erschüttert. Das veränderte sogar das Denken über die Welt: Auf einmal gab es autofreie Sonntage, an denen man auf der Autobahn spazieren gehen konnte. Und es erschienen Bücher wie „Grenzen des Wachstums“, die eine globale grüne Bewegung für einen bewussteren Umgang mit den natürlichen Ressourcen der Erde nach sich zogen.

          Seit den siebziger Jahren hat sich in der Welt viel verändert

          Zugleich gab es etwas, das Ökonomen einen „Angebotsschock“ nennen. Überall auf der Welt kamen Unternehmen, die für ihre Produktion mit einem anderen Ölpreis kalkuliert hatten, in erhebliche Schwierigkeiten. Die Produktionsbedingungen verschlechterten sich in einem Tempo, das viele Unternehmen überforderte: Es gab viele Entlassungen und Pleiten. Länder wie Deutschland lernten ein unangenehmes Phänomen kennen – die Stagflation: Eine Phase wirtschaftlicher Bewegungslosigkeit, die dazu auch noch von einer hässlichen Inflation begleitet wurde. Die Ökonomen jener Zeit sprachen davon, die sogenannte „Phillips-Kurve“ habe sich verschoben, der Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Mit dem Ergebnis, dass man auf einmal mit beidem zu kämpfen hatte.

          Gibt es jetzt wieder so eine Zeitenwende – diesmal zu unseren Gunsten? Sorgt das billige Öl dafür, dass sich überall auf der Welt die Produktionsbedingungen verbessern und die Menschen Arbeit und Wohlstand finden? Das wäre wünschenswert – und allzu schnell sollte man diese Hoffnung nicht fahrenlassen. Auch wenn Dennis Snower, der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, die Euphorie etwas dämpft. Und zwar vor allem mit einem Argument: Seit den siebziger Jahren hat sich in der Welt viel verändert. „Unter anderem produzieren wir längst nicht mehr so energieintensiv.“ Eins zu eins könne man die Ereignisse von damals deshalb nicht übertragen: Der Verfall des Ölpreises heute wird weniger Auswirkungen haben als der dramatische Preisanstieg damals.

          Wie hoch ist der Wachstumsimpuls?

          Trotz solcher Einwände ist unübersehbar: Firmen können billiger produzieren, Autofahrer günstiger tanken – so viel Freude hat uns das Öl lange nicht mehr gemacht.

          Aber wie ist es überhaupt dazu gekommen? Das zusätzliche Angebot durch „Fracking“ (eine unkonventionelle Bergbaumethode zur Förderung von Gas und Öl aus Gesteinsschichten) ist ein Grund für den niedrigen Ölpreis. Ein anderer ist die Uneinigkeit des Ölpreiskartells Opec über eine künstliche Verknappung des Rohstoffs. Aber auch die unterdurchschnittliche Nachfrage nach Öl aufgrund der verhaltenen Weltkonjunktur spielt für den Preisverfall eine Rolle.

          Der starke Dollar hingegen hängt in erster Linie mit der Geldpolitik zusammen: In Amerika erwarten die Leute steigende Zinsen, in Europa dagegen weiter niedrige Zinsen. Das zieht Anlagegelder in den Dollarraum und lässt den Wechselkurs steigen. Zudem läuft die Wirtschaft in Amerika schon wieder deutlich besser, auch das treibt den Dollarkurs in die Höhe.

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