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Nach neuen OPEC-Daten : Ölpreis auf tiefstem Stand seit 2009

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Der Preisrutsch am Ölmarkt ist noch nicht zu Ende. Autofahrer und Heizölkunden dürfen sich freuen. Bild: dpa

Der Ölpreis ist nach neuen OPEC-Fördermengedaten auf mehrjährige Tiefstände gefallen. Unter dem Druck der anhaltend niedrigen Ölpreise treten nun große Energiekonzerne bei den Ausgaben auf die Bremse.

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          Die Ölpreise führen ihre Talfahrt der vergangenen Handelstage fort und sind nach Zahlen zur aktuellen Fördermenge der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) erneut auf mehrjährige Tiefstände gefallen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent sank am Freitagmorgen bis auf 39,38 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Februar 2009. Zuletzt war der Preis mit sechs Cent nur geringfügig höher. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI hatte bereits am Vorabend mit 36,38 Dollar den tiefsten Stand seit 2009 erreicht. Zuletzt lag er 12 Cent darüber bei 36,50 Dollar.

          Am Donnerstag hatte die Opec bekannt gegeben, dass ihre Fördermenge das höchste Niveau seit über drei Jahren erreicht habe. Laut dem aktuellen Monatsbericht hatten die Mitgliedsstaaten des Kartells im November durchschnittlich rund 31,7 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag gefördert. Die Fördermenge habe um 230 000 Barrel pro Tag zugelegt. Damit wurde das höchste Niveau seit April 2012 erreicht.

          Die jüngste Talfahrt der Ölpreise hatte eingesetzt, nachdem die Opec ihre Förderpolitik in der vergangenen Woche vorerst nicht verändert hatte. Das Ölkartell hatte sich abermals nicht auf eine Kürzung oder Deckelung der Produktion einigen können, obwohl dies von einigen Mitgliedsländern gefordert wurde. Unter dem Druck der anhaltend niedrigen Ölpreise treten nun große Energiekonzerne bei den Ausgaben auf die Bremse. ConocoPhillips aus den Vereinigten Staaten kündigte am Donnerstag an, die Investitionen 2016 um ein Viertel zurückzufahren.

          Der heimische Rivale Chevron hatte zuvor Kürzungen im ähnlichen Volumen angekündigt. Der britisch-niederländische Konkurrent Royal Dutch Shell  stellt derweil sein Engagement in Neuseeland auf den Prüfstand. Die Energiebranche leidet unter einem weltweite Überangebot an Öl. Der Preis für den Rohstoff ist seit Juni 2014 um mehr als 60 Prozent gefallen. Experten schätzen, dass die Ausgaben der Branche für die Ölförderung und die Erkundung von Feldern 2016 weltweit um elf Prozent sinkt. Chevron-Chef John Watson sagte, 2016 sollten für Investitionen weltweit noch 26,6 Milliarden Dollar in die Hand genommen werden. Das entspricht einem Minus von 24 Prozent. ConocoPhillips peilt nach der Kürzung noch 7,7 Milliarden Dollar an.

          Ein Großteil davon solle für Schiefergasfelder in Amerika ausgegeben werden, hieß es. Zudem wolle sich der Konzern 2016 auch von Unternehmensteilen im Wert von 1,7 Milliarden Dollar trennen, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Shell erklärte, Neuseeland sei nur ein kleiner Teil des Geschäfts. Das Unternehmen ist seit 100 Jahren in Neuseeland tätig. Viele Energiekonzerne setzten bereits in diesem Jahr den Rotstift an. Analysten des Investment-Beraters Evercore ISI zufolge wurden die Investitionen branchenweit um 20 Prozent heruntergefahren.

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