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Erstmals seit zwölf Jahren : Ölpreis fällt vorübergehend unter 30 Dollar

  • Aktualisiert am

Ölpumpe auf einem Ölfeld bei Taft in Kalifornien Bild: dpa

Der Preis für amerikansiches Leichtöl ist in der Nacht zum Mittwoch erstmals seit zwölf Jahren unter 30 Dollar gefallen. Und wenn demnächst die Sanktionen gegen den Iran gelockert werden, dürfte der Preis noch stärker fallen.

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          Die Abwärtstendenz am Ölmarkt hält an. Am Dienstag setzten die Weltmarktpreise für Rohöl ihren Sinkflug der vergangenen Tage fort. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Sorte WTI zur Lieferung im Februar fiel kurzzeitig sogar erstmals seit dem Dezember 2003 unter die Marke von 30 Dollar und kostete im Tief 29,93 Dollar.

          Seitdem haben sich die Preise wieder etwas erholt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet aktuell 31,59 Dollar. Am Vorabend war der Preis bis auf 30,34 Dollar gefallen.

          Druck auf den Rohölpreis kommt vor allem aus Amerika. Aufgrund der hohen Ölpreise war die Ausbeutung von eigentlich unwirtschaftlichen Vorkommen interessant geworden und die Produktionskapazität stark gestiegen. Die dort aktiven neuen Firmen müssen bei fallenden Preisen weiter produzieren, um ihre Schulden bedienen zu können und tragen so zum weiteren Preisrückgang bei. Der Druck wird dadurch verstärkt, dass das Ölkartell Opec keine Förderkürzungen zur Stabilisierung des Preises vornimmt. Mächtigen Mitgliedern wie Saudi-Arabien geht es darum, die Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten in die Knie zu zwingen.

          Rohstoffexperten unterbieten sich derzeit mit ihren Preisprognosen, weil sie ein Ende des Preisverfalls nicht absehen können. In den Analyseabteilungen werden mittlerweile Prognosen für Preise im niedrigen zweistelligen Bereich abgegeben.

          Auch Länder mit großen finanziellen Reserven wie Saudi-Arabien spüren mittlerweile die Folgen der niedrigen Ölpreise. Das zeigt sich nicht zuletzt am Markt für Kreditausfallderivate (CDS). Die Preise für die Derivate auf fünfjährige Anleihen des staatlich garantierten Unternehmens Saudi Electric und auf fünfjährige Staatsanleihen Portugals haben sich in den vergangenen Wochen angenähert. Daraus folgt, dass Saudi-Arabien mittlerweile eine ähnliche Bonitätseinschätzung genießt wie Portugal. Saudi-Arabien selbst hat keine ausstehenden Staatsanleihen. Mittlerweile erwägt Saudi-Arabien einen  Börsengang des staatlichen Ölunternehmens Saudi Aramco.

          Das hohe Angebot an Rohöl könnte noch größer werden, weil die Handelssanktionen gegenüber dem Opec-Mitglied Iran bald gelockert werden könnten.

          70 Prozent weniger seit 2014

          Wie heftig der Ölpreisverfall ist, zeigt ein längerer Vergleich: Mitte 2014 begannen die Ölpreise, ausgehend von etwa 110 Dollar, zu fallen. Seither sind sie um mehr als 70 Prozent eingebrochen. Allein in den wenigen Tagen seit Anfang 2015 beträgt das Minus 18 Prozent. In den vergangenen eineinhalb Jahren hatte sich immer wieder eine Stabilisierung abgezeichnet. Doch daraus wurde nichts, die Talfahrt setzte sich fort. Als ein Grund dafür gilt auch die in vielen Ländern nur moderat wachsende Ölnachfrage.

          Auch der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ist gefallen. Das Opec-Sekretariat meldete am Dienstag, dass der Korbpreis am Montag 27,07 Dollar pro Barrel betragen habe. Das waren 1,39 Dollar weniger als am Freitag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten des Kartells.

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