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Ölförderung : Russlands Energieminister widerspricht Putin

  • Aktualisiert am

Einigen sich die Ölländer und Russland wirklich darauf, die Förderung zu kappen? Bild: dpa

Erst sagt Wladimir Putin, dass sein Land mit der Opec die Ölförderung drosseln wird. Nun kommen Gegenstimmen aus Moskau. Und dann ist da noch dieses Treffen in Istanbul.

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          Und nun? Gerade hat der russische Präsident Wladimir Putin gesagt, dass sein Land mitmachen wird. Mitmachen, wenn die Ölförderländer der Opec - wie unlängst im Grundsatz vereinbart - ihre Produktion etwas drosseln werden. Seine Äußerungen während einer Energiekonferenz in Istanbul hatten sich am Montag deutlich im Ölpreis niedergeschlagen: Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich um mehr als 3 Prozent auf 53 Dollar. Ziemlich stabil hält sich der Preis nun oberhalb der 50-Dollar-Marke seit dem Opec-Treffen in Algier, an dem auch Vertreter Moskaus teilgenommen hatten.

          Nur einen Tag nach Putins Auftritt kommen aus seinem Staat nun ganz andere Stimmen. Energieminister Alexander Nowak sagte, er wolle sich nicht an einer vom Ölkartell Opec angeregten Drosselung der Fördermenge beteiligen. Denkbar sei allenfalls, die Produktion auf dem derzeitigen Niveau einzufrieren.

          Warum die Ölländer-Einigung so brisant ist, erklären wir hier.

          Das wiederum lehnt jedoch auch der Chef des größten russischen Ölkonzerns Rosneft ab. „Warum sollten wir das tun?“, fragte Igor Setschin. Rosneft steht für etwa zwei Fünftel der russischen Ölfördermenge, im vergangenen Jahr produzierte das Unternehmen etwas mehr als 4 Millionen Fass am Tag; dieses Jahr sollen es noch mehr werden.

          Konzernchef Setschin ist für seine ablehnende Haltung der Opec gegenüber bekannt. Ein Kreml-Sprecher hingegen sagte, Russland stelle als Bedingung dafür zu kooperieren, dass sich die Ölländer der Opec auf konkrete Schritte einigen. Am 30. November ist das nächste offizielle Treffen in Wien, dann soll es angeblich soweit sein.

          Was machen die Saudis?

          Schon an diesem Mittwoch wollen sich Vertreter des brüchigen Kartells mit Vertretern Russlands in Istanbul informell treffen. Eigentlich - nun, so heißt es, wolle ausgerechnet der wichtige saudische Energieminister Khalid al-Falih nicht teilnehmen, sondern die Zusammenkunft aus der Ferne verfolgen. Er verwies zudem auf Daten aus den Vereinigten Staaten: Diese zeigten, dass die Überkapazitäten auf dem Ölmarkt zurückgingen.

          BRENT

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          Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur IEA könnte die sehr große Ölproduktion bis ins kommende Jahr hinein andauern, falls sich der Markt selbst überlassen bleibe. Ein Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage könnte hingegen schneller erreicht werden, wenn sich die Opec und Russland darauf einigten, ihre Förderung wirklich zu kappen.

          An den Rohstoffmärkten finden die Anleger die Bekundung nach dem jüngsten Opec-Treffen einigermaßen glaubhaft, zumindest steht der gestiegene Preis dafür. Allerdings äußern Fachleute nach wie vor große Zweifel: Sie fragen sich vor allem, ob der größte Ölproduzent Saudi-Arabien tatsächlich weniger produzieren wird, während sein in diesem Jahr auf den Weltmarkt zurück gekehrter Erzfeind Iran die eigene Förderung sogar ausweiten darf.

          Übrigens: Im vergangenen Monat dürften die Ölländer der Opec so viel Öl gefördert haben wie seit langem nicht mehr. Die Produktion im Norden des Iraks legte deutlich zu, in Libyen öffneten wichtige Häfen wieder. Saudi-Arabien förderte angeblich mehr Öl als im Monat zuvor. Und  auch in Russland laufen die Pumpen wohl weiter auf Hochtouren - das Land förderte mehr als 11 Millionen Fass, täglich. Das wäre so viel wie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr.

          Die Rohstoff-Fachleute der Investmentbank Goldman Sachs zweifeln denn auch, dass es im kommenden Jahr gelingt, ein Gleichgewicht zu schaffen, und verwies auf eine höhere Förderung in Libyen, Nigeria und dem Irak. Der Chef des britischen Ölkonzerns BP, Robert Dudley, rechnet damit, dass der Ölpreis bis zum Ende des Jahrzehnts zwischen 55 und 70 Dollar je Fass liegen wird. An diesem Dienstag stand er im Tagesverlauf ein knappes Prozent niedriger als am Tag zuvor.

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