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Energie : Die Erdölmacht Iran kehrt zurück

Irans Ölexport hat vom Abkommen erst einmal wenig Bild: REUTERS

Nach der Aufhebung der Sanktionen gegen Iran wird bald wieder mehr Öl auf den Markt geschwemmt. Doch ob dadurch die Preise sinken, ist nicht sicher.

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          Es ist eine historische Entscheidung: Am Dienstag wurde der seit über einem Jahrzehnt schwelende Atomstreit zwischen Iran und der sogenannten Sechsergruppe beigelegt. Zu dieser Sechsergruppe gehören die Vereinigten Staaten, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Durch das Abkommen soll das iranische Atomprogramm in enge Grenzen gesetzt werden - im Gegenzug sollen die lähmenden Wirtschaftssanktionen fallen.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Durch das Aufheben der Wirtschaftssanktionen könnte Iran auch seine Ölmacht wieder ausspielen. Das Land gehört eigentlich zu den größten Ölnationen. Es hat die viertgrößten Ölreserven der Welt, außerdem ist das Land schon jetzt der siebtgrößte Förderer - und das trotz der Sanktionen. Bei den Gasreserven liegt es sogar an zweiter Stelle. Der Preis für das Öl der Nordseesorte Brent fiel daraufhin am Nachmittag auf 57,50 Dollar.

          Doch so schnell ist nicht mit günstigem Öl zu rechnen. Demnach sollen die Sanktionen erst ab dem ersten Halbjahr 2016 gelockert werden. Sollte sich Iran nicht an die Beschlüsse halten, können die Sanktionen auch innerhalb von 65 Tagen wieder in Kraft treten. Kurzfristig könnten aber erst einmal 30 Millionen Barrel auf den Markt geschwemmt werden. Diese Menge soll in Lagern und auf Schiffen vorhanden sein und bisher noch nicht verkauft worden sein - das könnte dann recht kurzfristig geschehen.

          Aber langfristig dürfte Iran kaum dazu in der Lage sein, seine Ölproduktion rasch anzuheben. Vor drei Jahren wurden die Sanktionen gegen das Land nochmals verschärft, seitdem war die Ölproduktion regelrecht eingebrochen. Noch 2012 förderte das Land 3,5 Millionen Barrel am Tag. Mittlerweile sind es nur noch 2,8 Millionen und damit gut 20 Prozent weniger. So niedrig war das Produktionsniveau zuletzt Anfang der 90er Jahre. In den siebziger Jahren wurden sogar vor der Revolution 6 Millionen am Tag gefördert. Die Exporte, größtenteils nach China, sind mittlerweile auf 1,1 Millionen Barrel am Tag eingebrochen, halb so viel wie vor den Sanktionen.

          Lange Wiederanlaufzeit

          Denn seit drei Jahren liegen viele Produktions- und auch Transportanlagen brach. Diese müssten erst wieder instand gesetzt werden, dazu müssten vor allem auch ausländische Unternehmen mit ihrem Knowhow helfen, aber auch mit ihrem Geld. Bis es so weit ist, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. Daher rechnet zum Beispiel auch die Commerzbank damit, dass erst bis Mitte 2016 das Ölangebot Irans um etwa eine halbe Million Barrel steigen wird, bis Jahresende um eine weitere halbe Million. In der Hinterhand hat Teheran aber schon neue Ölverträge - unter anderem mit Shell, Eni und Glencore - mit einem Gesamtvolumen von mehr als 100 Milliarden Dollar. Doch bis die Sanktionen genug gelockert wurden, dass die Verträge auch unterschrieben werden, wird es sicherlich noch bis 2017 dauern.

          Kürzt nicht gleichzeitig ein anderes Land der Organisation erdölexportierender Länder seine Produktion, wird ein massives Ölangebot auf dem Markt herrschen. Doch danach sieht es ganz und gar nicht aus, eher im Gegenteil. Der monatliche Opec-Ölbericht offenbart nämlich, dass Saudi-Arabien wieder einmal mehr Öl produziert hat als noch im Vormonat. Es waren insgesamt 10,6 Millionen Barrel im Juni, das sind 200.000 mehr als noch im Vormonat. Daher wird auf dem Markt mittlerweile ganz offen spekuliert: Wann wird das Land die 11 knacken? 11 Millionen Barrel, so viel hat zuletzt die frühere Sowjetunion in grauer Vorzeit produziert. Doch warum produziert Saudi-Arabien immer mehr?

          Dazu gibt es zwei Theorien. Zum einen könnte Saudi-Arabien immer mehr Öl in den Markt pumpen wollen, weil das Land glaubt, dass durch günstigere Ölpreise die Nachfrage anzieht und der günstigste Anbieter den größten Marktanteil haben sollte. Der zweite Grund: Man möchte Iran schon von vornherein unter Druck setzen. Denn mit den niedrigen Ölpreisen werden es sich viele westliche Konzerne zweimal überlegen, ob man tatsächlich in neue Quellen in einem Land investiert, welches bald schon wieder von Sanktionen betroffen sein könnte. In Iran könnte nämlich tendenziell ähnlich günstig wie in Saudi-Arabien gefördert werden, sollten die Bedingungen stimmen. Und eben das versucht Saudi-Arabien zu verhindern.

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