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Ökonom : Roubini prognostiziert steigende Rohstoffpreise

  • Aktualisiert am

Nouriel Roubini Bild: REUTERS

Der Ökonom Nouriel Roubini wandelt sich vom Pessimisten zum Optimisten: Die Weltkonjunktur werde sich erholen und die Rohstoffpreise beflügeln, erklärt er. Der Ölpreis werde am stärksten steigen, Aluminium dagegen nur schwach.

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          Der prominente Ökonom Nouriel Roubini prognostiziert für das kommende Jahr weiter steigende Rohstoffpreise. Je deutlicher die Rezession wieder von stärkerem Wachstum der Weltwirtschaft verdrängt wird, desto schneller würden sich die Rohstoffpreise erhöhen, sagte der Wissenschaftler auf einer Konferenz namens „Diggers and Dealers“ in der westaustralischen Goldförderstadt Kalgoorlie. Es sei „Licht am Ende des Tunnels“ zu erkennen, fügte Roubini an.

          Mit seiner optimistischen Einschätzung schließt sich der Vorsitzende von Roubini Global Economics, der auch an der New Yorker Stern School of Business lehrt, dem Urteil des ehemaligen amerikanische Notenbankchefs Alan Greenspan an. Der hatte am Wochenende erklärt, dass die schwerste Rezession seit mehreren Jahrzehnten nun ende und die folgende Wachstumsphase schneller als von den meisten Ökonomen erwartet einsetzen könne.

          Roubini - vom Pessimisten zum Optimisten

          Roubini hatte im Jahre 2006 korrekt die Subprime- Kreditkrise und den darauf folgenden Einbruch der Weltwirtschaft vorausgesagt. Er bezifferte seine eigene Schätzung für die globale Konjunktur auf eine Kontraktion von zwei Prozent in diesem Jahr und auf ein Wachstum von 2,3 Prozent im kommenden Jahr.

          Ende Juli hatten sich viele Rohstoffnotierungen sehr deutlich erholt, getrieben von Spekulationen auf ein Ende der globalen Rezession mit einer entsprechend steigenden Nachfrage für Industriemetalle, Rohöl und andere Versorgungsgüter wie Getreide.

          Der Ölpreis ist seit Jahresbeginn um 56 Prozent gestiegen und der Preis für Kupfer hat sogar 86 Prozent zugelegt. Der Rohstoffindex Reuters/Jefferies CRB Index aus den 19 wichtigsten Rohstoffen ist in diesem Jahr um zwölf Prozent gestiegen. Alleine am 30. Juli betrug das Plus 3,9 Prozent. Es war die stärkste Steigerung seit dem 19. März.

          „Die Anmerkungen von Roubini sind ein guter Gradmesser für unsere Geschäfte“, sagte Martin McDermott, der beim marktführenden kanadischen Minenentwickler SNC-Lavalin Group für die Metallförderung zuständig ist. „Die Güter, mit denen wir arbeiten, wie Kupfer, Nickel, Gold und Eisenerz scheinen sich alle positiv zu entwickeln und wir wollen das für unsere Geschäfte nutzen“, sagte er.

          Roubini hatte bereits am 23. Juli eine beginnende Erholung der Weltkonjunktur für das Spätjahr 2009 in Aussicht gestellt. Zugleich deutete er die Möglichkeit einer neuerlichen Rezession für Ende 2010 oder 2011 an, was Roubini mit der steigenden Staatsverschuldung, höheren Ölpreisen und einem mangelnden Arbeitsplatzwachstum begründete.

          Im zweiten Quartal war die Wirtschaft in China, dem derzeit wichtigsten Motor der Weltkonjunktur, um 7,9 Prozent gewachsen. China hatte Mitte Juli Japan als zweitgrößten Aktienmarkt der Welt nach der Marktkapitalisierung abgelöst. Die Regierung in Peking hatte mit einem beispiellosen Konjunkturprogramm in Höhe von vier Milliarden Yuan sowohl die Kreditvergabe im Lande deutlich angeschoben wie auch die Preise für Versorgungsgüter und die Aktienkurse. China werde das selbst gesteckte Ziel eines Wirtschaftswachstums von acht Prozent im Gesamtjahr 2009 erreichen, sagte Roubini auf der Konferenz voraus.

          Ölpreis top - Aluminium flop

          Roubini stellte in Kalgoorlie daneben eine weitere Erholung so genannter Rohstoffwährungen in Aussicht. Dazu zählen neben dem australischen und neuseeländischen Dollar auch die Währungen von Südafrika und Kanada. In Erwartung besserer Daten aus dem Einzelhandel und vom Immobilienmarkt am Dienstag war der australische Dollar zuletzt auf den höchsten Stand seit knapp einem Jahr gestiegen.

          Von seinem Optimismus nahm Roubini ausdrücklich die Preisentwicklung von Aluminium aus. Das Leichtmetall findet Verwendung in Getränkedosen oder Flugzeugteilen; sein Preis war im vergangenen Jahr mit der globalen Rezession um mehr als ein Drittel eingebrochen. Einer Nachfrageerholung stehe nun eine „gewaltige Überkapazität“ gegenüber, was die Preiserholung bei Aluminium gefährden könne, sagte er.

          Hingegen werde der Ölpreis sich stärker als der Durchschnitt bei den Rohstoffen voran bewegen, sagte Roubini in einem Gespräch mit Bloomberg News am Rande der Konferenz. Es sei im kommenden Jahr mit einem Durchschnittspreis zwischen 70 und 75 Dollar je Barrel zu rechnen. Am Montag hatte der Ölpreis erstmals seit rund vier Wochen wieder die Marke von 70 Dollar überstiegen.

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