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Ölmarkt : Amerika wird Netto-Exporteur

  • Aktualisiert am

Ölförderung in Venezuela Bild: REUTERS

Die Vereinigten Staaten werden erstmals seit 62 Jahren mehr Treibstoffe exportieren als importieren. Das steigert den Einfluss auf dem Energiemarkt in der Welt.

          Die Vereinigten Staaten werden nach einem Zeitungsbericht 2011 erstmals seit 62 Jahren mehr Benzin, Diesel und andere ölbasierte Treibstoffe exportieren als importieren. Damit habe das Land in kurzer Zeit eine extreme Kehrtwende vollzogen und seinen Einfluss auf dem weltweiten Energiemarkt erheblich gesteigert, berichtete das „Wall Street Journal“. Das Blatt beruft sich auf einen Report des staatlichen US-Energieinformationsdienstes EIA.

          Demnach schickten die Vereinigten Staaten in den ersten neun Monaten dieses Jahres gut 750 Millionen Barrel an Benzin, Kerosin oder anderen Treibstoffen ins Ausland. Gleichzeitig führten sie fast 690 Millionen Barrel ein. Noch 2005 hatten die Vereinigten Staaten 900 Millionen Barrel mehr importiert als exportiert. „Die allgemeine Weisheit ist, dass die Vereinigten Staaten ein gewaltiges schwarzes Loch sind, das Energie aus der ganzen Welt anzieht. Die Dynamik ändert sich“, zitiert die Zeitung einen Analysten.

          Energieverbrauch gesunken

          Der Grund für die bessere Bilanz im Treibstoffhandel sei, dass die Amerikaner seit der Finanzkrise vor einigen Jahren weniger Energie verbrauchen. Zudem seien die Raffinerien im Land mittlerweile viel
          effizienter als etwa in Europa. Zudem wurde in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren wieder mehr eigenes Öl gefördert.

          Allerdings ändern die neuen Zahlen nichts an dem Fakt, dass die Vereinigten Staaten der mit Abstand größte Netto-Importeur von Rohöl bleiben und daher in hohem Maße von Ländern mit großen Ölvorkommen abhängig bleiben.

          Ölpreis dreht ins Minus

          Am Donnerstag sind die Ölpreise nach anfänglichen Kursgewinnen ins Minus gedreht. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Januar fiel um 83 Cent auf 109,69 Dollar. Ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 2 Cent auf 100,34 Dollar.

          Nach dem vier Tage andauernden Anstieg der Ölpreise hätten Gewinnmitnahmen eingesetzt, sagten Händlern. Zudem lasteten auch die etwas schwächeren Aktienmärkte auf den Ölpreisen. Grundsätzlich bleibe der Ölpreis angesichts der wachsenden Spannungen im Iran gut unterstützt, hieß es weiter. Auch die gemeinsame Aktion der Notenbanken zur Dollar-Versorgung des globalen Finanzsektors am Vortag hatte sich zuletzt positiv auf die Ölpreise ausgewirkt.

          Gespräche über Iran

          Auch die Gespräche über eventuelle Ölsanktionen gegenüber Iran haben den Ölmarkt beschäftigt. Zwei Tage nach der Erstürmung der britischen Botschaft im Iran wollen die EU-Außenminister den Druck auf Teheran am Donnerstag weiter erhöhen. Mehr als 100 zusätzlichen Firmen und Organisationen sollen Geschäfte mit der EU verboten werden.

          Die Liste der Personen, die mit Kontensperrungen und Einreiseverboten belegt werden, soll erheblich erweitert werden. Darüber hinaus wird intensiv über ein Öl-Embargo und über Maßnahmen gegen den Finanzsektor diskutiert. „Wir müssen die Quellen für das iranische Atomprogramm austrocknen“, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) vor dem Auftakt des Treffens in Brüssel.

          Opec-Öl teurer

          Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ist weiter gestiegen. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Donnerstag kostete ein Barrel (159 Liter) am Mittwoch im Durchschnitt 110,38 Dollar. Das waren 64 Cent mehr als am Dienstag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis täglich auf Basis von zwölf wichtigen Sorten des Kartells.

          Die amerikanische Bank Goldman Sachs legte am Donnerstag eine Prognose für die Ölpreisentwicklung vor und geht von steigenden Notierungen aus. Ende 2012 erwartet Analyst Jeffrey Currie den Ölpreis bei 127,50 Dollar je Barrel und Ende 2013 bei 135 Dollar.

          Händler machten die in der vergangenen Woche deutlich gestiegen Rohöllagerbestände für die Verluste verantwortlich. Die Reserven waren um 3,9 Millionen Barrel (je 159 Liter) auf 334,7 Millionen Barrel gestiegen. Auch die Benzin- und Destillatebestände legte zu. Zuvor hatte die gemeinsame Aktion der Notenbanken zur Sicherung der Liquidität im Weltfinanzsystem die Märkte noch gestützt. Die freundliche Stimmung an den Aktienmärkten und der gesunkene Dollar hatten sich positiv auf den Ölmarkt ausgewirkt.


           

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