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Ölpreis : An der Tankstelle bleibt es erst mal günstig

Bald nur noch 20 Dollar?

Aber auch wenn die außerplanmäßigen Ausfälle kurzfristig noch etwas weiter stiegen - sie lagen im September nach Schätzungen der amerikanischen Energy Information Administration (EIA) mit 3,7 Millionen Barrel auf dem höchsten Stand seit 2010 - bleibe die Versorgungslage am Ölmarkt mehr als reichlich, so die Einschätzung der Commerzbank.

Wie es mit dem Ölpreis weitergeht, ist unter Analysten und Rohstoffexperten äußerst umstritten. Zu den größten „Bären“, also Pessimisten aus Sicht der Ölanbieter, zählt Jeff Currie, der leitende Rohstoffanalyst der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs: „Wir könnten die Marke von 20 Dollar je Fass durchbrechen“, glaubt Currie. Eine Kombination aus starkem Dollar, sinkenden Kosten und schwächelnder Nachfrage in den Schwellenländern werde auf mindestens fünf Jahre hinaus den Ölpreis drücken, erwartet der Amerikaner.

Die Ölindustrie unterdessen hat mit massiven Kostensenkungen auf den Preisrutsch reagiert, der im Sommer 2014 begann und den kaum ein Ölmanager hat kommen sehen. Das renommierte Beratungshaus Wood Mackenzie schätzt, dass die Branche ihre Investitionen in neue Öl- und Gasquellen dieses und nächstes Jahr um insgesamt 220 Milliarden Dollar senken werde. In den Vereinigten Staaten und Kanada seien die Investitionen in neue Bohrlöcher bereits um drei Viertel gefallen, schätzt die Bank of America Merrill Lynch.

Vor allem in der nordamerikanischen Schieferölförderung kann die Produktion sehr viel schneller gedrosselt und wieder hochgefahren werden als in anderen Ölförderregionen. Viele Ölkonzerne wurden von dem Schwächeanfall auf dem falschen Fuß erwischt: Weil einfach zugängliche Reserven immer knapper werden, haben sie in den vergangenen Jahren stark in neue Ölquellen investiert, deren Erschließung sich nur bei hohen Preisen rentiert. Jetzt treten sie zwar genauso stark auf die Bremse, aber wegen der langen Investitionszyklen in der Branche werden in den meisten Fällen Jahre vergehen, bevor die Kürzungen zu einem niedrigeren Ölangebot führen werden.

Mit den niedrigen Preisen müssen alle Unternehmen leben - doch manche sind darauf besser vorbereitet als andere: Der französische Total-Konzern, der zum Kreis der fünf größten privaten Ölkonzerne der Welt, den sogenannten „Supermajors“, zählt, hat bereits vor dem Preisrutsch begonnen, seine Investitionen zu drosseln. Auch BP ist bereits in den vergangenen Jahren schlanker geworden, wenn auch unfreiwillig, denn das Unternehmen musste wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko das Geld zusammenhalten.

Mit voller Wucht hat der Preisrutsch dagegen Shell getroffen. Der größte europäische Ölkonzern hat in den vergangenen Jahren massiv in teure neue Öl- und Gasquellen investiert und muss dafür nun bezahlen: Vergangene Woche gab das Unternehmen das schlechteste Quartalsergebnis seit mehr als anderthalb Jahrzehnten bekannt. Hohe Abschreibungen auf die mittlerweile eingestellte Ölsuche in der Arktis und auf ein großes Ölsandprojekt in Kanada trugen zum Milliardenverlust bei.

Bei Total sind die Einbußen dagegen deutlich geringer. Auch die beiden amerikanischen Ölriesen Exxon-Mobil („Esso“) und Chevron („Texaco“) erwirtschafteten, trotz heftiger Einbußen, im dritten Quartal noch immer Milliardengewinne. Die Unterschiede spiegeln sich in der Börsenbewertung wider: Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, ist Shell das Schlusslicht unter den „Supermajors“, im Mittelfeld rangieren Total und BP, an der Spitze stehen Exxon-Mobil und Chevron.

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