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Ölpreis : Die Angst um China lässt die Rohstoffmärkte zittern

Bohr- und Förderinsel „Mittelplate“ Bild: dpa

Nach dem Kurssturz an der chinesischen Börse zu Wochenbeginn erholt sich der Ölpreis. Das Sechsjahrestief bleibt aber weiter in Sicht.

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          Die Preise für Öl und andere Rohstoffe bleiben unter Druck. Nach einem Abrutschen des Preises für Nordseeöl der Sorte Brent um gut fünf Prozent am Montag hat sich die Notierung am Dienstag erholt und ist mit 51,05 Dollar wieder deutlich über die Marke von 50 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) gestiegen. Gleichwohl bleibt nach Ansicht von Analysten das Sechsjahrestief des Ölpreises von 45,19 Dollar in Sichtweite. Auch der Preis der amerikanischen Ölsorte WTI erholte sich am Dienstag wieder leicht auf rund 46,19 Dollar je Barrel.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seit Sommer 2014 hat sich der Ölpreis mehr als halbiert. Zugleich sind auch die Preise der meisten anderen Rohstoffe stark gesunken. Der vergangene Monat Juli könnte der schlechteste Monat für Rohstoffe seit dem Jahr 2011 gewesen sein, die Analysten der Citigroup schreiben aus Sicht der Rohstoffanleger von einem „Mittsommeralbtraum“.

          Nicht nur der Ölpreis ist weiter gesunken, auch die Preise für Gold, Platin und Kupfer sind gefallen. Der Preis von Platin ist dabei mit rund 958 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) weiterhin noch niedriger als der von Gold mit etwa 1092 Dollar, was in der Geschichte eher die Ausnahme ist. Auch Gold verliert schon seit 2011 mehr oder minder kontinuierlich an Wert. Die bevorstehende Zinserhöhung in Amerika und der Anstieg des Wechselkurses des Dollar gegenüber anderen Währungen dürfte den Niedergang des Goldpreises weiter unterstützt haben, weil die Alternativen zur Goldhaltung für institutionelle Anleger dadurch attraktiver werden.

          Iran drückt erst 2016 auf den Ölpreis

          An den Aktienmärkten ist die Rede davon, dass die sinkenden Rohstoffpreise auch Auswirkungen auf die Aktienkurse hätten; am Montag wurden zum Beispiel Kursverluste an der Wall Street von Händlern mit dem Preissturz bei Öl und Rohstoffen begründet. Dabei gibt es zwei Mechanismen: Zum einen werden sinkende Rohstoffpreise von Händlern als Zeichen für eine schwache Weltkonjunktur gewertet und gelten als schlechtes Umfeld für Unternehmen und damit deren Aktienkurse.

          Zum anderen haben sinkende Rohstoffpreise unmittelbar Auswirkungen auf die fördernden Unternehmen wie Erdölkonzerne, deren Aktien unter dem Preisrückgang leiden. Für andere Unternehmen und Verbraucher können sinkende Rohstoffpreise jedoch begünstigend wirken. „Fallende Ölpreise wirken global als Konjunkturprogramm und sorgen so, bis auf Öl-Unternehmen, für steigende Gewinne und Aktienkurse“, sagt Reinhard Pfingsten, Chief Investment Officer beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser. Die Analysten der Helaba sprechen von einem „Milliarden-Konjunkturprogramm“.

          Bild: F.A.Z.

          Als wichtigsten Grund für die schwache Entwicklung aller Rohstoffpreise nennt Analyst Frederik Kunze von der Nord LB die Sorgen der Marktteilnehmer über die weitere Entwicklung in China. „Beim Öl gibt es seit längerem ein spürbares Überangebot auf den Weltmärkten“, sagte Kunze. Dazu beigetragen hätten die vermehrte Förderung in Amerika durch das Fracking sowie die Politik der Opec, anders als früher die eigene Fördermenge als Reaktion auf das Überangebot nicht zurückzufahren.

          Viele Marktbeobachter hatten erwartet, dass mit einem sinkenden Preis die Ölförderung in Amerika mit der vergleichsweise aufwendigen Methode des Fracking zurückgehen werde. Bislang ist zwar zu beobachten, dass die Zahl der Bohrungen reduziert wird. Die Unternehmen investieren aber stattdessen in die Effizienz ihrer Förderung, so dass das Angebot von Öl aus Amerika zumindest weniger als erwartet auf den Preis reagiert hat.

          Zuletzt sorgten Nachrichten über hohe Fördermengen im Irak für Aufsehen. Zudem gab es Spekulationen, Iran könnte nach dem Ende der Sanktionen womöglich schon im November mit größeren Ölexporten für ein weiter steigendes Ölangebot sorgen. Die Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) äußerten sich allerdings skeptisch, dass Iran schon so schnell so weit sein werde. Ihrer Ansicht nach wird es eher 2016 werden, bevor die erhöhten Fördermengen Irans am Markt spürbar würden.

          Analysten reduzieren Erwartungen

          Wie der Ölpreis, so sind auch die Preise für die meisten Industriemetalle gesunken. Analysten erklären das vor allem mit der verhaltenen konjukturellen Lage der Weltwirtschaft. In Europa insgesamt sei das Wachstum bislang eher schwach, in Amerika sei der Aufschwung holprig, in China müsse man mit einer Verlangsamung des Wachstums rechnen und auch andere Schwellenländer wie Brasilien entwickelten sich nicht wie erhofft.

          Bei den Einfuhren von Öl nach China ist allerdings bislang kein besonders starker Rückgang zu beobachten, wie Nord-LB-Analyst Kunze sagt. Wenn man nicht die wertmäßige Entwicklung der Importe betrachte, bei welcher der Preisrückgang eine wichtige Rolle spielt, sondern die mengenmäßigen Veränderungen, dann sei von einer rückläufigen Nachfrage nach Öl in China bislang noch nichts zu spüren.

          Die Prognosen für die weitere Entwicklung des Ölpreises waren von vielen Analysten in den vergangenen Wochen gesenkt worden. Bei der Nord LB rechnet man jetzt mit einem Ölpreis von um die 50 Dollar für die nächsten beiden Quartale, bei der Helaba mit einem Preis in einem Band zwischen 50 und 60 Dollar.

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