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Energieträger : Vor dem Opec-Treffen schwankt der Ölpreis

Noch keine Nacht fürs Erdöl. Bild: dpa

Am Mittwoch trifft sich die Opec in Wien. Saudi-Arabien deutet an: Mit einem Trump-Aufschwung könnte eine Kürzung der Fördermenge unnötig sein.

          Es ist das wichtigste Ereignis für die Finanzmärkte in dieser Woche, neben den Abstimmungen in Italien und Österreich am kommenden Wochenende, schreibt das Bankhaus Metzler in seinem täglichen Marktbericht: Insbesondere für die Inflationsaussichten für das kommende Jahr sei das Treffen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) am Mittwoch in Wien von einiger Relevanz.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Opec will auf diesem Treffen das Abkommen über eine weltweite Ölförderkürzung, auf das die Länder sich im Prinzip im September in Algier überraschend verständigt hatten, nun konkretisieren und Förderquoten für die einzelnen Länder vorstellen. Die Frage ist dabei: Wird eine solche Verständigung zustande kommen? Und wenn ja: Halten sich die Staaten daran? Und, nicht zuletzt, treibt das den Ölpreis nach oben?

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          Zuletzt gab es daran viele Zweifel. In den vergangenen Tagen war der Ölpreis sogar zum Teil rückläufig, was vor solchen Treffen eher ungewöhnlich ist. Die Nordseesorte Brent stand mit ihrem Preis am Montag zeitweise rund 2 Prozent im Minus, bevor es eine Gegenbewegung ins Plus auf rund 48,38 Dollar je Fass (159 Liter) gab – nachdem der Preis am Freitag um 3,6 Prozent gefallen war. Für Aufsehen sorgte der Energieminister von Saudi-Arabien, Khalid Al-Falih. Er sagte, eine Kürzung der Fördermenge sei womöglich gar nicht mehr notwendig – weil die Weltwirtschaft im nächsten Jahr anziehen und die Ölnachfrage deshalb steigen werde.

          Hintergrund ist offenbar die Spekulation, der neue amerikanische Präsident Donald Trump könnte mit seinem Milliarden-Ausgabenprogramm einen Impuls zur Ankurbelung der amerikanischen Wirtschaft geben – und auf diese Weise auch die Weltwirtschaft stimulieren und die Ölnachfrage beflügeln, wie Jan Edelmann sagt, Ölanalyst der HSH Nordbank. Trumps „America first“ könnte dann ausgerechnet den Opec-Staaten nützen.

          Gerade von Saudi-Arabien als wichtigstem Opec-Land dürfte bei den Gesprächen über die Begrenzung der Fördermengen schließlich einiges abhängen. Zuletzt hieß es, das Land habe möglicherweise mehr Interesse an einer Verständigung über Förderquoten als früher, weil es seine Öl-Fördergesellschaft Saudi Aramco an die Börse bringen wolle. Dabei müsse es einen möglichst hohen Erlös erzielen, um Geld für den Umbau seiner Wirtschaft zu haben, der das Land für die Zukunft weniger abhängig vom Öl machen soll.

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          Wenn jetzt jedoch Trump für eine veränderte Ölpolitik in den Vereinigten Staaten sorgen sollte und die Ölförderung in Amerika zusätzlich ankurbelt – dann könnte das auch Saudi-Arabien wieder unter Druck bringen, sich mit Hilfe einer höheren eigenen Ölförderung gegen die Konkurrenz aus Amerika zu wehren.

          Wegen des Überangebots ist der Ölpreis seit Mitte 2014 stark gefallen. In Algier hatten sich die Opec-Länder deshalb darauf verständigt, die tägliche Förderung auf 32,5 bis 33 Millionen Fass zu senken. Es wäre die erste Drosselung seit 2008. Offen gelassen wurde damals allerdings, wie sich die Förderkürzung auf die einzelnen Länder verteilen soll. Dabei ist das natürlich die alles entscheidende Frage.

          Zwischenzeitlich gab es Hinweise, die nahelegten, eine Einigung könnte in Sicht sein. So hatte Saudi-Arabien mal signalisiert, man könne einen wichtigsten Teil der Förderkürzung übernehmen. Es gab auch Berichte, Iran sei angeboten worden, die Produktion bei 3,92 Millionen Fass je Tag zu belassen. Dies wäre etwa die Fördermenge, die Iran zuletzt gefordert hatte.

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          Als schlechtes Zeichen für eine Verständigung der Opec-Länder wurde hingegen gedeutet, dass Saudi-Arabien ein für Montag geplantes Treffen mit Nicht-Opec-Ländern absagte. Die Ölminister von Algerien und Venezuela sollten daraufhin nun allein nach Moskau reisen. Ziel ist es, Russland davon zu überzeugen, die Förderung nicht nur einzufrieren, sondern nach Möglichkeit auch zu kappen.

          „Wir sind noch hoffnungsvoll“, sagte ein Vertreter Libyens vor dem Beginn der Sitzung auf Beamtenebene in Wien. Andere Delegierte wurden mit Sätzen zitiert wie „Ich bin nicht sicher“ oder „Das weiß noch keiner“. Die Ölanalysten der amerikanischen Bank Morgan Stanley sagen „einen Deal zumindest auf dem Papier“ voraus. Auch die Schweizer UBS meinte, die Opec werde ein Verhandlungergebnis vorlegen, um zu verhindern, dass der Ölpreis nach dem Treffen unter 40 Dollar fällt: „Wir glauben, eine Einigung ist möglich.“

          Zwar argumentierte Eugen Weinberg, Ölfachmann der Commerzbank, es wäre durchaus eine sinnvolle Strategie für die Opec, einfach nichts zu tun und abzuwarten, bis die Nachfrage steigt, wie es Saudi-Arabien angedeutet habe. „Allerdings halte ich es für unrealistisch, dass sich die Opec nun konsequent an diese Strategie halten wird“, sagte Weinberg. Vermutlich würden die Ölstaaten der Versuchung, allein durch die entsprechende Rhetorik kurzfristig den Ölpreis nach oben zu manipulieren, nicht widerstehen können.

          Ölanalyst Jan Edelmann von der HSH Nordbank wollte nicht ausschließen, dass Saudi-Arabien sich jetzt rein taktisch vor dem Treffen skeptisch über eine Förderkürzung äußere, damit es nach dem Treffen einen um so stärkeren Überraschungseffekt gebe – und der Ölpreis steigt.

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