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Steigender Ölpreis : Öl kostet wieder 50 Dollar

Lohnt sich das Fördern nun wieder mehr? Die Arbeiter bohren jedenfalls fleißig. Bild: ddp Images

Der Rückgang der Lagerbestände in Amerika treibt den Preis auf ein Sechs-Monats-Hoch. Analysten bezweifeln jedoch, dass er sich dort lange halten kann.

          Als der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent im Januar nur noch 27 Dollar kostete, kursierten Spekulationen über einen weiteren Verfall bis auf 20 Dollar oder sogar noch weniger am Markt. Am Donnerstag nun erreichte der Preis für ein Fass Brent erstmals seit November 2015 die Marke von 50 Dollar. Damit ist eine nicht zuletzt aus optischen Gründen wichtige Marke wieder erreicht. Aber ob damit der Grundstein für eine längerfristige Hausse gelegt ist, bleibt unsicher.

          „Wir rechnen nicht mit Preisen dauerhaft oberhalb von 50 Dollar“, meint Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Das gegenüber den vergangenen Wochen höhere Preisniveau macht nach Weinbergs Ansicht „die Schieferölproduktion vielerorts wieder lukrativ, was den Produktionsrückgang in den kommenden Monaten dämpfen könnte. Zudem läuft die Ölproduktion in den von Waldbränden geplagten Regionen in Kanada allmählich wieder an, so dass sich die Angebotslage in den kommenden Wochen wieder entspannen dürfte.“

          Rückgang der Lagerbestände in den Vereinigten Staaten

          Die Ölbranche „sei nicht wirklich aus dem Schneider“, kommentierte Heinrich Peters von der Helaba. Aus den fundamentalen Daten ließen sich derzeit keine Argumente für einen nachhaltig steigenden Preis herleiten. So ist, wie die Treffen in den vergangenen Monaten zeigten, kaum mit einer Produktionskürzung der wichtigsten Opec-Staaten zu rechnen. Saudi-Arabien lässt seine Ölquellen weiter sprudeln, und Iran ist ebenfalls an einer hohen Produktion interessiert.

          Auslöser des jüngsten Preisanstiegs war ein Rückgang der Lagerbestände in den Vereinigten Staaten, die einen in der Branche viel beachteten Indikator darstellen. Außerdem wurde die Preisentwicklung durch eine rückläufige Produktion in Nigeria und in Venezuela begünstigt. „Es kann sein, dass wir ein angenehmes Preisniveau erreicht haben – niedrig genug, um weiterhin den Konsum anzutreiben, aber nicht hoch genug, um die Geldpolitik und die Anleihemärkte zu verstören“, sagte ein Analyst von BGC Partners. Der Fall der Ölpreise hatte zum Rückgang der Inflationsrate in den vergangenen 15 Monaten beigetragen. Sollte der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau verharren, müsste er in der zweiten Jahreshälfte die Inflationsraten leicht anheben, was den Wünschen unter anderem der Europäischen Zentralbank entsprechen würde.

          An den Märkten für Staatsanleihen zeigte man sich gelassen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg geringfügig auf 0,17 Prozent. Deutlichere Spuren zeigte die Verteuerung des Öls am Devisenmarkt, wo Währungen von Ölförderländern, darunter die norwegische Krone und der malaysische Ringgit, aufwerteten. Kursaufschläge verzeichneten am Aktienmarkt die Kurse von Ölförderunternehmen.

          Robuste Nachfrage aus China und anderen Schwellenländern

          Eine Stabilisierung des Ölpreises auf dem aktuellen Niveau dürfte auch die Sorgen am Markt für Anleihen von Unternehmen mit schwächerer Bonität reduzieren. Dort hatten in den vergangenen Monaten die Anleihen zahlreicher Energieunternehmen deutliche Kursverluste erlitten. Am Donnerstag ermäßigten sich die Preise für Absicherungen gegen den Ausfall dieser Schuldner spürbar.

          Die Fachleute der in Paris ansässigen Internationalen Energieagentur (IEA) sehen nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch auf dem Weltmarkt einen Rückgang der Vorräte. Als einen wichtigen Grund nennen sie eine robuste Nachfrage aus China, Indien und anderen Schwellenländern. Im Laufe dieses Jahres sei mit einer „dramatischen Schrumpfung des Überangebots“ zu rechnen. Im vergangenen Jahr hatte das Wachstum der Weltwirtschaft vor allem unter einer Schwäche einiger Schwellenländer gelitten. Im laufenden Jahr sieht es so aus, als würde sich das Wirtschaftswachstum in vielen Schwellenländern wieder beschleunigen.

          Der Ölpreis besitzt eine erhebliche Bedeutung für die Gesamtwirtschaft. Sein kräftiger Fall von über 100 Dollar im Jahre 2014 hat einerseits die Konjunktur in den Industrienationen gestützt, weil die Verbraucher mehr Geld für andere Verwendungen übrig hatten. Ebenso ist er wesentlich für den Fall der Inflationsrate verantwortlich, die in der Europäischen Währungsunion zuletzt knapp unter null lag. Ohne Energie läge die Inflationsrate knapp einen Prozentpunkt höher. Viele Förderländer wie Russland litten dagegen unter dem Fall des Ölpreises.

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