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Opec : Das Ölkartell kämpft gegen seine schwarzen Schafe

„Die Saudis befinden sich in einer Zwickmühle“

„Die einzige Sanktion ist die unzufriedene Reaktion der restlichen Teilnehmer“, meint Weinberg. Im Prinzip ist es zwar auch möglich, dass die Opec als Sanktion ein Land ausschließt – oder die Mitgliedschaft zumindest ruhen lässt, wie das bei Indonesien passiert ist. Das Land ist Netto-Öl-Importeur und war deshalb nicht zu Kürzungen bereit. Aber um ein Land dahin zu bringen, müssen die anderen Einstimmigkeit an den Tag legen, wie Staunovo hervorhebt. Und die ist in der zerstrittenen Opec wohl nicht leicht zu erreichen. Außerdem ist die Folge dann, dass ein Land außerhalb der Opec nach Belieben Öl fördern kann – auch diese Sanktion ist also für die Opec zweifelhaft.

Bild: F.A.Z.

Wenn alles nichts hilft, könnte der Kern der Opec um Saudi-Arabien damit drohen, den Markt mit Öl zu fluten und auf diese Weise den kooperationsunwilligen Ländern das Geschäft kaputtzumachen, meint Heinrich Peters, Ölfachmann der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Aber das würde den Opec-Kern natürlich auch selbst in erheblichem Maße treffen. „Da stellt sich immer die Frage, wie glaubwürdig die Androhung der Strafaktion ist, wenn den Strafenden die Strafe mehr schmerzt als die Bestraften“, sagt Haucap.

Die Saudis befänden sich ohnehin in einer Zwickmühle, meint Peters. Schließlich wollten sie im kommenden Jahr ihre staatliche Ölgesellschaft Saudi-Aramco an die Börse bringen. Dafür hätten sie gern einen Rohölpreis von 60 bis 70 Dollar je Fass, damit sie die Anteile nicht unter dem langfristigen Wert verkaufen müssten. Immerhin wollen sie daraus einen Teil des Umbaus ihrer Wirtschaft finanzieren, der sie unabhängiger vom Öl machen soll. „Das war ja auch ein Grund, warum die Saudis im vergangenen Jahr in den Verhandlungen um die Förderkürzung eingelenkt haben und das Gros der Produktionskürzungen übernahmen“, sagt Peters.

Zuvor hätten die Saudis die Strategie verfolgt, ihren Marktanteil zu vergrößern, indem sie durch niedrige Preise unliebsame Grenzanbieter aus dem Markt drängten. „Die neue saudische Führung hat sich womöglich durch den Strategiewechsel in Verbindung mit dem Börsengang in eine Sackgasse manövriert“, meint Peters.

Selbst wenn sich die Länder bald auf eine härtere Umsetzung der Kürzungen verständigen sollten, werde man das nicht öffentlich machen, meinte jedenfalls Jan Edelmann, Ölfachmann der HSH Nordbank. Und zwar, weil jeder Preisanstieg derzeit vor allem der amerikanischen Schieferölindustrie helfe. Die HSH Nordbank glaube ohnehin, dass es jetzt weniger von der Angebots- als von der Nachfrageseite her Unterstützung für den Ölpreis geben werden: „Die Juni-Daten deuteten auf eine sehr erfreuliche Nachfrageentwicklung hin.“ Am Dienstag drehten die Ölpreise unterdessen nach Verlusten am Morgen in die Gewinnzone. Am Nachmittag kostete ein Fass der Nordseesorte Brent 52,55 Dollar, 18 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 24 Cent auf 49,63 Dollar.

„Der schwächere Dollar unterstützt die Rohstoffpreise“ Seit Jahresbeginn fällt die Preisbilanz für Rohstoffe gemischt aus. Zum Teil liegen die Notierungen deutlich im Plus. So ist der Preis für die Feinunze (31,1 Gramm) Gold um 10 Prozent auf am Dienstag 1260 Dollar gestiegen. Vor einem Jahr kostete das gelbe Edelmetall gleichwohl 100 Dollar mehr. Rohöl der Sorte Brent ist dagegen in den ersten Monaten des Jahres um 6 Prozent günstiger geworden. Der Juli wiederum war aus Sicht der Anleger ein vergleichsweise guter Monat für Rohstoffe insgesamt. Die Preise für Erdöl und Rohölprodukte hätten sich deutlich erholt, Ähnliches gelte für die Edelmetallnotierungen, sagen die Analysten der Deka Bank. Industriemetalle hätten ihre Aufwärtsentwicklung aus dem Juni fortgesetzt. Das Barrel (159 Liter) der Ölsorte Brent ist im Juli um 10 Prozent teurer geworden. Für Gold ging es um 2 Prozent aufwärts. Die Analysten der Deka verweisen zur Begründung auf die aus preislicher Sicht positive Entwicklung der Fundamentaldaten. Unterstützend habe vermutlich die jüngste Schwäche des amerikanischen Dollars gewirkt. Denn der negative Zusammenhang zwischen Rohstoffpreisen und dem Dollar nehme in der Regel gerade in Phasen schneller Währungsbewegungen deutlich zu. Dabei hat der Euro zum Dollar seit Jahresbeginn um 7 Prozent aufgewertet. Aktuell notiert er mit Kursen von rund 1,18 Dollar nahe seinem Zweieinhalb-Jahres-Hoch. Die jüngste Entwicklung der Rohstoffnotierungen dürfte auch spekulative Marktteilnehmer angelockt haben, sagen die Analysten der Deka und verweisen auf die im Juli noch ausgebauten Netto-Long-Positionen an den Terminmärkten, also die vermehrte Spekulation auf weiter steigende Preise. Die Ökonomen rechnen nun damit, dass sich die Rohstoffpreise in den kommenden Quartalen mit hohen Schwankungen seitwärts bewegen sollten. Die Nachfrage entwickele sich in vielen Bereichen weiterhin gut, zeige aber bislang keine zusätzliche Dynamik. Im Angebot wirke sich zwar in einzelnen Bereichen langsam die geringere Investitionstätigkeit der vergangenen Jahre bremsend aus. Dennoch scheine dies nicht auszureichen, um einen nachhaltig stärkeren Druck auf die Rohstoffpreise zu erzeugen. kpa.

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