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Talfahrt : Banken halten Ölpreis von rund 20 Dollar für möglich

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Ölplattform im nord-arabischen Golf. Bild: dpa

Der sich beschleunigende Preisverfall beim Öl sorgt für Nervosität: Nordseeöl der Sorte Brent verlor mehr als 3 Prozent und fiel unter 31 Dollar. Und es könnte noch weiter abwärts gehen, meinen die Banker von Morgan Stanley.

          Nachdem die Ölpreise am Dienstag ihre Talfahrt zunächst fortsetzten und auf den tiefsten Stand seit zwölf Jahren rutschten, erholen sie sich deutlich. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet derzeit 31,73 Dollar und damit 1,30 Dollar mehr als noch am Morgen. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI liegt bei 31,38 Dollar und ist damit knapp einen Dollar höher als heute früh, als die Preise den  niedrigsten Stand seit April 2004 erreicht hatten.

          Trotz der Erholung am Dienstag lastet weiterhin das weltweit hohe Angebot an Rohöl auf den Preisen. So sind die Lagerbestände in den Vereinigten Staaten weiter gestiegen. Das durch den Schieferölboom in den Vereinigten Staaten ausgelöste Überangebot gilt als Hauptauslöser. Anders als in früheren Jahren haben die Opec-Staaten darauf nicht mit Förderkürzungen reagiert, um den Preis zu stützen. Sie pumpen ebenfalls mehr Öl, um so ihre Marktanteile zu verteidigen.

          In Angola und Nigeria wurden vor kurzem drei neue Ölfelder eröffnet. Nigeria will zudem die Raffinerieproduktion erhöhen, um den Import raffinierter Produkte zu senken. Das Land verfügt über große, ungenutzte Kapazitäten.

          Zudem dürfte bald auch der Iran wieder mehr Rohöl exportieren, da die endgültige Aufhebung der Sanktionen offenbar näher rückt. „Meine Erwartung ist, dass dieser Tag recht bald kommen wird“, sagte EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini am Montag. Es gebe aber noch keinen festen Termin. Voraussetzung sei, dass der Iran alle Verpflichtungen aus dem Atomabkommen erfülle.

          Eine rasche Aufwertung des Dollar könnte den Preis für Brent in diesem Jahr sogar bis auf 20 Dollar pro Barrel drücken, schreibt die amerikanische Bank Morgan Stanley.

          Öl wird in Dollar gehandelt und könnte 10 bis 25 Prozent verlieren, wenn die Währung um fünf Prozent aufwertet, wie Analysten von Morgan Stanley in einem Bericht vom 11. Januar konstatieren. Grund ist, dass die Nachfrage aus Ländern, die den Dollar nicht als Währung haben, unter der Aufwertung leidet.

          Das hohe Ölangebot habe den Ölpreis unter 60 Dollar gedrückt, heißt es in dem Bericht, aber der Preisrückgang in den Bereich von 35 Dollar gehe vor allem auf die Entwicklung des Dollar zurück.

          Der Dollar hat seit dem vergangenen Sommer gegenüber den großen Weltwährungen leicht aufgewertet. Indes nimmt sich die Aufwertung von zwei Prozent etwa gegenüber dem Euro moderat aus gegenüber Abwertungen von 15 Prozent des malaysischen Ringgit oder 22 Prozent des brasilianischen Real.

          Der Zusammenhang zwischen Dollar-Index und Ölpreis ist in einigen Marktphasen tatsächlich sehr deutlich. So trifft etwa der starke Anstieg des Ölpreises von 2002 bis 2008 mit einem ebenfalls deutlichen Wertverlust des Dollar zusammen. Und auch der starke Preissturz des Öls in der zweiten Jahreshälfte 2014 wird von einer starken Aufwertung des Dollar begleitet.

          Zu anderen Zeiten ist der Zusammenhang weniger ausgeprägt. Dies gilt just für den jüngsten Ölpreisrückgang von 45 Dollar auf das aktuelle Niveau. In dieser Zeit hat der Wert des Dollar tendenziell stagniert. Allerdings handelt es sich um einen vergleichsweise kurzen Zeitraum, so dass dies nicht gegen den grundsätzlichen langfristigen Zusammenhang spricht.

          Morgan Stanley ist nicht die erste Bank, die einen Fall des Ölpreises bis auf 20 Dollar für möglich hält. Auch Goldman Sachs hat zuvor prognostiziert, dass Öl 2016 einen solch geringen Preis erreichen könnte, allerdings aus anderen Gründen: Die Banker von Goldman Sachs gehen davon aus, dass die Lagertanks für Öl irgendwann an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen und einen zeitweisen Produktionstopp auslösen könnten.

          In der langfristigen Betrachtung stößt der Ölpreis langsam in  Regionen vor, in denen er sich zwischen Ende der Siebziger und den frühen 2000er Jahren befand. Dass sich dies an der Tankstelle nicht so stark auswirkt, ist vor allem dem starken Dollar geschuldet - ebenso wie die Deutschen während des starken Ölpreisanstiegs aufgrund der Dollar-Schwäche besser davonkamen.

          Dabei schlägt der Ölpreis zur Zeit stärker druch als in der Vergangenheit. Mit rund einem Drittel machen die Importkosten derzeit deutlich mehr am Benzinpreis aus als etwa 2002, wo sie nur rund 18 Prozent der Kosten ausmachten. Je niedriger jedoch die Importkosten sind, desto mehr schlägt der Steueranteil zu Buche, der nicht im gleichen Maße sinkt. So lagen die Produktkosten für den Liter Superbenzin im November bei 33,1 Cent und waren damit gut 22 Cent niedriger als vor drei Jahren. Der Steueranteil sank dagegen dagegen lediglich um 11,6 Cent. Insofern macht sich der nachgebende Ölpreis immer weniger stark bemerkbar.

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